IDM Short Insights 51: Pro Orbán vs Pro Magyar Demonstrations in Budapest

Viktor Orbán and Péter Magyar, two of Hungary’s greatest political opponents, led marches on one of the country’s most symbolic days. Our colleague Malwina Talik attended both events in Budapest, where Peter Techet explained what role the 23rd October plays in Hungary’s collective memory and what each rival conveyed in their speeches. Watch the latest IDM Short Insights to find out!

Transcript:

1. What was happening in Budapest on 23 October 2025?

„Today, on the 23 October, Budapest is witnessing two large rival demonstrations. The first demonstration is led by the Hungarian Prime Minister Viktor Orbán and Fidesz Party, and the second one by his largest challenger, Péter Magyar from Tisza.“

2. What does 23 October stands for in Hungarian collective memory?

„On 23 October, Hungary marks the anniversary of the 1956 anti-Soviet revolution, when students and workers rose up against the Stalinist regime. Since the 1990 regime change, its memory has served political purposes — and this year is no different. The opposition invokes the slogan “Russians, go home” to criticize Prime Minister Viktor Orbán’s pro-Russian stance, while his party claims that, just like Moscow once did, today Brussels and the “globalists” threaten Hungary’s freedom.“

3. „March for Peace” of Viktor Orbán

„I have just left the first demonstration which was organized by Fidesz and Viktor Orbán. It has undoubtedly gathered a lot of people, however I could have seen most of those from older generations. As every fourth Hungarian is still hesitant about who they will vote for in the April elections, those both rallies are competing for the attention of the undecided as well as for the mobilization of their electoral bases.“

4. How was Orbán’s speech?

„“Whoever is Hungarian goes with us,” read the large slogan behind Viktor Orbán as he delivered his speech. The message is clear — and hardly new in Orbán’s rhetoric: only those who vote for him truly belong to the Hungarian nation. As he said more than twenty years ago, after losing the 2002 elections: “The homeland cannot be in the opposition.” This year’s speech came from a politician who, for the first time since 2010, may fear a return to opposition.“

5. Rally of Péter Magyar

„The second rally organized by Péter Magyar and Tisza is just about to start. Magyar himself was for a very long time a member of the Fidesz party but left it in February 2024. Orbán and Fidesz line media labeled this march as a pro-war march and accused Magyar of being Brussels puppet or an Ukrainian agent.“

6. What did Magyar emphasize in his speech ?

„In his speech, Peter Magyar called for overcoming the divisions within society and for Hungarians to reclaim their freedom together. According to independent estimates, more people joined Magyar’s demonstration than Prime Minister Orbán’s. However, the decisive moment will come next April, when the country heads to the polls.“

Lebenslang lernen, europaweit denken

Europäische Universitäten stehen angesichts gesellschaftlicher Veränderungen vor großen Herausforderungen. Wie transnationale Hochschulallianzen zur Erneuerung und Europäisierung der Bildung beitragen, erklärt KATALIN SZONDY in ihrem Beitrag.

Dieser Artikel wurde in Info Europa 2/2025: Zukunftsfit durch Bildung veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

Der 1998/1999 ins Leben gerufene Bologna-Prozess markierte einen der bedeutendsten Transformationsprozesse im Bereich Bildung in der EU. Ein einheitlicher Europäischer Hochschulraum mit gemeinsamen Standards sollte geschaffen werden. Das förderte die Mobilität der Studierenden, stärkte die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und erleichterte die gegenseitige Anerkennung von Studienabschlüssen.

Heute stehen Universitäten in Europa vor einem neuerlichen Transformationsprozess. Traditionelle Lehr- und Lernformate weichen veränderten Bedürfnissen einer neuen Studierendengeneration. Diese ist vielfältiger und anspruchsvoller denn je. Lernpfade sind individuell geworden. Neben den herkömmlichen linearen Lernwegen von der Schule an die Uni entdecken nun auch vermehrt Menschen erst nach ihrem beruflichen Einstieg die Hochschulwelt für sich. Hinzu kommen Wiederkehrer*innen, also Menschen, die sich regelmäßig im wissenschaftlichen Rahmen weiterbilden, um sich neuen beruflichen Anforderungen anzupassen.

Triebfeder für Innovation

Das lebensbegleitende Lernen ist längst zu einem der wesentlichen Bausteine des Europäischen Hochschulraums geworden. Die Ausgestaltung der Lehr- und Lernszenarien für diese diverse Zielgruppe benötigt innovative Kräfte. Hier kommen Zusammenschlüsse von Hochschulen ins Spiel, die dabei als Treiber von Bildungsinnovation sowie Forschungsexzellenz eine Schlüsselrolle einnehmen können. Der französische Präsident Emmanuel Macron rief im Jahr 2017 beim Sozialgipfel für faire Arbeitsplätze und Wachstum in Göteborg zur Bildung solcher transnationalen Allianzen in Europa auf. Insbesondere seitdem formieren sich immer mehr Hochschulkonsortien, um sich mit vereinten Kräften den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen.

Die Initiativen zielen darauf ab, die akademische Zusammenarbeit zu intensivieren, Innovationen zu fördern, den globalen und gesellschaftlichen Herausforderungen effektiver zu begegnen und die Wettbewerbsfähigkeit Europas im internationalen Kontext zu sichern. Mittelfristig besteht außerdem der Plan, auch eigene akademische Grade, die sogenannten European Degrees, zu vergeben. Diese sollen als ein Gütesiegel für gemeinsam entwickelte und durchgeführte Studienprogramme fungieren, die die kulturelle und sprachliche Vielfalt sowie europäische Werte fördern.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Ressourcen der Hochschulen knapp sind und das Einwerben von Drittmitteln für die Umsetzung der genannten Aktivitäten aufwändig. Transnationale Konsortien in ganz Europa warten derzeit auf weitere Ausschreibungen für Fördermittel durch die EU-Kommission.

EU.ACE für nachhaltige Bildung

Das Konsortium EU.ACE vereint zehn europäische Hochschuleinrichtungen unter der Koordination der Universität für Weiterbildung Krems (UWK). Initiiert wurde das Projekt gemeinsam mit dem renommierten französischen Partner Le Cnam, der – ebenso wie Krems – zu den führenden Institutionen im Bereich der wissenschaftlichen Weiterbildung zählt. Ein besonderer Schwerpunkt der Allianz liegt auf dem Donauraum, vertreten durch die Universität Ulm, die Andrássy Universität Budapest, die Universität Alba Iulia in Rumänien sowie die Universität Zenica in Bosnien und Herzegowina. Die weiteren Partneruniversitäten finden sich geografisch ausgewogen über Europa verteilt: CEU in Madrid, TUAS in Turku, Hogeschool Utrecht und HSLU Luzern.

Die Stärke des Netzwerks liegt neben der Bündelung der fachlichen Expertise unter anderem in der Durchmischung unterschiedlicher Hochschulsysteme. Öffentliche Universitäten mit traditionellem Fokus und Fachhochschulen mit einem höheren Grad an Angewandtheit ergänzen sich. Auch Multilingualismus und Interkulturalität gehören zum Alltag im Konsortium.

