Péter Techet in Austrian daily Kurier on the expropriations based on the Beneš Decrees in Slovakia

The Austrian daily newspaper Kurier published an in-depth analysis of the ongoing expropriations of Hungarian property owners in Slovakia, in which Péter Techet was also interviewed.

Techet stated that the current situation in Slovakia— the application of the Beneš Decrees and the ban on any criticism of them—violates the prohibition of discrimination as well as freedom of expression and academic freedom, and may therefore lead to legal responses at the European level.

The article can be read here.

Péter Techet for Die Presse on the Beneš Decrees

In Slovakia, criticism of the Beneš Decrees has been criminalized. These decrees concern the measures by which members of the German and Hungarian minorities were expropriated after the Second World War. Although they formally remain in force, both Prague and Bratislava have assured that they are no longer applied. Nevertheless, in Slovakia, properties owned by people of Hungarian descent continue to be confiscated on the basis of these decrees. This practice is criticized both by the left-liberal party Progressive Slovakia and by the party representing the Hungarian minority.

In his op-ed for Die Presse, Péter Techet described the current debates surrounding the decrees as well as possible reasons why Viktor Orbán refrains from criticizing the Slovak government.

The article can be read here.

Péter Techet for NZZ on Austria’s Role in Foreign Policy

Starting from the identity crisis that arose in Austria after the collapse of the Habsburg monarchy, Techet describes in his essay for the Swiss daily Neue Zürcher Zeitung how Austria tried to deny itself after 1918 and reinvent itself after 1945. 

Although republicanism has long become a fundamental consensus, Austria, especially after joining the EU, strived to continue the ‘Habsburg’ tradition: promoting Europe’s integration toward the East and Southeast. In recent years, however, Austrian foreign policy has retreated into a ‘small-state’ role. Techet therefore suggests reviving Robert Musil’s idea of ‘World Austria’ (‘Weltösterreich’). This does not require a new emperor, but it does call for a bold and active foreign policy. 

The article can be read here: https://www.nzz.ch/meinung/der-welt-abhandengekommen-oesterreich-igelt-sich-politisch-in-seiner-kleinstaatlichkeit-ein-ld.1913247  

Péter Techet in conversation in Vienna with Orbán biographer Stefano Bottoni

Photos: Péter Techet

The Italian-Hungarian historian Stefano Bottoni published a biography of the Hungarian Prime Minister, Viktor Orbán, in 2019. First released in Italian, the book was translated also into Hungarian and Romanian, and a German edition has been published this year. 

The Hungarian weekly Magyar Hang hosted a discussion in Vienna between Bottoni and Péter Techet, focusing both on the book and on the prospects of replacing Orbán in the forthcoming elections in April 2026. The conversation, held in Hungarian, took place on 14 November 2025 at Café Wilheim in Vienna. 

Interview with Péter Techet at the Austrian Academy of Sciences about Illiberalism

Péter Techet gave an interview to the Austrian Academy of Sciences (ÖAW) in which he discussed what illiberalism means in general – and specifically in Hungary –, why there is no single, homogeneous people and therefore no genuine popular sovereignty, and why legal scholarship should describe politics and law, but must not seek to control them. 

The interview can be read here: https://www.oeaw.ac.at/news/ungarns-illiberale-demokratie-wenn-die-verfassung-zum-machtinstrument-wird 

Péter Techet’s essay on Austrian constitutional jurisdiction from a historical perspective

In the Italian volume La giustizia costituzionale in Europa. Da Kelsen ai giorni nostri (Turin, Edition Giappichelli), Péter Techet wrote a chapter on the Habsburg roots of Austrian constitutional jurisdiction before and after 1918, also with regard to the creation of the Czechoslovak Constitutional Court after the First World War.

Fachkräfte von morgen

Derzeit entsteht eine neue österreichische Auslandsschule in Moldau. Praxis- und wirtschaftsnahe Ausbildung soll im Fokus stehen und jungen Menschen den Weg zum europäischen Bildungs- und Arbeitsmarkt öffnen, wie FRIDA SAGMEISTER in ihrem Beitrag berichtet.

