Péter Techet for STVR Pátria Rádió on the planned ban on political islam in Austria

In the Hungarian-language program of the Slovak public broadcaster, Péter Techet spoke about why and how “political Islam” could be banned in Austria.

The interview can be listened to here: Az osztrák kancellár a bécsi iskolák muszlim diákjai miatt aggódik – Pátria Rádió

 

Peter Techet in der NZZ über Systemwechsel in Ostmitteleuropa

In einem Essay in der Neuen Zürcher Zeitung vergleicht Peter Techet die Systemwechsel in der Slowakei nach Vladimír Mečiar, in Kroatien nach Franjo Tuđman und in Serbien nach Slobodan Milošević – vor dem Hintergrund der Frage, ob und wie ein Systemwechsel in Ungarn nach Viktor Orbán gelingen kann.

Er meint, dass die Rückkehr zu einer liberalen Demokratie einen parteipolitischen Pluralismus erfordert, der in Ungarn derzeit jedoch noch weitgehend fehlt. Somit besteht die Gefahr, dass die liberale Demokratie in Ungarn nicht wie in Kroatien nach Tuđman nachhaltig gesichert werden kann, sondern – wenn auch nicht so drastisch wie in Serbien, aber ähnlich wie in der Slowakei nach 2023 – einen weiteren Rückschritt erleben könnte.

Der Artikel kann hier gelesen werden: In Osteuropa verlieren rechtsnationale Regierungen die Macht – doch nicht immer auf Dauer

Peter Techet for Parameter.sk on Robert Fico’s Ukraine Policy

Peter Techet was interviewed by Paraméter, a Hungarian-language news portal in Slovakia, about whether and how Robert Fico could continue Viktor Orbán’s policy on Ukraine.

He emphasized that although Fico has now blocked an automatic one-year extension of the EU’s Russia sanctions, Slovakia does not in fact challenge the sanctions themselves.

With regard to Orbán’s policy so far, Techet points out that an interesting pattern can be observed: while Fico is pursuing similar objectives to Orbán in his Ukraine policy, in EU policy toward Israel it is the Slovenian Prime Minister Janez Janša who is continuing the position previously associated with Hungary.

The article can be read here: Fico Orbán helyére léphet: Szlovákia egyedül blokkolhatja az orosz szankciók meghosszabbítását

Péter Techet on Kossuth Rádió discussing the drone attacks in Germany

Péter Techet joined the midday programme of Hungary’s renewed public broadcaster, Kossuth Rádió, live from Vienna to discuss the legal and political response in Germany to the recent drone attacks.

Listen to the full programme here: https://mediaklikk.hu/audio/kossuth-radio/2026/09/03/12-30/kulcskerdesek/

Péter Techet for Nikkei (Japan) on reviving V4 Cooperation

In an interview with Japan’s leading business daily Nikkei, Péter Techet discusses how Central European cooperation could gain renewed importance following the change of government in Budapest.

He also explores the possibility of broadening cooperation beyond the existing Visegrád framework, potentially bringing Austria, Slovenia, and Croatia more closely into the picture.

Read the full article here: 中欧4カ国、ハンガリー政権交代で結束 EU域内で影響力拡大

 

12 Points: Wie Europa abstimmt

Ist die Punktevergabe beim ESC mehr als nur Ausdruck des musikalischen Geschmacks? Was es mit dieser Vermutung auf sich hat und welche wichtige Rolle hier die Balkanstaaten spielen, erklären ALINA SCHOENBERG, CHRISTOPHER SCHWAND, CHIARA FORAMITTI und DIMITRIOS IERAPETRITIS. 

Dieser Artikel wurde in Info Europa 1/2026: Eurovision Song Contest im Donauraum: Kulturführer Mitteleuropa 2026 veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

Noch bevor der erste Ton erklingt, rätseln erfahrene ESC-Zuschauer*innen nicht nur über mögliche Gewinner*innen, sondern auch über die Punktevergabe. Erhält Griechenland erneut 12Punkte von Zypern und wird das Vereinigte Königreich diesmal mit mehr als zwei Punkten belohnt? Beim ESC ist die Abstimmung definitiv Teil der Unterhaltung sie wird genauso aufmerksam verfolgt und gefeiert wie die Auftritte selbst. Abstimmungsergebnisse werden anschließend auch gerne kulturell und politisch interpretiert: Mag uns wirklich niemand? Warum sind wir bei Land X nicht mehr so beliebt? Haben manche Länder freundlichere Nachbarn als wir? Und ist die Abstimmung politischer als es der Wettbewerb eigentlich vorsieht?  