Inklusives Lernen und Forschen

Weiterbildung im Sinne des lebensbegleitenden Lernens stellt den Menschen in allen Lebensphasen in den Mittelpunkt. Eine der wesentlichen Fragestellungen des Konsortiums beschäftigt sich daher damit, wie die Universität der Zukunft aussehen wird. Wie können Hochschulen zu Begegnungsstätten transformiert werden, die allen Interessierten den Zugang zu Bildung, Wissens- und Kompetenzentwicklung ermöglichen? Wie werden sogenannte future-proof Skills, also jene zukunftsrelevanten Kompetenzen, die Menschen in einer sich wandelnden Welt stärken und befähigen, am besten vermittelt?

Innovative Formate in Forschung und Lehre versuchen diese Fragen zu beantworten – und das mit dem Ansatz, die Regionen einzubinden. Denn: Regionalität und Internationalisierung schließen sich nicht aus, ganz im Gegenteil. So kann passgenau auf regionale Bedarfe und Herausforderungen eingegangen werden, etwa in den Bereichen Digitalisierung, Gesundheit, Nachhaltigkeit oder gesellschaftlicher Zusammenhalt. Dieser Ansatz ist forschend und umsetzend zugleich. In Reallaboren („Living Labs“) sowie durch flexible Formate wie Micro-Credentials werden neue Wege erprobt, um Bildung zugänglich, praxisnah und relevant zu gestalten.

Ein starkes Europa braucht Bildung, Vielfalt und Chancengleichheit – und das lebensbegleitende Lernen ist das Herzstück dieser Vision. Obwohl die Relevanz von wissenschaftlicher Weiterbildung in der Gesellschaft zunehmend anerkannt wird, sind entsprechende Studienprogramme auf europäischer Ebene noch nicht gleichwertig zu traditionellen Vollzeitstudiengängen positioniert. Gerade deshalb bringt sich EU.ACE auch aktiv in europäische Arbeitsgruppen ein. Mit dem Lead-Koordinator des Konsortiums, der Universität für Weiterbildung Krems, ist EU.ACE in der Coordination Group on Global Policy Dialogue der Bologna Follow-Up Group vertreten. Diese beschäftigt sich unter anderem damit, das lebensbegleitende Lernen und die wissenschaftliche Weiterbildung als integralen Bestandteil der europäischen Hochschulbildung stärker sichtbar zu machen und als eigenständige, tragende Säule innerhalb des Bologna-Prozesses zu etablieren. Die Umsetzung soll bis zur nächsten Bologna-Minister*innenkonferenz in Iasi-Chisinau 2027 erfolgen.

Dr. Katalin Szondy ist Projektmanagerin des EU.ACE Konsortiums an der Universität für Weiterbildung Krems und forscht zu European University Alliances. Nach ihrer Promotion  arbeitete sie an unterschiedlichen Hochschuleinrichtungen mit einem Fokus auf qualitätsvolle Hochschulentwicklung im Sinne des Europäischen Hochschulraums.

Wo Bildung mit Würde beginnt

In Brno definiert ein Bildungsinstitut für Frauen Lernen in Zeiten von Krise und Umbruch neu. KAMILA BOGDANOVA sprach mit Direktorin BARBORA ANTONOVÁ, um zu erfahren, wie “Vesna” Soforthilfe in nachhaltige Selbstermächtigung verwandelt.

Dieser Artikel wurde in Info Europa 2/2025: Zukunftsfit durch Bildung veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

Mit niederschwelliger Beratung, materieller Unterstützung, Bildung und Gemeinschaft möchte der Verein “Vesna” Frauen und ihre Familien in allen Lebenslagen  unterstützen. Herkunft, Sprache oder sozialer Status sollen dabei keine Rolle spielen. Barbora Antonová, seit 2022 Direktorin von “Vesna”, betont: “Wir kontrollieren die Papiere unsere Besucher*innen nicht. Das ist für uns auch eine Frage der Würde – viele alleinerziehende Mütter kamen mit dicken Dokumentenmappen, weil sie es gewohnt waren, ihre Not ständig beweisen zu müssen. Das fanden wir einfach absurd.” 

“Vesna” wurde ursprünglich im späten 19. Jahrhundert gegründet, in einer Zeit wachsender Frauenbewegungen im gesamten Habsburgerreich. Die Initiative begann als Chor, doch entwickelte sich bald zu einem Netzwerk von Schulen. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Brno 16 von “Vesna” organisierte Mädchenschulen. Einige konzentrierten sich auf Gesundheitswesen, Pflege oder sogar auf berufliche Ausbildung im industriellen Bereich. 

Obwohl Vesna im Laufe des 20. Jahrhunderts – etwa während der NS-Zeit und unter der kommunistischen Herrschaft – mehrfach aufgelöst wurde, blieb der Name im lokalen Gedächtnis lebendig. In den 1990er Jahren wurde der Verein von der Dissidentin und Pädagogin Hana Zlatušková wiederbelebt. 2021 knüpfte ihre Enkelin Kamila Zlatušková gemeinsam mit einer Gruppe Freiwilliger an dieses Erbe an. Am 7. Februar 2022 wurde das heutige Frauenbildungsinstitut offiziell gegründet und führt seitdem die Arbeit von “Vesna” fort. 

Inklusive Soforthilfe 

Die russische Vollinvasion in der Ukraine brachte eine Welle neuer Herausforderungen mit sich. “Vesna” reagierte schnell: „Wir hatten bereits gute Netzwerke – aus der COVID-Pandemie und aus der Zeit um 2015, als Brno eine starke zivilgesellschaftliche Reaktion auf die Flüchtlingskrise zeigte“, erinnert sich Antonová. “Vesna” begann, Gruppen für geflüchtete ukrainische Kinder anzubieten, gefolgt von Tschechischkursen, Programmen zur Vorschulvorbereitung und Gemeinschaftsveranstaltungen. „Wir haben viele Aktivitäten umgesetzt – und so paradox es klingen mag: Erst durch die ukrainischen Frauen und ihre Kinder fanden wir wieder zurück zum ursprünglichen Bildungsauftrag von ‘Vesna’“, reflektiert sie. 

Wesentlich war, dass “Vesna” ukrainische Frauen nicht nur unterstützte, sondern sie aktiv integrierte. „Wir haben sie ganz bewusst als Kursleiterinnen beteiligt – sie unterrichteten Kunst, Musik, Tanz und leiteten Sprachkurse. Einige von ihnen sind heute fest bei uns angestellt. Eine Kollegin gehört inzwischen sogar zu unserem Leitungsteam“, berichtet Antonová. 

Die dringend benötigten Bildungsangebote für geflüchtete Ukrainerinnen stießen jedoch auf bürokratische Hürden. „Vesna“ konnte zunächst keine Fördermittel beantragen, da viele Ausschreibungen vorsahen, dass Organisationen seit mindestens zwei Jahren bestehen müssen. Nach einer Phase mit Übergangslösungen wurde die Regelung schließlich vom tschechischen Regierungsbeauftragten für Menschenrechte gelockert. Dies wurde notwendig, da viele Graswurzelinitiativen erst als unmittelbare Reaktion auf die Vollinvasion und damit einhergehenden Fluchtbewegungen entstanden waren. 

Bildung und Begegnung 

Zwischen 2023 und 2024 setzte “Vesna” das EU-finanzierte Projekt „Společně silné – Vesna jako kotva integrace“ (dt. „Gemeinsam stark – Vesna als Anker der Integration“) um. Die Integration ukrainischer Familien sollte erleichtert und die Entstehung isolierter Gemeinschaften verhindert werden. Durch gemeinsame Aktivitäten, Sprachkurse, materielle Unterstützung und persönliche Begleitung förderte das Projekt natürliche Begegnungen zwischen tschechischen und ukrainischen Familien. Im Juli 2024 begann das Folgeprojekt, das bis Mitte 2025 geplant ist und niederschwellige Beratung, Wohnhilfen, psychische Gesundheitsdienste und Schulungen zur Arbeitsmarktintegration anbietet. 