Dieser Artikel wurde in Info Europa 2/2025: Zukunftsfit durch Bildung veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

Etwa 250 Schüler*innen schließen jährlich eine der derzeit sieben Österreichischen Auslandsschulen (ÖAS) ab. Für viele Absolvent*innen ist dies ein Sprungbrett, um anschließend in Österreich zu studieren oder zu arbeiten. So verfolgt ein Geschwisterpaar aus Albanien nach dem Abschluss der HTL Shkodra mit der Spezialisierung Netzwerktechnik inzwischen eine Karriere in Wien. Dort studieren sie an der FH Technikum und arbeiten in der Software-Entwicklung.  

Nun wird das Erfolgsmodell um einen Standort erweitert. In der Republik Moldau, EU-Beitrittskandidat seit Juni 2022, entsteht gerade die Österreichische Schule Moldau „Erhard Busek“ (rumänisch Școala Austriacă „Erhard Busek“ din Moldova (SAM)), benannt nach dem ehemaligen österreichischen Vizekanzler und Vorstandsvorsitzenden des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM). Als Höhere Technische Lehranstalt für Elektronik und Technische Informatik in der Hauptstadt Chişinău wird sie die moldauische Bildungslandschaft ergänzen und eine wichtige Brücke zu Österreich und der EU schlagen.  

Ausbildung auf Deutsch 

Der Schulneubau soll im Sommer 2026 fertig gestellt sein. Bis dahin wird in einem Ausweichquartier in unmittelbarer Nachbarschaft zum zukünftigen Schulgelände unterrichtet. Der Schulbetrieb startet planmäßig ab September 2025. Dann werden auch die Schulleitung sowie sogenannte Subventionslehrpersonen aus Österreich für die Fächer Deutsch, Englisch, Geschichte sowie den fachpraktischen und -theoretischen Unterricht in Hardwareentwicklung und Softwaretechnik vor Ort sein. Über 30 engagierte Schüler*innen bereiten sich schon seit September 2024 in Deutschkursen auf den Besuch der österreichischen Schule und den Unterricht in deutscher Sprache vor. Sie lernen von einem vom Bundesministerium für Bildung (BMB) entsandten österreichischen Deutschlehrer nicht nur Deutsch auf A2-Niveau, sondern auch viel Wissenswertes über Österreich.   

Die österreichischen Lehrpersonen vor Ort werden von lokalen Lehrpersonen unterstützt, beispielsweise für den Unterricht in der Landessprache. Die Finanzierung dieser vor Ort rekrutierten Lehrkräfte sowie die Schulerhaltung erfolgt über das eingehobene Schulgeld. Zudem wird auch ein Stipendiensystem aufgebaut, um einer breiteren Bevölkerungsschicht den Schulbesuch zu ermöglichen. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf der Förderung von Mädchen im MINT-Bereich – also in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – liegen.  

Die neue Auslandsschule bietet die Möglichkeit, die österreichische Reife- und Diplomprüfung (Europäischer Qualifikationsrahmen (EQR) – Niveau 5) abzulegen. Damit erhalten Absolvent*innen Zugang zum Hochschul- und Arbeitsmarkt in Österreich, der EU sowie in der Republik Moldau. Der Schultyp wird wirtschaftsnah geführt, die technischen Unterrichtsfächer haben einen hohen Praxisbezug und die vorgeschriebenen Ferialpraktika werden in enger Kooperation mit Wirtschaftsbetrieben in Moldau und Österreich durchgeführt. Darüber hinaus ist der Abschluss mit einer Berufs- und Gewerbeberechtigung in Österreich verbunden. Nach dreijähriger facheinschlägiger Berufspraxis ist der Erwerb des Ingenieurtitels möglich (EQR Niveau 6). Die Absolvent*innen können ingenieursmäßige Tätigkeiten auf dem Gebiet der Hardwaretechnik, Mess- und Regelungstechnik, Kommunikationssysteme und -netze, Computersysteme und Softwaretechnik ausführen. Damit haben sie exzellente Berufsaussichten, insbesondere angesichts des hohen Fachkräftebedarfs in diesem Bereich. 

