Auf trockenen Halbinseln – die interessantesten Grenzräume Mitteleuropas

Die Grenzen in Mitteleuropa entstanden häufig als Produkt von Konflikten oder willkürlichen Entscheidungen und wurden meistens über den Köpfen der Menschen hinweg gezogen. Schon ein flüchtiger Blick auf die Landkarte zeigt, dass es nicht wenige Stellen gibt, an denen die Grenzführung aus verschiedenen Gründen einen besonderen Charakter hat: Das Gebiet eines Landes ist dort nämlich von mehreren Seiten vom fremden Staatsgebiet umgeben. Das Leben in solchen „trockenen Halbinseln“ war schon immer anders, meistens schwieriger, aber auch spannender als im Landesinneren. Vor allem in der Zeit des kalten Krieges und der kommunistischen Diktaturen konnte man die Grenze um sich herum nicht übersehen und gar nicht ignorieren – dies galt auch für die Grenzgebiete „sozialistischer Bruderstaaten“. Heute spürt und sieht man in den Landzungen, die innerhalb des Schengener Raumes liegen, wohl am deutlichsten, dass der Traum von einem Europa ohne trennende Grenzen vor unseren Augen in Erfüllung gegangen ist.

Das Projekt wird in verschiedener Form Erfahrungen von Menschen schildern, die in von fremdem Staatsgebiet umgebenen mitteleuropäischen Landzungen leb(t)en. Ziel des Projekts ist es, die Prägung der Orte durch den jeweiligen Grenzverlauf zu recherchieren und über einen Alltag zu erzählen, in dem Grenzen Schicksale beeinflussten und auch heute noch steuern. Erst wenn man Berichte von Menschen gehört hat, die mit ihren Nachbarn, die in Sichtweite lebten, nicht sprechen und sich nicht ohne Weiteres besuchen konnten, wird man sich völlig bewusst, welches Geschenk wir mit den durchlässigen EU-Binnengrenzen bekommen haben.

Im Projekt wurde eine interaktive Karte entwickelt, die hier abrufbar ist: Grenzräume Mitteleuropas – Auf trockenen Halbinseln die interessantesten Grenzräume Mitteleuropas