EU-Fördermittel machen jedoch nur einen Teil der Finanzierung von “Vesna” aus. „Unser allererster finanzieller Unterstützer war die tschechische Hilfsorganisation ‘People in Need’“, sagt Antonová. „Auf Basis einer Projektbeschreibung und unserer Vorhaben erhielten wir 2022 1,5 Millionen tschechische Kronen (rund 60.000 Euro). Damit konnten wir endlich die Leute bezahlen, die bis dahin unentgeltlich gearbeitet hatten.“ Zudem bemüht sich “Vesna” um Unterstützung von staatlicher Seite und von privaten Stiftungen. „Wir versuchen auch, mehr bildungsbezogene Fördermittel einzuwerben, denn bisher kam das meiste Geld aus dem sozialen Bereich,“ erklärt Antonová. 

Gegenüber dem Umgang tschechischer Entscheidungsträger*innen mit sozial benachteiligten Gruppen, egal ob aus dem In- oder Ausland, bleibt Antonová kritisch: “Als der Krieg begann, kamen viele Ukrainerinnen aus der Mittelschicht, gut ausgebildet und engagiert. Drei Jahre später drohen viele von ihnen, in soziale Ausgrenzung zu rutschen. Hier haben auch staatliche Institutionen versagt. Denn es gab keine wirklichen Anreize oder Programme, um diese motivierten Frauen in die sogenannte wissensbasierte Wirtschaft zu integrieren.“ Doch das Engagement von Organisationen wie “Vesna” gibt Hoffnung. In einem ehemaligen Schulhaus in der Údolní-Straße in Brno entsteht derzeit ein neuer Bildungsraum – kooperativ, inklusiv und auf gegenseitiger Hilfe basierend. „Wir wollen einfach Würde ermöglichen. Und die beginnt mit Bildung,“ ist Antonová überzeugt.  

Barbora Antonová engagierte sich in Bereichen wie Inklusion, Palliativpflege, LGBT+ sowie Minderheitenfragen und war kurzzeitig politisch aktiv. 2021 gründete sie die Initiative „Wardrobe for Families“ in Brno, seit 2022 ist sie Direktorin des Frauenbildungsinstituts “Vesna”. 

Kamila Bogdanova ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) in Wien. Sie hat Internationale Beziehungen in Prag und Brno studiert und beschäftigt sich mit der Politik in postsowjetischen Ländern sowie in Mittel- und Osteuropa. 

IDM Short Insights 50: Parliamentary elections in Moldova 2025

Moldova has voted. The pro-european PAS party has won a surprise majority, giving them the power to push the reforms forward, especially toward EU membership. Once again, the parliamentary elections in Moldova have outlined the deep division between pro-European and pro-Russian factions, while public frustration over domestic issues is growing.  The main question now : will both Moldova and the EU be ready for full membership in the coming years ? Rebecca Thorne and Sebastian Schäffer, in front of the Moldovan Parliament, highlight the role of these elections and the issues for the future.

Transcript:

I am standing in front of the parliament in Chișinău, Moldova, where elections are taking place today. These elections are going to be very decisive for the future of Moldova.“

1. What is the status quo?

„Four years ago, the current government was voted in, who have proved themselves to be very pro-European, implementing reforms, and have also achieved EU candidate status. However, challenges remain and some people are disappointed with the pace of reforms such as corruption and cost of living.“

2. Why are these elections so important?

„While previous elections have always been framed as being a choice between pro-Russian and pro-European parties, this time it really will decide the course that Moldova will take because there is the potential that the next government will reverse the progress that has been made so far.“

3. What is the result of the election?

„The sky might be grey today, but the parliament is shining in bright yellow in a surprise victory. The PAS party was able to secure another term with an absolute majority in the parliament, which means that they will be able to continue their pro-European path. However, it is also clear that this is a mandate that means that they actually have to deliver also domestically, because we have heard a lot of voices that said we are voting for a pro-European path, not necessarily only for PAS.“

4. Which other parties will be in the parliament?

„In the new parliament, we will have four additional electoral blocs, respectively parties, the Patriots, the alternative bloc, the party of Renato Usatîi, and also, as a surprise, the Democracy at Home party. Whereas the first three could be more or less considered pro-Russian parties that have, to the more or lesser extent, received support from, amongst others, the Kremlin and the oligarch Ilan Shor, the fourth party that will be in opposition is a right-wing party that nobody really had on its agenda and is advocating for a union with Romania.“

5. What does the PAS victory mean for Europe?

„The victory of PAS and here especially also President Maia Sandu means that we also have to do our homework, because if the Republic of Moldova will really be ready to fulfil the acquis communautaire, and that is their intention over the next four years, that will mean another question for us. Will we actually be ready to welcome new EU members?“

Fachkräfte von morgen

Derzeit entsteht eine neue österreichische Auslandsschule in Moldau. Praxis- und wirtschaftsnahe Ausbildung soll im Fokus stehen und jungen Menschen den Weg zum europäischen Bildungs- und Arbeitsmarkt öffnen, wie FRIDA SAGMEISTER in ihrem Beitrag berichtet.

Dieser Artikel wurde in Info Europa 2/2025: Zukunftsfit durch Bildung veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

Etwa 250 Schüler*innen schließen jährlich eine der derzeit sieben Österreichischen Auslandsschulen (ÖAS) ab. Für viele Absolvent*innen ist dies ein Sprungbrett, um anschließend in Österreich zu studieren oder zu arbeiten. So verfolgt ein Geschwisterpaar aus Albanien nach dem Abschluss der HTL Shkodra mit der Spezialisierung Netzwerktechnik inzwischen eine Karriere in Wien. Dort studieren sie an der FH Technikum und arbeiten in der Software-Entwicklung.  

Nun wird das Erfolgsmodell um einen Standort erweitert. In der Republik Moldau, EU-Beitrittskandidat seit Juni 2022, entsteht gerade die Österreichische Schule Moldau „Erhard Busek“ (rumänisch Școala Austriacă „Erhard Busek“ din Moldova (SAM)), benannt nach dem ehemaligen österreichischen Vizekanzler und Vorstandsvorsitzenden des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM). Als Höhere Technische Lehranstalt für Elektronik und Technische Informatik in der Hauptstadt Chişinău wird sie die moldauische Bildungslandschaft ergänzen und eine wichtige Brücke zu Österreich und der EU schlagen.  

Ausbildung auf Deutsch 

Der Schulneubau soll im Sommer 2026 fertig gestellt sein. Bis dahin wird in einem Ausweichquartier in unmittelbarer Nachbarschaft zum zukünftigen Schulgelände unterrichtet. Der Schulbetrieb startet planmäßig ab September 2025. Dann werden auch die Schulleitung sowie sogenannte Subventionslehrpersonen aus Österreich für die Fächer Deutsch, Englisch, Geschichte sowie den fachpraktischen und -theoretischen Unterricht in Hardwareentwicklung und Softwaretechnik vor Ort sein. Über 30 engagierte Schüler*innen bereiten sich schon seit September 2024 in Deutschkursen auf den Besuch der österreichischen Schule und den Unterricht in deutscher Sprache vor. Sie lernen von einem vom Bundesministerium für Bildung (BMB) entsandten österreichischen Deutschlehrer nicht nur Deutsch auf A2-Niveau, sondern auch viel Wissenswertes über Österreich.   