Beitrag zur EU-Integration Moldaus 

Moldau ist ein Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA). Gemäß der OEZA-Strategie 2021-2027 für die Länder der Östlichen Partnerschaft liegt der Fokus der Bildungskooperation im Bereich der technischen Berufsausbildung. Jugendlichen und Erwachsenen (einschließlich benachteiligter Gruppen) soll ein besserer Zugang zu arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen ermöglicht und damit ihre Beschäftigungsfähigkeit erhöht werden. Während es im Bereich Informatik und Informationstechnologie in der Republik Moldau zahlreiche öffentliche und private Schulen und Exzellenzzentren mit qualitativ hochwertiger Ausbildung gibt, ist der Bereich Elektronik und Hardwareentwicklung aktuell wenig ausgebaut. Die neue österreichische Auslandsschule möchte diese Lücke füllen und so das moldauische Bildungssystem ergänzen.  Durch gezieltes Capacity Building soll das Land auch auf die zukünftige Teilnahme am europäischen Bildungs- und Wirtschaftsraum vorbereitet und nachhaltige Entwicklung gefördert werden. Damit wird aktiv die EU-Beitrittsperspektive Moldaus unterstützt.   

Die Österreichische Schule Moldau „Erhard Busek“ reiht sich in das derzeitige Netzwerk von sieben weiteren österreichischen Auslandsschulen ein: je eine in Albanien, der Tschechischen Republik, der Türkei, Guatemala und Mexiko sowie zwei in Ungarn. Österreich hat damit ein vergleichsweise kleines Auslandsschulwesen, aber mit langer Tradition: Die älteste Auslandsschule – das St. Georgs Kolleg in Istanbul – wurde bereits 1882 gegründet. Die Österreichischen Auslandsschulen gelten als Leuchtturmprojekte an den jeweiligen Standorten in Europa sowie Lateinamerika. Sie haben den Status einer Privatschule. Als Schulträger fungieren Stiftungen oder Vereine mit BMB-Vertretung nach dem jeweiligen Recht der Partnerländer – im Falle Moldaus die Österreichische Schulstiftung in der Republik Moldau unter Vorsitz von Friedrich Faulhammer, Rektor der Universität für Weiterbildung Krems und Vorsitzender des IDM. Das ganze Spektrum der österreichischen Schulformen wird abgedeckt – von der Volksschule über die Mittelschule bis zur allgemeinbildenden höheren Schule (AHS) und berufsbildenden höheren Schule (BHS) mit Reife- bzw. Reifediplomprüfung. Unterrichtet wird immer nach einem adaptierten österreichischen Lehrplan, der auch den nationalen Anforderungen vor Ort entspricht. Derzeit lernen rund 3.500 Schüler*innen an österreichischen Auslandsschulen, die meisten davon sind Kinder und Jugendliche aus dem Gastland selbst.  

Internationalisierung der Schulnetzwerke 

Die Absolvent*innen stellen eine wichtige Brücke zwischen Österreich und den Partnerländern dar. Seit dem Schuljahr 2023/24 wird auch ein Alumni-Netzwerk aufgebaut. Gleichzeitig bieten die Auslandsschulen auch einen großen Mehrwert für die österreichischen Lehrkräfte. Dienstrechtlich bleiben sie im österreichischen System verankert und können nach Beendigung des Auslandseinsatzes wieder in ihrer Region – oft auch an ihrer Stammschule – arbeiten. Durch das Unterrichten in einem interkulturellen Umfeld im Ausland erweitern Lehrpersonen ihre interkulturellen Kompetenzen und sammeln Erfahrungen im sprachsensiblen Fachunterricht. Die im Ausland erworbenen Kompetenzen stellen nach der Rückkehr damit auch eine Bereicherung für das österreichische Bildungssystem dar.  

 

Frida Sagmeister ist im Bundesministerium für Bildung (Abteilung III/8 – Bilaterale internationale Angelegenheiten Bildung; Weltweit Unterrichten; Holocaust-Education) unter anderem für das Projekt Österreichische Auslandsschule Moldau zuständig.  

Forschungsexzellenz mit Schieflage?

Der Europäische Forschungsrat (ECR) verteilt Förderungen an Europas klügste Köpfe – doch nicht überall kommen die Mittel an. Vor allem Mittel- und Osteuropa bleiben bei den prestigeträchtigen ERC-Grants immer noch häufig außen vor. JOANNA BŁOGOWSKA berichtet von einem Ungleichgewicht mit Folgen.  

Dieser Artikel wurde in Info Europa 2/2025: Zukunftsfit durch Bildung veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

Eines der renommiertesten Förderprogramme Europas feiert 2025 sein 18-jähriges Bestehen: 2007 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen, unterstützen die vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) vergebenen Förderungen wissenschaftliche Exzellenz: Herausragende Forschende mit brillanten Ideen und Projekten, die zu bahnbrechenden Ergebnissen und Entdeckungen führen sollen. Die Förderungen stehen allen Fachrichtungen sowie Forschenden aller Nationalitäten und Karrierestufen offen. Sie stärken die wissenschaftliche Laufbahn von Preisträger*innen, kommen europäischen Forschungscommunitys zugute und erhöhen Europas Wettbewerbsfähigkeit. 