Betrachtet man die Abstimmungsergebnisse beim ESC über die Jahre, so sind diese weit mehr als nur eine Geschichte des musikalischen Geschmacks. Sie spiegeln Nähe und Ferne, geben Hinweise auf Identität und Diversität sowie erzählen von Allianzen und Spaltung. Und das so laut, dass sie schon längst die Aufmerksamkeit von mehr oder weniger musikaffinen Forscher*innengeweckt haben.  

Faszination der Punktevergabe

Wissenschaftliche Analysen der Daten zeigen, dass geografische Nähe, Migration und kulturelle Verbindungen der teilnehmenden Länder einen messbaren Einfluss darauf haben, wie Punkte beim ESC vergeben werden. Forschende unterscheiden häufig fünf große Abstimmungsblöcke: ein westlicher, ein östlicher, ein ostmediterraner, ein skandinavischer und ein Balkanblock, der meistens aus Serbien, Kroatien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien und Montenegro besteht. Bei genauer und kritischer Betrachtung erweisen sich zwei „Freunderlwirtschaften“ äußerst hartnäckig: der scherzhaft „Viking Empire“ genannte Norden und der Balkanblock. Letzterer gilt darüber hinaus als das am stärksten in sich geschlossene Netzwerk und hat die wenigsten Verbindungen mit anderen Abstimmungsblöcken.  

Doch wie erfolgreich ist der Balkan im ESC wirklich? Musikalisch scheint er die Geschichte des ESC derzeit noch nicht zu dominieren. Schweden hat in seinen Teilnahmen seit 1957 knapp 7000 Punkte gesammelt, Italien und Frankreich über 5000. Serbien und Kroatien hingegen konnten über all ihre Teilnahmen hinweg weniger als 2000 Punkte ergattern. Die Untersuchung der Finalrunden allein ist dabei allerdings nicht ausreichend, da sie nicht berücksichtigt, dass manche Länder eine geringere Anzahl an Teilnahmen aufweisen. Viele Balkanländer waren aufgrund politischer Umbrüche zeitweise gar nicht im Wettbewerb vertreten oder nahmen erst spät in der Geschichte des ESC teil. Betrachtet man statt der absoluten Punktezahl also die Leistung der Balkanländer im Verhältnis zu ihren Teilnahmen, so wird deutlich: der Erfolg des Balkans wird unterschätzt. Setzt man nämlich die in den Finalrunden ersungenen Punkte ins Verhältnis zu den maximal möglichen Punkten, so erreicht das ehemalige Serbien und Montenegro den Höchstwert von 45% der erreichbaren Punkte. Viele Balkanländer kommen auf einen Wert von 15% bis 20%und schneiden damit besser ab als erprobte Teilnehmer wie Spanien, Portugal oder Belgien. In anderen Worten: erreichen Balkanländer das Finale, so werden ihre Beiträge durchaus reich mit Punkten belohnt.  

Punkte für den Nachbarn 

Auch das Abstimmungsverhalten der Balkanländer selbst verrät vieles. Ein Blick darauf, wie oft ein Land seine „twelve points“, also die maximale Punkteanzahl, an das spätere Gewinnerlied vergibt, zeigt, wie stark die eigene Wahl mit dem europäischen Gesamtkonsens übereinstimmt. Lettland vergibt seine Höchstwertung in jedem dritten Wettbewerb an den oder die Gewinner*indes ESC. Bei Schweden, der Schweiz oder dem Vereinigten Königreich passiert dies ungefähr bei einem Viertel ihrer Teilnahmen. Serbien hingegen hat in 17 Abstimmungsjahren nur einmal seine 12 Punkte an den späteren Siegerbeitrag vergeben, Kroatien nur dreimal in 30 Abstimmungen. 

Insgesamt zeigen diese Zahlen ein einfaches und dennoch auffälliges Muster: Wenn Balkanländer teilnehmen, schneiden sie üblicherweise gut ab, bestimmen jedoch selten dieGewinner*innen. Individuell profitieren sie vom Abstimmungssystem, ohne das Endergebnis wesentlich zu beeinflussen. Je mehr Balkanländer teilnehmen, desto stärker werden die regionalen Unterstützungsstrukturen innerhalb des Netzwerkes. 

Hinzu kommt der Einfluss großer Diaspora-Gemeinschaften in Ländern wie Österreich, Deutschland oder in der Schweiz, deren Stimmen oft weiterhin kulturelle Verbindungen zuHerkunftsregionen widerspiegeln. Besonders sichtbar werden diese Muster im Televoting, also bei der Abstimmung des Publikums, während die Jurys tendenziell etwas stärker zum europäischen Konsens beitragen. 