Die österreichischen Lehrpersonen vor Ort werden von lokalen Lehrpersonen unterstützt, beispielsweise für den Unterricht in der Landessprache. Die Finanzierung dieser vor Ort rekrutierten Lehrkräfte sowie die Schulerhaltung erfolgt über das eingehobene Schulgeld. Zudem wird auch ein Stipendiensystem aufgebaut, um einer breiteren Bevölkerungsschicht den Schulbesuch zu ermöglichen. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf der Förderung von Mädchen im MINT-Bereich – also in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – liegen.  

Die neue Auslandsschule bietet die Möglichkeit, die österreichische Reife- und Diplomprüfung (Europäischer Qualifikationsrahmen (EQR) – Niveau 5) abzulegen. Damit erhalten Absolvent*innen Zugang zum Hochschul- und Arbeitsmarkt in Österreich, der EU sowie in der Republik Moldau. Der Schultyp wird wirtschaftsnah geführt, die technischen Unterrichtsfächer haben einen hohen Praxisbezug und die vorgeschriebenen Ferialpraktika werden in enger Kooperation mit Wirtschaftsbetrieben in Moldau und Österreich durchgeführt. Darüber hinaus ist der Abschluss mit einer Berufs- und Gewerbeberechtigung in Österreich verbunden. Nach dreijähriger facheinschlägiger Berufspraxis ist der Erwerb des Ingenieurtitels möglich (EQR Niveau 6). Die Absolvent*innen können ingenieursmäßige Tätigkeiten auf dem Gebiet der Hardwaretechnik, Mess- und Regelungstechnik, Kommunikationssysteme und -netze, Computersysteme und Softwaretechnik ausführen. Damit haben sie exzellente Berufsaussichten, insbesondere angesichts des hohen Fachkräftebedarfs in diesem Bereich. 

Beitrag zur EU-Integration Moldaus 

Moldau ist ein Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA). Gemäß der OEZA-Strategie 2021-2027 für die Länder der Östlichen Partnerschaft liegt der Fokus der Bildungskooperation im Bereich der technischen Berufsausbildung. Jugendlichen und Erwachsenen (einschließlich benachteiligter Gruppen) soll ein besserer Zugang zu arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen ermöglicht und damit ihre Beschäftigungsfähigkeit erhöht werden. Während es im Bereich Informatik und Informationstechnologie in der Republik Moldau zahlreiche öffentliche und private Schulen und Exzellenzzentren mit qualitativ hochwertiger Ausbildung gibt, ist der Bereich Elektronik und Hardwareentwicklung aktuell wenig ausgebaut. Die neue österreichische Auslandsschule möchte diese Lücke füllen und so das moldauische Bildungssystem ergänzen.  Durch gezieltes Capacity Building soll das Land auch auf die zukünftige Teilnahme am europäischen Bildungs- und Wirtschaftsraum vorbereitet und nachhaltige Entwicklung gefördert werden. Damit wird aktiv die EU-Beitrittsperspektive Moldaus unterstützt.   

Die Österreichische Schule Moldau „Erhard Busek“ reiht sich in das derzeitige Netzwerk von sieben weiteren österreichischen Auslandsschulen ein: je eine in Albanien, der Tschechischen Republik, der Türkei, Guatemala und Mexiko sowie zwei in Ungarn. Österreich hat damit ein vergleichsweise kleines Auslandsschulwesen, aber mit langer Tradition: Die älteste Auslandsschule – das St. Georgs Kolleg in Istanbul – wurde bereits 1882 gegründet. Die Österreichischen Auslandsschulen gelten als Leuchtturmprojekte an den jeweiligen Standorten in Europa sowie Lateinamerika. Sie haben den Status einer Privatschule. Als Schulträger fungieren Stiftungen oder Vereine mit BMB-Vertretung nach dem jeweiligen Recht der Partnerländer – im Falle Moldaus die Österreichische Schulstiftung in der Republik Moldau unter Vorsitz von Friedrich Faulhammer, Rektor der Universität für Weiterbildung Krems und Vorsitzender des IDM. Das ganze Spektrum der österreichischen Schulformen wird abgedeckt – von der Volksschule über die Mittelschule bis zur allgemeinbildenden höheren Schule (AHS) und berufsbildenden höheren Schule (BHS) mit Reife- bzw. Reifediplomprüfung. Unterrichtet wird immer nach einem adaptierten österreichischen Lehrplan, der auch den nationalen Anforderungen vor Ort entspricht. Derzeit lernen rund 3.500 Schüler*innen an österreichischen Auslandsschulen, die meisten davon sind Kinder und Jugendliche aus dem Gastland selbst.  

Internationalisierung der Schulnetzwerke 

Die Absolvent*innen stellen eine wichtige Brücke zwischen Österreich und den Partnerländern dar. Seit dem Schuljahr 2023/24 wird auch ein Alumni-Netzwerk aufgebaut. Gleichzeitig bieten die Auslandsschulen auch einen großen Mehrwert für die österreichischen Lehrkräfte. Dienstrechtlich bleiben sie im österreichischen System verankert und können nach Beendigung des Auslandseinsatzes wieder in ihrer Region – oft auch an ihrer Stammschule – arbeiten. Durch das Unterrichten in einem interkulturellen Umfeld im Ausland erweitern Lehrpersonen ihre interkulturellen Kompetenzen und sammeln Erfahrungen im sprachsensiblen Fachunterricht. Die im Ausland erworbenen Kompetenzen stellen nach der Rückkehr damit auch eine Bereicherung für das österreichische Bildungssystem dar.  

 

Frida Sagmeister ist im Bundesministerium für Bildung (Abteilung III/8 – Bilaterale internationale Angelegenheiten Bildung; Weltweit Unterrichten; Holocaust-Education) unter anderem für das Projekt Österreichische Auslandsschule Moldau zuständig.  

Forschungsexzellenz mit Schieflage?

Der Europäische Forschungsrat (ECR) verteilt Förderungen an Europas klügste Köpfe – doch nicht überall kommen die Mittel an. Vor allem Mittel- und Osteuropa bleiben bei den prestigeträchtigen ERC-Grants immer noch häufig außen vor. JOANNA BŁOGOWSKA berichtet von einem Ungleichgewicht mit Folgen.  

Dieser Artikel wurde in Info Europa 2/2025: Zukunftsfit durch Bildung veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

Eines der renommiertesten Förderprogramme Europas feiert 2025 sein 18-jähriges Bestehen: 2007 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen, unterstützen die vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) vergebenen Förderungen wissenschaftliche Exzellenz: Herausragende Forschende mit brillanten Ideen und Projekten, die zu bahnbrechenden Ergebnissen und Entdeckungen führen sollen. Die Förderungen stehen allen Fachrichtungen sowie Forschenden aller Nationalitäten und Karrierestufen offen. Sie stärken die wissenschaftliche Laufbahn von Preisträger*innen, kommen europäischen Forschungscommunitys zugute und erhöhen Europas Wettbewerbsfähigkeit. 