Die Verteilung der ERC-Förderungen verläuft jedoch geographisch ungleichmäßig – viele europäische Länder sind unter den Förderempfänger*innen kaum vertreten. Seit Einführung des Programms hinken die mittel- und osteuropäischen Länder, die der EU nach 2004 beigetreten sind, ihren westlichen Partnern deutlich hinterher. So hat etwa die gesamte Visegrád-Gruppe (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) bislang insgesamt 262 ERC-Grants erhalten. Zum Vergleich: Allein Deutschland verzeichnet 2.884 geförderte Projekte und Frankreich 1.997 – rund zehnmal so viele. Auch im Rahmen des ERC Starting Grant Calls 2022, der sich an vielversprechende Forschende am Beginn ihrer wissenschaftlichen Laufbahn richtet, wird dieses Muster deutlich. Sechs Förderungen gingen an Polen, zwei an Tschechien und 95 an Deutschland. 

Förderlücke zwischen Ost und West 

Diese Diskrepanz gefährdet das ausgewogene wissenschaftliche Wachstum, das durch die Förderung ursprünglich beabsichtigt war. Einerseits spiegeln die Ungleichheiten bestehende Unterschiede in der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit wider. Andererseits verschärfen sie gerade diese Unterschiede und erschweren es den Ländern Mittel- und Osteuropas aufzuholen. Denn die geringe Anzahl an strategisch wichtigen ERC-Projekten entfaltet in diesen Ländern kaum Wirkung und trägt nicht signifikant zur Weiterentwicklung bei. 

Die Auswirkungen sind gravierend. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, wird sie zu einer Verstärkung des Braindrain führen. Vielversprechende Forschende aus Mittel- und Osteuropa können ihre Anträge auch bei erfolgreicheren westlichen Institutionen einreichen oder ihre Karriere außerhalb Europas fortsetzen – in der Hoffnung auf bessere Entwicklungsperspektiven. Die bestehenden Unterschiede könnten auch das Vertrauen in die Region als verlässlichen wissenschaftlichen Partner gefährden. 

Allerdings zeigen sich erste positive Entwicklungen. Im Rahmenprogramm Horizon Europe (Förderperiode: 2021-2027), erhielt Polen bislang (bis einschließlich 2024) bereits acht ERC Advanced Grants, die an führende, international anerkannte Forschende gehen. In den früheren Rahmenprogrammen FP7 und H2020 (2007–2020) wurden insgesamt nur fünf Advanced Grants an polnische Institutionen vergeben. Das deutet auf einen Generationswechsel hin: Die erfahrene Forschendengeneration in Polen wird erfolgreicher bei ERC-Anträgen – ein bedeutender Fortschritt, da diese Gruppe nicht nur wissenschaftlich führt, sondern auch nachkommende Generationen als Mentor*innen prägt. Gleichzeitig bleiben die Unterschiede zu anderen Ländern in Europa erheblich: Von 2021 bis 2024 wurden in die Niederlande 78 ERC Advanced Grants vergeben, nach Spanien 55. 

Neue Impulse  

Das Problem wird sowohl vom ERC selbst als auch von wissenschaftlichen Einrichtungen und politischen Entscheidungsträger*innen in Mittel- und Osteuropa zunehmend erkannt. So bieten das Visiting Fellowships Programm oder die ERC Mentoring Initiative ERC-Bewerber*innen die Möglichkeit, sich mit ERC-Preisträger*innen und deren Teams auszutauschen, um ihre Antragskompetenzen zu stärken. Beide Initiativen werden vom ERC in Kooperation mit nationalen Förderagenturen durchgeführt.  

Darüber hinaus ergreifen die mittel- und osteuropäischen Länder eigene Maßnahmen, um die Erfolgsquote bei ERC-Anträgen zu steigern. In Polen etwa gründete die Polnische Akademie der Wissenschaften (PAN) 2016 eine eigene Abteilung zur Unterstützung von ERC-Vorhaben. Die Abteilung für Exzellenz in der Wissenschaft bietet umfassende Hilfe für Forschende, die sich mit einer polnischen Institution bewerben. Dazu gehören Workshops, individuelle Beratung und Unterstützung bei der Vorbereitung auf die zweite Evaluierungsstufe inklusive Probeinterviews. Das Team besteht aus ERC-Expert*innen, darunter auch promovierten Wissenschaftler*innen. Mehr als die Hälfte (57 %) der ERC-Preisträger*innen in Polen nahm bereits mindestens eines dieser Unterstützungsangebote in Anspruch. 