Kulturelle Nähe zählt 

Was lässt sich also aus all dem über den ESC lernen? Der ESC ist auch eine Bühne kultureller Soft Power, also der Fähigkeit einzelner Länder, durch Musik, Image und kulturelle Ausstrahlunginternationale Aufmerksamkeit und Sympathie zu gewinnen ohne politische oder wirtschaftliche Macht einzusetzen. Wie diese kulturelle Ausstrahlung wahrgenommen wird, zeigt sich nicht nur auf der Bühne, sondern auch in der Punktevergabe. In Nord- und Westeuropa ist das Abstimmungsverhalten stärker auf Konsens ausgerichtet. Favorit*innen werden oft früh erkannt und Gewinner*innen gemeinsam unterstützt. 

Die Abstimmungskultur der Balkanländer hingegen spiegelt kulturelle Nähe, ähnliche musikalische Vorlieben, eine gemeinsame Geschichte sowie Diaspora-Verbindungen wider. Gemeinsamebzw. ähnliche Sprachen und Traditionen haben kulturelle Gemeinschaften geschaffen, die durch politische Grenzen nicht verschwunden sind. Ihr Abstimmungsverhalten zeigt eine gemeinsame Vergangenheit und ist stärker von Identität und Geschmack geprägt als vom resteuropäischen Mainstream.  

Die besondere Stärke des Wettbewerbs liegt darin, dass der ESC gleichzeitig als Symbol europäischer Einigkeit und Plattform europäischer Vielfalt wirkt. Die Balkanländer erinnern bei der Vergabe ihrer 12 Punkte daran, dass ihnen lokale Identität und kulturelle Nähe wichtig sind. Damit macht die Eurovision-Abstimmung sichtbar, dass das europäische Publikum ein Mosaik aus Vorlieben ist, das von Geschichte, Migration, geographischer Nähe und kulturellen Verbindungen geprägt ist. Und deshalb sind die berühmten „twelve points“ mehr als nur ein Wettbewerbssignal sie sind kleine Botschaften darüber, wie Europa wirklich tickt. 

Alina Schoenberg ist Forschungsprofessorin für Kohäsion, Resilienz und Demokratie in Europa an der IMC Krems. Ihre Forschungsinteressen konzentrieren sich auf regionale und urbane Entwicklung, politische Unzufriedenheit und Wahlverhalten sowie Euroskeptizismus.

Christopher Schwand ist Institutsleiter und Professor an der IMC Krems. Seine Forschung beschäftigt sich mit den transformativen Auswirkungen technologischen Wandels und globaler Herausforderungen.

Chiara Foramitti arbeitet seit über drei Jahren beim Österreichischen Integrationsfonds. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich Handel und internationale Politik.

Dimitrios G. Ierapetritis ist Gastforscher an der IMC Krems und Mitglied des Lehrpersonals an der Panteion University of Social and Political Sciences. Seine Forschungsinteressen konzentrieren sich auf regionale und lokale Entwicklung, geografische Netzwerke und Entrepreneurship.

 

A bigger EU, but for whom? IDM event in Podgorica

The Institute for the Danube Region and Central Europe (IDM), together with the Centre for Civic Education (CCE) and the Centre for Monitoring and Research (CeMI), held a CitizEn side event in Podgorica. The discussion examined the societal preconditions for a successful enlargement policy, with particular attention to public perceptions in both EU Member States and candidate countries.

Around 40 representatives of public institutions, diplomatic missions, academia, civil society and the media took part in the discussion. The event formed part of the project Citizens for EU Enlargement: Building Societal Readiness for an Enlarged European Union (CitizEn), led by IDM and bringing together partners from EU Member States and candidate countries.

The panel was moderated by Zvezdana Kovač, Strategy and Outreach Director at CCE, and featured Luka Pavićević, Project Coordinator at CeMI, Sophia Beiter, Research Associate at IDM, and Sebastian Schäffer, Director of IDM.

The exchange addressed a central challenge for the future of enlargement: formal progress in accession negotiations must be matched by public understanding and political support. Participants discussed how citizens’ expectations and concerns – including questions related to economic opportunities, migration, security, public services and the EU’s institutional capacity – can be addressed through more open and inclusive communication.

In his contribution, Sebastian Schäffer argued that enlargement should be understood as a political project that strengthens the EU’s security, stability and transformative capacity, rather than as a narrow calculation of economic costs and benefits. He also pointed to the discrepancy between strong support for the European perspective in candidate countries and more hesitant attitudes towards further enlargement in parts of the EU. While support for EU membership in Montenegro stands at around 80%, support for enlargement is considerably lower in countries such as Austria and Germany.