Die Verteilung der ERC-Förderungen verläuft jedoch geographisch ungleichmäßig – viele europäische Länder sind unter den Förderempfänger*innen kaum vertreten. Seit Einführung des Programms hinken die mittel- und osteuropäischen Länder, die der EU nach 2004 beigetreten sind, ihren westlichen Partnern deutlich hinterher. So hat etwa die gesamte Visegrád-Gruppe (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) bislang insgesamt 262 ERC-Grants erhalten. Zum Vergleich: Allein Deutschland verzeichnet 2.884 geförderte Projekte und Frankreich 1.997 – rund zehnmal so viele. Auch im Rahmen des ERC Starting Grant Calls 2022, der sich an vielversprechende Forschende am Beginn ihrer wissenschaftlichen Laufbahn richtet, wird dieses Muster deutlich. Sechs Förderungen gingen an Polen, zwei an Tschechien und 95 an Deutschland. 

Förderlücke zwischen Ost und West 

Diese Diskrepanz gefährdet das ausgewogene wissenschaftliche Wachstum, das durch die Förderung ursprünglich beabsichtigt war. Einerseits spiegeln die Ungleichheiten bestehende Unterschiede in der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit wider. Andererseits verschärfen sie gerade diese Unterschiede und erschweren es den Ländern Mittel- und Osteuropas aufzuholen. Denn die geringe Anzahl an strategisch wichtigen ERC-Projekten entfaltet in diesen Ländern kaum Wirkung und trägt nicht signifikant zur Weiterentwicklung bei. 

Die Auswirkungen sind gravierend. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, wird sie zu einer Verstärkung des Braindrain führen. Vielversprechende Forschende aus Mittel- und Osteuropa können ihre Anträge auch bei erfolgreicheren westlichen Institutionen einreichen oder ihre Karriere außerhalb Europas fortsetzen – in der Hoffnung auf bessere Entwicklungsperspektiven. Die bestehenden Unterschiede könnten auch das Vertrauen in die Region als verlässlichen wissenschaftlichen Partner gefährden. 

Allerdings zeigen sich erste positive Entwicklungen. Im Rahmenprogramm Horizon Europe (Förderperiode: 2021-2027), erhielt Polen bislang (bis einschließlich 2024) bereits acht ERC Advanced Grants, die an führende, international anerkannte Forschende gehen. In den früheren Rahmenprogrammen FP7 und H2020 (2007–2020) wurden insgesamt nur fünf Advanced Grants an polnische Institutionen vergeben. Das deutet auf einen Generationswechsel hin: Die erfahrene Forschendengeneration in Polen wird erfolgreicher bei ERC-Anträgen – ein bedeutender Fortschritt, da diese Gruppe nicht nur wissenschaftlich führt, sondern auch nachkommende Generationen als Mentor*innen prägt. Gleichzeitig bleiben die Unterschiede zu anderen Ländern in Europa erheblich: Von 2021 bis 2024 wurden in die Niederlande 78 ERC Advanced Grants vergeben, nach Spanien 55. 

Neue Impulse  

Das Problem wird sowohl vom ERC selbst als auch von wissenschaftlichen Einrichtungen und politischen Entscheidungsträger*innen in Mittel- und Osteuropa zunehmend erkannt. So bieten das Visiting Fellowships Programm oder die ERC Mentoring Initiative ERC-Bewerber*innen die Möglichkeit, sich mit ERC-Preisträger*innen und deren Teams auszutauschen, um ihre Antragskompetenzen zu stärken. Beide Initiativen werden vom ERC in Kooperation mit nationalen Förderagenturen durchgeführt.  

Darüber hinaus ergreifen die mittel- und osteuropäischen Länder eigene Maßnahmen, um die Erfolgsquote bei ERC-Anträgen zu steigern. In Polen etwa gründete die Polnische Akademie der Wissenschaften (PAN) 2016 eine eigene Abteilung zur Unterstützung von ERC-Vorhaben. Die Abteilung für Exzellenz in der Wissenschaft bietet umfassende Hilfe für Forschende, die sich mit einer polnischen Institution bewerben. Dazu gehören Workshops, individuelle Beratung und Unterstützung bei der Vorbereitung auf die zweite Evaluierungsstufe inklusive Probeinterviews. Das Team besteht aus ERC-Expert*innen, darunter auch promovierten Wissenschaftler*innen. Mehr als die Hälfte (57 %) der ERC-Preisträger*innen in Polen nahm bereits mindestens eines dieser Unterstützungsangebote in Anspruch. 

Seit 2016 wird auf Vorschlag der polnischen Botschaft und des damaligen Botschafters Artur Lorkowski im Rahmen der Zusammenarbeit der PAN mit dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) regelmäßig eine ERC Mentoring Initiative in Wien organisiert. Sie richtet sich an ERC-Bewerber*innen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa, die dort individuelle Beratung zu ihren Projektideen erhalten. Die Mentor*innen sind ehemalige Panelmitglieder oder selbst ERC-Preisträger*innen. Die Initiative soll zu einer offenen wissenschaftlichen Dialogkultur beitragen und die Internationalisierung von Forschenden aus der Region fördern. Die Abteilung Exzellenz in der Wissenschaft ist für die Auswahl der polnischen Teilnehmenden zuständig, die finanzielle Unterstützung erfolgt durch das polnische Wissenschaftsministerium. Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie erfolgreich Kooperationen zwischen westlichen Institutionen und Forschenden aus Mittel- und Osteuropa sein können. Langfristig können diese dazu beitragen, eine ausgewogenere europäische Forschungslandschaft zu schaffen. 

Europäische Exzellenz für alle 

In seinen 18 Bestehensjahren hat der ERC viel erreicht: 16.000 unterstützte Projekte, 200.000 veröffentlichte wissenschaftliche Artikel, 2.200 beantragte Patente, 400 gegründete Start-ups und 14 Nobelpreisträger*innen unter den ERC-Preisträger*innen. Der Mehrwert dieser Förderungen für die europäische Forschung steht außer Frage. Jetzt geht es darum, sicherzustellen, dass dieser Mehrwert künftig gleichmäßiger über Europa verteilt wird. Ein ausgewogeneres wissenschaftliches Wachstum kommt allen europäischen Partnern zugute – es fördert Wissens- und Technologietransfer, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit, unterstützt die europäische Integration und trägt dazu bei, Vertrauen in Europa als starken und gleichwertigen Wissenschaftsstandort zu schaffen. 

Dr. Joanna Błogowska arbeitet als ERC-Förderberaterin in der Abteilung Exzellenz in der Wissenschaft an der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Sie promovierte in Sozialpsychologie an der Université Catholique de Louvain (UCL) in Belgien. 

IDM Short Insights 49: Why Eastern Europe Matters for Europe’s Security ?

In her State of the Union speech, on 10 September 2025, EU Commission President Ursula von der Leyen stressed that Ukraine is defending not only itself but all of Europe. President of Moldova Maia Sandu also called on the European Parliament for stronger EU support for countries like Moldova & Ukraine facing Russian aggression and disinformation campaigns. Watch the latest IDM Short insights to find ! Sophia Beiter and Péter Techet, reporting from Vienna and Strasbourg.

Transcript:

Wondering what the EU will focus on next year? In her State of the Union address on 10 September 2025, EU Commission President Ursula von der Leyen set out her priorities.“

1. What is the State of the Union address?

„The State of the Union address is an annual speech by the European Commission President to the European Parliament followed by a debate. In this speech, the Eu Commission President reflects on the past year and – most importantly – outlines the main initiatives priorities and her vision for the upcoming year.“

2. Why was Eastern Europe so important in the European Parliament now?

„Europe’s future is being shaped in the East. Rarely has this been felt so strongly in Strasbourg, in the European Parliament, as now.  