Seit 2016 wird auf Vorschlag der polnischen Botschaft und des damaligen Botschafters Artur Lorkowski im Rahmen der Zusammenarbeit der PAN mit dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) regelmäßig eine ERC Mentoring Initiative in Wien organisiert. Sie richtet sich an ERC-Bewerber*innen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa, die dort individuelle Beratung zu ihren Projektideen erhalten. Die Mentor*innen sind ehemalige Panelmitglieder oder selbst ERC-Preisträger*innen. Die Initiative soll zu einer offenen wissenschaftlichen Dialogkultur beitragen und die Internationalisierung von Forschenden aus der Region fördern. Die Abteilung Exzellenz in der Wissenschaft ist für die Auswahl der polnischen Teilnehmenden zuständig, die finanzielle Unterstützung erfolgt durch das polnische Wissenschaftsministerium. Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie erfolgreich Kooperationen zwischen westlichen Institutionen und Forschenden aus Mittel- und Osteuropa sein können. Langfristig können diese dazu beitragen, eine ausgewogenere europäische Forschungslandschaft zu schaffen. 

Europäische Exzellenz für alle 

In seinen 18 Bestehensjahren hat der ERC viel erreicht: 16.000 unterstützte Projekte, 200.000 veröffentlichte wissenschaftliche Artikel, 2.200 beantragte Patente, 400 gegründete Start-ups und 14 Nobelpreisträger*innen unter den ERC-Preisträger*innen. Der Mehrwert dieser Förderungen für die europäische Forschung steht außer Frage. Jetzt geht es darum, sicherzustellen, dass dieser Mehrwert künftig gleichmäßiger über Europa verteilt wird. Ein ausgewogeneres wissenschaftliches Wachstum kommt allen europäischen Partnern zugute – es fördert Wissens- und Technologietransfer, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit, unterstützt die europäische Integration und trägt dazu bei, Vertrauen in Europa als starken und gleichwertigen Wissenschaftsstandort zu schaffen. 

Dr. Joanna Błogowska arbeitet als ERC-Förderberaterin in der Abteilung Exzellenz in der Wissenschaft an der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Sie promovierte in Sozialpsychologie an der Université Catholique de Louvain (UCL) in Belgien. 

“Ich möchte, dass alle Kinder gerne in die Schule gehen”

Als neuer Bundesminister für Bildung ist CHRISTOPH WIEDERKEHR österreichweit für über eine Million Schüler*innen verantwortlich. Im IDM-Interview spricht er darüber, wie er die Herausforderungen im Bildungsbereich angehen möchte.

Dieser Artikel wurde in Info Europa 2/2025: Zukunftsfit durch Bildung veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

Herr Bundesminister, welche Schwerpunkte möchten Sie setzen, um Bildung in Österreich zukunftsfähig zu gestalten? 

Ich möchte, dass alle Kinder gerne in die Schule gehen. Dafür müssen wir die Rahmenbedingungen an den Schulen weiter verbessern. Ein Chancenbonus soll jene Schulstandorte stärken, die besondere Herausforderungen haben. Mit einem Schwerpunkt bei der Deutschförderung und deutlich mehr Planstellen in diesem Bereich wollen wir dafür sorgen, dass sich die Deutschkenntnisse der Schüler*innen verbessern.  

In österreichischen Schulen werden Kinder mit unterschiedlichem sprachlichen und kulturellen Hintergrund unterrichtet. Wie kann das Bildungssystem dazu beitragen, diese bestmöglich zu integrieren und gleiche Chancen für alle zu gewährleisten?

Um eine gemeinsame Wertebasis in unserer Zuwanderungsgesellschaft sicherzustellen, werden wir ein neues Schulfach Demokratiebildung einführen. Dieses Fach ist für das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft sehr wichtig. Für jene, die nicht gut genug Deutsch können, sehen wir außerdem verpflichtende Sommerdeutschkurse vor. Und schließlich sind bei diesem Thema auch die Eltern gefordert. Wir wollen Eltern, die nicht am Bildungserfolg ihrer Kinder mitwirken, stärker in die Pflicht nehmen. 

Österreich legt großen Wert auf die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Ländern Mittel- und Osteuropas. Welche Kooperationen im Bereich Bildung sind Ihrer Meinung nach besonders hervorzuheben? 

Im Rahmen der gesamtstaatlichen außenpolitischen Schwerpunkte engagiert sich auch das Bildungsressort in Mittel- und Osteuropa. Dabei geht es einerseits um die Unterstützung der Länder auf ihrem Weg in die EU – konkret in den Europäischen Bildungsraum -, andererseits auch um direkte Kooperationen im Bereich der Fachkräfte, die auch für unsere Wirtschaft wichtig sind. Ein Schwerpunkt liegt auf der Berufsbildung, wo unser System Modellcharakter hat. 

Wir unterstützen mit Regionalbüros und sogenannten Bildungsbeauftragten die Länder am Westbalkan, in Moldau und in der Ukraine. Im Rahmen konkreter Projekte werden die Partnerländer beispielsweise dabei unterstützt, Ausbildungen zu modernisieren und an die Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen. Die Basis für solche Kooperationen bilden zwischenstaatliche Abkommen zwischen Österreich und den Partnerländern. 

Internationale Zusammenarbeit spielt aber auch in anderen Bereichen eine wichtige Rolle. Etwa in der Erinnerungskultur und Antisemitismusprävention, wo wir einen engen Austausch mit Israel und der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem pflegen. Auf Basis einer zwischenstaatlichen Vereinbarung haben seit dem Jahr 2000 mehr als tausend österreichische Lehrpersonen Fortbildungen in Israel besucht. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden auch Lernmaterialen für unsere Schulen entwickelt.

In vielen Schulen fehlen ausreichende Lehrpersonen. Wie können betroffene Schulen ausreichend unterstützt werden?  

Der Lehrkräftemangel ist weiterhin eine große Herausforderung, der wir mit einer Stärkung des Berufsbilds und einer Ausbildungsoffensive begegnen. Wir sehen zum Bespiel wieder steigende Zahlen der Lehramtsstudierenden, was mich grundsätzlich positiv stimmt.  

Gerade in Wien ist Mehrsprachigkeit gelebter Alltag. Im Schuljahr 2021/22 sprachen mehr als die Hälfte der Schüler*innen (rund 53 %) laut Schulstatistik im Alltag regelmäßig mehr als eine Sprache. Welche Bedeutung hat diese Mehrsprachigkeit für das österreichische Bildungssystem und die Zukunft des Arbeitsmarktes? 

Zunächst einmal sollte Mehrsprachigkeit als etwas Positives empfunden werden. Wir sehen jedoch momentan, dass es manchmal so ist, dass Kinder zwar mehrere Sprachen sprechen, keine jedoch wirklich gut. Hier setzen wir mit gezielter Sprachförderung bereits im Kindergarten an. Denn im Kindergartenalter entscheidet sich schon viel. 

Wenn jemand mehrere Sprachen gut spricht, sind die Chancen am Arbeitsmarkt weitaus größer. Das belegen zahlreiche Studien. Daher werden wir jene Kinder und Jugendliche, die eine andere Erstsprache als Deutsch haben, gezielt unterstützen. Ziel einer modernen Gesellschaft muss es sein, dass alle Bürger*innen ein selbstbestimmtes, geglücktes Leben führen können. Hier ist Sprache das wesentliche Element, dieses Ziel auch tatsächlich zu erreichen.  

Christoph Wiederkehr ist seit 2025 österreichischer Bundesminister für Bildung. Von 2020 bis 2025 war er Vizebürgermeister der Stadt Wien sowie Amtsführender Stadtrat für Bildung, Jugend, Integration und Transparenz.

Wie aus einer Ablehnung Innovation entstand

In St. Pölten scheiterte die Bewerbung um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt 2024. Doch der Prozess entfachte eine kulturelle Dynamik, die weit über die Grenzen der Stadt hinausreicht. Der Beitrag von MUHAMED BEGANOVIĆ beleuchtet die spannende Reise St. Pöltens auf dem Weg zur kulturellen Strahlkraft.