In her State of the Union speech, Commission President Ursula von der Leyen stressed that Europe must defend itself – with the eastern members and candidate states at the core. As she said: “There is no doubt: Europe’s eastern flank keeps all of Europe safe. From the Baltic Sea to the Black Sea.” 

A day earlier, Moldova’s President Maia Sandu warned that her country cannot withstand Russian aggression without the EU, and that without a resilient Moldova and Ukraine, the EU cannot safeguard its own security.

3. What does Maia Sandu expect from the European Union?

„In her address to the European Parliament, Moldova´s President Maia Sandu warned of the hybrid war Russia is waging against her country.  

She argued that Moldova’s efforts to resist Russian disinformation and military threats set an example for the entire EU. However, EU membership, she stressed, would be the most effective shield against Moscow.

4. What can Ursula von der Leyen promise?

„In her State of the Union address, President of the Commission Ursula von der Leyen placed Ukraine at the forefront of her speech. She called for more sanctions on Russia, the use of frozen Russian assets to finance new loans for Ukraine, and a stronger self-defence in Europe.  

Von der Leyen stressed that few countries have contributed more to Europe’s defense than Ukraine itself.  

She also announced concrete steps: a Drone Alliance with Ukraine and the front-loading of 6Billion Euro from the G7-led Extraordinary Revenue Acceleration initiative.

5. What underscored her call for urgent unity?

„As expected, Ursula von der Leyen also used her speech to push for unity among member states, EU institutions, and pro-European democratic forces to deliver for Europe. The urgency for united actions became once more clear on the very morning of her address, when more than ten Russian drones violated Poland’s airspace. Indications suggest that the attack could be intentional rather than accidental. Poland shot the drones down and is now in close consultation with NATO. In her speech, Von der Leyen condemned the incident as a reckless and unprecedented act and declared that Europe stands in full solidarity with Poland.“

Without a Just Peace, There Is Just Peace – Sebastian Schäffer

In the latest op-ed on the IDM Blog, Sebastian Schäffer reflects on the debate about how to achieve peace in Russia’s ongoing war of aggression against Ukraine. While all parties and their supporters call for peace, their visions of what it should look like differ dramatically. Do we seek just peace in the sense of merely ending hostilities, or just peace in the sense of a fair and sustainable settlement? This is the central question the op-ed explores. 

“If accepting the temporary occupation of part of its territory is what ensures Ukraine’s survival as an independent sovereign state, then so be it,” said Czech President Petr Pavel to the BBC in August 2025. While his remarks caution against pressuring Kyiv to reconquer all territory at once, they also raise a more urgent question, especially after the meeting between Donald Trump and Vladimir Putin: what kind of peace are we preparing for Ukraine and for Europe? 

International diplomacy often presents the word “peace” as the ultimate goal. . But for Ukraine, after more than a decade of Russian aggression culminating in the full-scale invasion of 2022, peace is not simply about ending violence. It is about ensuring that it does not lay the foundation for future atrocities. 

There is a difference between peace and a just peace. The former can be imposed; the latter must be earned. Unless justice is part of the post-war settlement, any peace agreement risks becoming a prelude to renewed conflict by rewarding aggression and silencing those who have suffered. 

The Legal Legacy of Lviv 

This is not a new argument. It is grounded in the intellectual and moral legacy of Lviv and whose jurists shaped international law as we know it today. 

Born within three years of one another – Hersch Lauterpacht (1897) and Raphael Lemkin (1900) – both studied law at the University of Lemberg/Lwów, which was back then part of Austria-Hungary and later the Polish Republic. They were shaped by the same legal traditions and the same brutal experiences of nationalism, displacement and genocide. Both became architects of a world in which peace would depend on justice, understood as an international rules based order, enshrined in what later would become the UN Charta. 

Lauterpacht introduced the concept of “crimes against humanity”, insisting that individuals – not just states – must be held accountable for atrocities. Lemkin, haunted by the extermination of his own family in the Holocaust, coined the term “genocide” and campaigned for its recognition as a distinct international crime. Their legacies live on in the Geneva Conventions, in the Rome Statute, and in today’s efforts to prosecute war crimes. 

But these were not merely legal innovations. They were moral imperatives born from Europe’s darkest hours and aimed at preventing their repetition. 

The Risk of Appeasement 

Today, the calls for a swift peace in Ukraine are growing louder. Some argue that the war has reached a stalemate and that compromise – perhaps involving territorial concessions or frozen conflict lines – might be the pragmatic path forward. 

But this line of thinking ignores a painful truth: a peace that leaves parts of Ukraine under foreign occupation, legitimizes mass deportations and erases war crimes is appeasement. And history has taught us the cost of appeasing violent authoritarianism. 

Such a settlement would not only betray Ukraine; it would ultimately dismantle the very foundations of the international legal order established after World War II. It would send a message to other aggressors that international norms are negotiable, that might makes right, and victims will not see justice. 

Ukraine is not simply defending its territory; it is defending the principle that law, not force, should govern the world. The concepts developed in Lviv by Lauterpacht and Lemkin demand to be more than historical footnotes. They must remain the foundation of peacebuilding today. 

Justice in the Voices of Witnesses 

This demand for justice is not limited to courtrooms or legal conferences. It echoes most powerfully through the testimonies of those whose lives have been shattered by Russia’s war. 

In Looking at Women Looking at War, the late Ukrainian writer Victoria Amelina – who was posthumously awarded with the UK Orwell Prize for Political Writing – assembled essays, interviews and fragments documenting the lives and losses of Ukrainian women. These are not passive accounts. They are acts of resistance. Amelina and her contributors wrote not merely to remember, but to ensure that the world does not forget. 

Amelina herself was killed in a Russian missile attack in Kramatorsk in 2023, after retrieving a war crimes diary from fellow writer Volodymyr Vakulenko, abducted and murdered during occupation. Her work and her death remind us that peace must include truth, recognition and dignity. Anything less is silence. 

Europe’s responsibility and Ukraine’s moral leadership 

The European Union (EU) has shown extraordinary solidarity with Ukraine, from military aid to opening accession talks. But a just peace will require more than arms and infrastructure. It demands sustained support for accountability mechanisms, transitional justice and the voices of victims. 

The EU’s engagement on these fronts – through the documentation of war crimes, support for the International Criminal Court and dialogue on transitional justice – must remain central to Ukraine’s integration process. Ukraine is not just aspiring to join the EU; it is already defending European values, often more fiercely than some existing members. 

Peace must be built on this foundation. 

The choice ahead 

On 25 June 2025, Ukraine and the Council of Europe have signed an agreement for a Special Tribunal for the Crime of Aggression against Ukraine to prosecute Russian leaders. The crime of aggression concerns the decision to launch armed force against another state in breach of the United Nations Charter. While the International Criminal Court (ICC) has jurisdiction to investigate war crimes, crimes against humanity, and genocide committed in Ukraine, it currently lacks the mandate to prosecute the crime of aggression in this context due to jurisdictional constraints. A Special Tribunal is therefore needed to address this legal gap. These twin developments underscore what Lviv’s legacy made clear: peace without justice is hollow. 

The effort to document atrocities, to build new legal frameworks, and to amplify voices like Amelina’s is not symbolic. It is the groundwork for lasting peace. The recent Trump–Putin meeting only reinforced this point. By framing peace as a deal between leaders rather than as a process rooted in justice and accountability, it is rewarding aggression and inviting further atrocities. The effort to document war crimes, to build new legal frameworks, and to amplify voices like Amelina’s is not symbolic. It is the groundwork for lasting peace.  