Dieser Artikel wurde in Info Europa 1/2025: Wandel durch Kultur – 40 Jahre Europäische Kulturhauptstädte veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

Niemand wacht eines Morgens auf und beschließt, eine Stadt spontan als Europäische Kulturhauptstadt zu bewerben. Die Entscheidung dafür erfolgt immer nach viel Vorarbeit, nach Jahren erfolgreicher und nachhaltig umgesetzter Projekte und geschaffener Infrastrukturen. Erst dann »fühlt« sich eine Stadt oder Region bereit. St. Pölten legte den Fokus der intensiven Vorarbeit auf die Abkehr von seinem verstaubten Image als Industriestadt.

Die Stadt investierte in den 1990-er sowie frühen 2000-er Jahren viel Geld in Kulturveranstaltungen, die ein junges Publikum aus Österreich, aber auch aus dem Ausland anziehen sollten. 2009 übersiedelte das mittlerweile sehr bekannte Musikfestival »Frequency« von Salzburg nach St. Pölten. Auch die steigende Popularität der Fachhochschule St. Pölten, die 1996 den Unterricht aufnahm und 2007 in den neu errichteten, modernen Campus einzog, half, das Image der Stadt zu wandeln. Studierende, die in die Stadt kamen, lernten zunehmend das kulturelle Angebot zu schätzen. Eine neue Identität, geprägt von einer Mischung aus postindustriellem Wandel und jugendlicher Kultur, war geboren.

Es dauerte jedoch noch einige Jahre, bis die Stadtregierung über eine Bewerbung um den Titel der Kulturhauptstadt Europas nachdachte. 2013 äußerte sich Bürgermeister Matthias Stadler erstmals öffentlich dazu und räumte der Stadt »realistische Chancen« ein. Ab 2016 wurde das Thema in politischen Gesprächen zunehmend präsenter, insbesondere in Abstimmungen zwischen Stadler und dem damaligen niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll. Zusätzlichen Schwung erhielt die Idee durch eine zivilgesellschaftliche Initiative, die 2016 gegründete Plattform »KulturhauptSTART«. In zahlreichen Gesprächen mit Politiker*innen der Stadt St. Pölten und des Landes Niederösterreich sowie im Rahmen von Diskussionsveranstaltungen wurde die Idee einer Bewerbung nicht nur befürwortet, sondern auch aktiv gefordert. Der Verein wollte das Thema sowohl der Politik, als auch der Stadtbevölkerung schmackhaft machen, denn für ein solches Unterfangen ist die Unterstützung beider Gruppen essentiell. 2017 fiel dann die gemeinsame Entscheidung von Stadt und Land, sich offiziell zu bewerben.

Die Geburt der Tangente St. Pölten

Für die Erarbeitung des sogenannten »Bid Books«, das das zentrale Bewerbungskonzept enthält, wurde das »Büro St. Pölten 2024« gegründet. Dieses arbeitete in enger Abstimmung mit zahlreichen Institutionen, Vereinen, Initiativen sowie Akteur*innen aus der Kunstszene, um die Dynamik programmatisch zu bündeln. Die Bewerbung wurde außerdem von Anfang an mit der »Kulturstrategie 2030« verknüpft, die zu dieser Zeit als langfristige kulturpolitische Vision durch den St. Pöltner Gemeinderat beschlossen wurde. Die Stadt bekannte sich darin zu Kunst und Kultur als zentrale Aspekte der nachhaltigen Weiterentwicklung.

Nach über 18 Monaten intensiver Arbeit wurde das »Bid Book« voller Euphorie und Optimismus eingereicht. Die Enttäuschung war groß, als Ende 2019 die Entscheidung vom Bundeskanzleramt bekannt wurde, dass nicht St. Pölten sondern Bad Ischl Europäische Kulturhauptstadt 2024 werden sollte. Doch noch am selben Tag verkündete Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, dass St. Pölten dennoch ein bedeutendes Kulturprojekt umsetzen werde. Die Vorbereitungsarbeiten seien zu gut und zu professionell gewesen. Daher solle St. Pölten im Jahr 2024 den Titel Landeskulturhauptstadt tragen, so Mikl-Leitner. Die Bewerbung habe unglaublich viel Dynamik und Bewegung in der Stadt ausgelöst, und man sehe es als Auftrag, daraus etwas zu machen. Das »Bid Book« wurde vom Konzeptpapier »Kultur St. Pölten 2024« abgelöst, um sich deutlicher von der eigentlichen Kulturhauptstadt Europas abzugrenzen. Viele Elemente blieben allerdings erhalten und flossen in die Umsetzung ein.