The foundations were laid in Lemberg, by Lauterpacht and Lemkin. They are being rebuilt in Kyiv, Bucha, Kharkiv and Lviv by those who continue to believe that justice is not the opposite of peace, but its precondition. 

Without a just peace, there is just peace – a temporary ceasefire in disguise, destined to erupt again. 

 

Sebastian Schäffer is director of the IDM.

Mauern in den Köpfen

Ein Gebäude, zwei Schulleitungen, unterschiedliche Lehrpläne und getrennte Klassenzimmer – für einige Schulen in Bosnien und Herzegowina ganz normaler Alltag. SAMIR BEHARIĆ erzählt von seiner eigenen Kindheit und Schüler*innen-Protesten für inklusive Bildung.  

Dieser Artikel wurde in Info Europa 2/2025: Zukunftsfit durch Bildung veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

In Bosnien und Herzegowina aufzuwachsen bedeutet, von klein auf mit ethnischer Segregation im Bildungswesen konfrontiert zu werden. Als Kind in meiner Heimatstadt Jajce in Zentralbosnien Anfang der 2000er Jahre spielte ich morgens mit meinen Freunden Fußball, bevor wir gemeinsam zur Grundschule gingen. Dort angekommen, trennten wir uns für den Schultag. Josip, Dragan und Ivan – alle drei kroatischer Herkunft – gingen in andere Klassenzimmer als ich und unsere anderen bosniakischen Mitschüler*innen. Die Erfahrung, sogenannte „Zwei Schulen unter einem Dach“ zu besuchen, hat uns alle tief geprägt: unser Verständnis von Identität, Zugehörigkeit und Trennung. 

Mehr als zwei Jahrzehnte später werden die Schulen in Jajce, wie in vielen anderen Städten im Land auch, immer noch nach diesem Modell geführt. Katholische Kroat*innen und muslimische Bosniak*innen werden getrennt voneinander unterrichtet. Ursprünglich als vorübergehende Lösung eingeführt, als Familien nach dem Bosnienkrieg der 1990er-Jahre ins Land zurückkehrten, ist das System zu einer dauerhaften Struktur geworden. Es verfestigt die Trennung in ethnische Gruppen und dient de facto als Trainingsfeld für zukünftige, nationalistisch ausgerichtete Wähler*innengenerationen. 

Getrennt bis zur Schulglocke 

Derzeit betrifft das System der „Zwei Schulen unter einem Dach“ über 50 Grund- und Sekundarschulen in mehr als 20 Orten, hauptsächlich in drei der zehn Kantone der Föderation Bosnien und Herzegowina, einer der beiden Entitäten des Landes. Nach dieser Regelung werden gleichaltrige Kinder in Zentralbosnien, Zenica-Doboj und Herzegowina-Neretva ethnisch getrennt unterrichtet – entweder zu unterschiedlichen Zeiten, in separaten Klassenzimmern oder sogar in verschiedenen Gebäuden innerhalb desselben Schulkomplexes. 

In meiner Grundschule in Jajce betrat ich das Gebäude durch einen Eingang für Bosniak*innen, während meine kroatischen Mitschüler*innen einen Eingang auf der gegenüberliegenden Seite nutzten. Wir verbrachten den Tag in getrennten Klassenzimmern auf verschiedenen Etagen und begegneten einander meist erst nach Schulschluss. Bis heute funktionieren die beiden Schulen als getrennte Einrichtungen – mit eigenen Direktor*innen, Lehrkräften, Verwaltungsangestellten und sogar eigenem Reinigungspersonal. In manchen Schulen sind sogar die Toiletten getrennt, was die physische wie auch symbolische Trennung weiter verstärkt. Und einige Schulleiter*innen staffeln darüber hinaus die Pausenzeiten, damit sich Schüler*innen der verschiedenen ethnischen Gruppen nicht einmal auf dem Pausenhof begegnen können. 

Institutionalisierte Segregation 

Bildungsbehörden auf kantonaler Ebene, vor allem unter der Führung kroatischer Politiker*innen, rechtfertigen die Trennung mit dem Recht der kroatischen Schüler*innen auf Unterricht in ihrer eigenen Sprache und Geschichte. Die Trennung betrifft jedoch auch Fächer wie Sport, Kunst und Mathematik, bei denen ein gemeinsamer Unterricht problemlos möglich wäre. Kritiker*innen argumentieren, dass das Modell der „Zwei Schulen unter einem Dach“ nationalistische Sichtweisen in Fächern wie Geschichte, Literatur und Geographie fördert. Zudem würden die Lehrpläne an jene in Kroatien angeglichen und kämen dem gemeinsamen multikulturellen Erbe Bosnien und Herzegowinas damit nicht gerecht. 

2007 erklärte Greta Kuna, damalige Bildungsministerin des Kantons Zentralbosnien und Mitglied der HDZ, einer konservativen kroatischen Partei, offen die Motivation hinter dem Modell: „Das Projekt ‚Zwei Schulen unter einem Dach‘ wird nicht beendet, denn man kann Äpfel nicht mit Birnen mischen. Äpfel zu Äpfeln, Birnen zu Birnen.“ Damit machte sie deutlich, dass es weniger um akademische Inhalte ging, sondern vielmehr um ethnische Trennung. 

Auch diese Rhetorik ist bis heute vielfach geblieben. Internationale Organisationen wie die OSZE und die Vereinten Nationen kritisierten die Praxis wiederholt als Verstoß gegen nationale Gesetze und internationale Menschenrechtsabkommen. 2021 forderte der Oberste Gerichtshof der Föderation Bosnien und Herzegowina die Beendigung der ethnischen Diskriminierung in Schulen – doch die Kantone setzten dieses Urteil nie um. 

Jajce sagt Nein zur Trennung 

In Städten wie Jajce existiert das „Zwei Schulen unter einem Dach“-Modell nur in der Grundschule. In den weiterführenden Schulen lernen Bosniak*innen und Kroat*innen weitgehend gemeinsam, außer in bestimmten Fächern wie Geschichte, bosnische bzw. kroatische Sprache, Geographie und Religion – der sogenannten „nationalen Fächergruppe“.  

2016 versuchten lokale Politiker*innen, die Segregation auch auf weiterführende Schulen auszudehnen. Als die Schüler*innen erkannten, dass sie dadurch von ihren Freund*innen getrennt würden, organisierten sie Proteste, die internationale Aufmerksamkeit erregten. Obwohl sie noch Teenager waren, verstanden sie genau, wie ungerecht ethnisch getrennte Bildung ist. Die Proteste entwickelten sich zu einer landesweiten Graswurzelbewegung. Bei einer der Demonstrationen vor dem Bildungsministerium in Travnik versammelten sich Schüler*innen aus verschiedenen Städten unter dem Slogan „Segregation ist eine schlechte Investition“ und forderten eine inklusive, multikulturelle Schulbildung. Nach zwei Jahren Aktivismus wurden die Pläne 2018 gestoppt. Es war ein historischer Erfolg. 

Für ihren Mut und ihren entschlossenen Einsatz erhielten die Schüler*innen von Jajce, ihre Lehrkräfte sowie unterstützende Menschenrechtsaktivist*innen den renommierten Max-van-der-Stoel-Preis, der alle zwei Jahre von der OSZE und der niederländischen Regierung für außergewöhnliche Leistungen bei der Verbesserung der Situation von Minderheiten vergeben wird. 

Bildungssystem am Scheideweg 

Der Erfolg in Jajce war eine Ausnahme. Über 50 Schulen arbeiten weiterhin nach dem Modell der Trennung. Ethnische Spaltungen werden für politische Interessen genutzt, um Ängste zu schüren und nationalistische Einstellungen zu verfestigen. Das größte Problem: Die „Zwei Schulen unter einem Dach“ errichten Mauern in den Köpfen der Jugend – und diese sind gefährlicher als jede physische Trennung. 

Noch alarmierender ist die Lage in der serbisch kontrollierten Entität Republika Srpska. Dort wird bosniakischen und wenigen kroatischen Rückkehrerkindern systematisch das Recht verweigert, ihre Sprache und Geschichte zu lernen. In Schulbüchern werden verurteilte Kriegsverbrecher*innen glorifiziert, die Verbrechen der Armee der Republika Srpska relativiert und der Völkermord von Srebrenica geleugnet. Diese Geschichtsverfälschung vertieft ethnische Spaltungen und nährt eine Kultur des Misstrauens. 

Um die Chance auf Versöhnung zu bewahren, müssen internationale Akteur*innen diese diskriminierenden Praktiken konsequent hinterfragen und sicherstellen, dass alle Schüler*innen in Bosnien und Herzegowina Zugang zu inklusiver und respektvoller Bildung haben. Manche mögen sagen, es sei zu spät – schließlich wurden ganze Generationen in einem segregierten Schulsystem sozialisiert und ausgebildet. Aber ich glaube: Besser spät als nie. 

Samir Beharić ist ein preisgekrönter Menschenrechtsaktivist aus Bosnien und Herzegowina und Programmmanager beim European Fund for the Balkans. Die OSZE zeichnete ihn mit dem Max-van-der-Stoel-Preis für seine Rolle bei der Verhinderung weiterer ethnischer Segregation in Schulen aus. Derzeit promoviert er an der Universität Bamberg. 

“Ich möchte, dass alle Kinder gerne in die Schule gehen”

Als neuer Bundesminister für Bildung ist CHRISTOPH WIEDERKEHR österreichweit für über eine Million Schüler*innen verantwortlich. Im IDM-Interview spricht er darüber, wie er die Herausforderungen im Bildungsbereich angehen möchte.

Dieser Artikel wurde in Info Europa 2/2025: Zukunftsfit durch Bildung veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

Herr Bundesminister, welche Schwerpunkte möchten Sie setzen, um Bildung in Österreich zukunftsfähig zu gestalten? 

Ich möchte, dass alle Kinder gerne in die Schule gehen. Dafür müssen wir die Rahmenbedingungen an den Schulen weiter verbessern. Ein Chancenbonus soll jene Schulstandorte stärken, die besondere Herausforderungen haben. Mit einem Schwerpunkt bei der Deutschförderung und deutlich mehr Planstellen in diesem Bereich wollen wir dafür sorgen, dass sich die Deutschkenntnisse der Schüler*innen verbessern.  

In österreichischen Schulen werden Kinder mit unterschiedlichem sprachlichen und kulturellen Hintergrund unterrichtet. Wie kann das Bildungssystem dazu beitragen, diese bestmöglich zu integrieren und gleiche Chancen für alle zu gewährleisten?  

Um eine gemeinsame Wertebasis in unserer Zuwanderungsgesellschaft sicherzustellen, werden wir ein neues Schulfach Demokratiebildung einführen. Dieses Fach ist für das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft sehr wichtig. Für jene, die nicht gut genug Deutsch können, sehen wir außerdem verpflichtende Sommerdeutschkurse vor. Und schließlich sind bei diesem Thema auch die Eltern gefordert. Wir wollen Eltern, die nicht am Bildungserfolg ihrer Kinder mitwirken, stärker in die Pflicht nehmen. 

Österreich legt großen Wert auf die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Ländern Mittel- und Osteuropas. Welche Kooperationen im Bereich Bildung sind Ihrer Meinung nach besonders hervorzuheben? 

Im Rahmen der gesamtstaatlichen außenpolitischen Schwerpunkte engagiert sich auch das Bildungsressort in Mittel- und Osteuropa. Dabei geht es einerseits um die Unterstützung der Länder auf ihrem Weg in die EU – konkret in den Europäischen Bildungsraum -, andererseits auch um direkte Kooperationen im Bereich der Fachkräfte, die auch für unsere Wirtschaft wichtig sind. Ein Schwerpunkt liegt auf der Berufsbildung, wo unser System Modellcharakter hat. 

Wir unterstützen mit Regionalbüros und sogenannten Bildungsbeauftragten die Länder am Westbalkan, in Moldau und in der Ukraine. Im Rahmen konkreter Projekte werden die Partnerländer beispielsweise dabei unterstützt, Ausbildungen zu modernisieren und an die Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen. Die Basis für solche Kooperationen bilden zwischenstaatliche Abkommen zwischen Österreich und den Partnerländern. 

Internationale Zusammenarbeit spielt aber auch in anderen Bereichen eine wichtige Rolle. Etwa in der Erinnerungskultur und Antisemitismusprävention, wo wir einen engen Austausch mit Israel und der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem pflegen. Auf Basis einer zwischenstaatlichen Vereinbarung haben seit dem Jahr 2000 mehr als tausend österreichische Lehrpersonen Fortbildungen in Israel besucht. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden auch Lernmaterialen für unsere Schulen entwickelt.

In vielen Schulen fehlen ausreichende Lehrpersonen. Wie können betroffene Schulen ausreichend unterstützt werden?  

Der Lehrkräftemangel ist weiterhin eine große Herausforderung, der wir mit einer Stärkung des Berufsbilds und einer Ausbildungsoffensive begegnen. Wir sehen zum Bespiel wieder steigende Zahlen der Lehramtsstudierenden, was mich grundsätzlich positiv stimmt.  

Gerade in Wien ist Mehrsprachigkeit gelebter Alltag. Im Schuljahr 2021/22 sprachen mehr als die Hälfte der Schüler*innen (rund 53 %) laut Schulstatistik im Alltag regelmäßig mehr als eine Sprache. Welche Bedeutung hat diese Mehrsprachigkeit für das österreichische Bildungssystem und die Zukunft des Arbeitsmarktes? 

Zunächst einmal sollte Mehrsprachigkeit als etwas Positives empfunden werden. Wir sehen jedoch momentan, dass es manchmal so ist, dass Kinder zwar mehrere Sprachen sprechen, keine jedoch wirklich gut. Hier setzen wir mit gezielter Sprachförderung bereits im Kindergarten an. Denn im Kindergartenalter entscheidet sich schon viel. 

Wenn jemand mehrere Sprachen gut spricht, sind die Chancen am Arbeitsmarkt weitaus größer. Das belegen zahlreiche Studien. Daher werden wir jene Kinder und Jugendliche, die eine andere Erstsprache als Deutsch haben, gezielt unterstützen. Ziel einer modernen Gesellschaft muss es sein, dass alle Bürger*innen ein selbstbestimmtes, geglücktes Leben führen können. Hier ist Sprache das wesentliche Element, dieses Ziel auch tatsächlich zu erreichen.  

Christoph Wiederkehr ist seit 2025 österreichischer Bundesminister für Bildung. Von 2020 bis 2025 war er Vizebürgermeister der Stadt Wien sowie Amtsführender Stadtrat für Bildung, Jugend, Integration und Transparenz.