Ein zentrales Element der Strategie war die Etablierung eines neuen Festivals. Dieses erhielt den Namen »Tangente St. Pölten – Festival für Gegenwartskultur« und sollte nicht nur die kulturelle Weiterentwicklung der Stadt vorantreiben, sondern auch ein Programm internationaler Strahlkraft mit regionaler Verankerung bieten. Für die Realisierung des Festivals war als künstlerischer Leiter ab 2021 der deutsche Kurator und Dramaturg Christoph Gurk zuständig; dieser wurde im Sommer 2023 von Tarun Kade als kuratorischem Leiter abgelöst. Die operative und kaufmännische Geschäftsführung hatten Angelika Schopper und Stefan Mitterer inne.

Festival mit Langzeitwirkung

Das Konzept zielte darauf ab, zeitgenössische Kunst und Kultur aller Sparten zu präsentieren, miteinander zu verknüpfen und mithilfe der thematischen Schwerpunkte Ökologie, Erinnerung und Demokratie gesellschaftliche Relevanz zu schaffen. Das Festival lief von Ende April bis Anfang Oktober 2024 und lockte mit international bekannten Persönlichkeiten und eigens für St. Pölten entwickelten Formaten. Joanna Warsza und Lorena Moreno-Vera entwickelten den Kunstparcours »The Way of the Water« und Matthias Lilienthal erfand das Erfolgsformat »X-Erinnerungen«, für das sich Künstler*innen auf Spurensuche in St. Pölten begaben. Das Festival gewann auch deshalb an Akzeptanz, weil es während einer intensiven Vorbereitungszeit offen und proaktiv den Dialog mit den Stadtbewohner*innen suchte und gezielt Bevölkerungsgruppen aktivierte, die vom Kunst- und Kultursektor oft nicht angesprochen wurden.

Mit dem Festival wurde nicht nur ein kultureller Höhepunkt für 2024 geschaffen, sondern auch eine nachhaltige Entwicklung angestoßen. Das Musik, Kunst, Community Festival »StadtLandFluss« wird den regionalen Austausch und das Miteinander der freien Szene mit den Institutionen der NÖKU Gruppe (Niederösterreichische Kulturwirtschaft) stärken, das Nachfolgeformat der Klimakonferenz »Tipping Time« wird neue Impulse für umweltbewusste Kultur setzen, und der »Löwinnenhof *« soll als lebendiges Kulturzentrum langfristig etabliert werden.

Upgrade für die kulturelle Infrastruktur

Rund 30 Millionen Euro wurden für die Umsetzung der Initiativen in die kulturelle Infrastruktur der Stadt investiert. Ein zentrales Projekt stellte der von Schenker Salvi Weber Architekten konzipierte Neubau des »KinderKunstLabors« dar, das als eigenständige Institution speziell für Kinder gestaltet wurde. Dieses soll zeitgenössische Kunst auf innovative Weise vermitteln – mit interaktiven Ausstellungen und einer direkten Einbindung junger Besucher*innen.

Darüber hinaus umfasste das Investitionspaket von Stadt und Land die Neugestaltung des Domplatzes, der seit 2023 als Spielort für neue Veranstaltungsformate, wie den Gala-Abend mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, genutzt wird. Hinzu kamen die Erweiterung des Stadtmuseums, die Sanierung und Neuprogrammierung der ehemaligen Synagoge, technische Modernisierungen im Festspielhaus zur Stärkung des Tanzstandorts sowie des Klangturms und die Renovierung der Solektiv-Gebäude im Sonnenpark. Die Stadt St. Pölten erneuerte auch die Stadtbibliothek und eröffnete den Grillparzer Campus für Musik, Kunst und Pädagogik. All diese Maßnahmen beleben die Hauptstadtregion und fördern die Vernetzung innerhalb der kulturellen Institutionen und der freien Szene. So tragen sie dazu bei, St. Pölten regional und überregional als vielfältigen Ort für Kunst und Kultur zu positionieren und die kulturelle Weiterentwicklung nachhaltig abzusichern.

Muhamed Beganović lebt und arbeitet als Journalist in Wien. Er ist Herausgeber und Chefredakteur des muslimischen Kultur­ magazins QAMAR sowie Chefredakteur der Fachzeitung Verkehr. Zudem war er Chefre­ dakteur des Online­Blogs KREDO, der sich sechs Monate lang kritisch mit dem Festival Tangente auseinandersetzte.