Sophia Beiter presented the CitizEn project approach and research findings from her Charlemagne Prize Fellowship on a citizen-centred model of EU enlargement. Her presentation highlighted the need for a better-informed public debate, more opportunities for contact and exchange between citizens of Member States and candidate countries, and stronger democratic participation in the enlargement process.

Luka Pavićević underlined that citizens in Montenegro need clearer information about the practical implications of EU membership, while views in EU Member States, especially where scepticism is more pronounced, also require closer attention. Understanding the reasons behind scepticism, rather than merely seeking to counter it, is essential for building durable support for enlargement.

The debate also considered the outcome of the recent referendum in Iceland and its relevance for public communication on European integration.

A press release in Montenegrin is available here: https://cgo-cce.org/2026/09/03/odrzivo-prosirenje-eu-zahtijeva-podrsku-i-razumijevanje-gradjana/ and in English here: https://cgo-cce.org/en/2026/09/03/sustainable-eu-enlargement-requires-citizens-support-and-understanding/  

It was shared by all major outlets in Montenegro as well as a few local ones: 

Vijesti: https://www.vijesti.me/vijesti/politika/824945/cgo-cemi-i-idm-odrzivo-prosirenje-eu-zahtijeva-podrsku-i-razumijevanje-gradjana and in English as well: https://en.vijesti.me/news-b/politika/824945/cgo-cemi-i-idm-sustainable-eu-enlargement-requires-the-support-and-understanding-of-citizens  

RTCG: https://rtcg.me/vijesti/drustvo/879024/odrzivo-prosirenje-eu-zahtijeva-podrsku-i-razumijevanje-gradjana.html

Antena M: https://www.antenam.net/clanak/cgo-cemi-i-idm-odrzivo-prosirenje-eu-zahtijeva-podrsku-i-razumijevanje-gradana/

CdM: https://www.cdm.me/politika/cgo-cemi-i-idm-odrzivo-prosirenje-eu-zahtijeva-podrsku-i-razumijevanje-gradana/

Standard: https://standard.co.me/drustvo/cgo-cemi-i-idm-odrzivo-prosirenje-eu-zahtijeva-podrsku-i-razumijevanje-gradjana/

Radio Titograd: https://radiotitograd.me/titogradske-vijesti/cgo-cemi-i-idm-odrzivo-prosirenje-eu-zahtijeva-podrsku-i-razumijevanje-gradjana/  

DAN: https://www.dan.co.me/vijesti/drustvo/cgo-cemi-i-idm-odrzivo-prosirenje-eu-zahtijeva-podrsku-i-razumijevanje-gradana/  

Portal Analitika: https://www.portalanalitika.me/clanak/kovac-put-crne-gore-ka-eu-nije-samo-crnogorska-prica-sader-strahovi-i-nostalgija-za-prosloscu-mogu-postati-pogodno-tlo-za-politicke-manipulacije/

ETV: https://etv.me/drustvo/odrzivo-prosirenje-eu-zahtijeva-podrsku-i-razumijevanje-gradana/  

Mina News Agency: https://mina.news/article/odr%C5%BEivo-pro%C5%A1irenje-eu-zahtijeva-podr%C5%A1ku-i-razumijevanje-gra%C4%91ana/

Nikšić TV: https://rtnk.me/politika/cgo-cemi-i-idm-odrzivo-prosirenje-eu-zahtijeva-podrsku-i-razumijevanje-gradjana/

Gradski: https://gradski.me/drustvo/cgo-cemi-idm-odrzivo-prosirenje-eu-zahtijeva-podrsku-i-razumijevanje-gradjana/

Pobjeda: https://www.pobjeda.me/clanak/cgo-odrzivo-prosirenje-eu-zahtijeva-podrsku-i-razumijevanje-gradana  

Schaulauf national-kultureller Identitäten

ESC-Beiträge erzählen Geschichten, die weit über das Musikalische hinausgehen. IRVING WOLTHER zeigt anhand südosteuropäischer Beiträge, wie drei Minuten Musik zur Bühne für Geschichte, Identität und politische Spannungen werden können. 

Dieser Artikel wurde in Info Europa 1/2026: Eurovision Song Contest im Donauraum: Kulturführer Mitteleuropa 2026 veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

Für manche Teilnehmerländer ist der Eurovision Song Contest (ESC) nur ein buntes Popmusikspektakel für andere weit mehr: Gerade in Mittel- und Südosteuropa fungiert der ESC seit Jahrzehnten als Projektionsfläche für nationale Selbstvergewisserung, kulturelle Distinktion und zugleich den Wunsch, in einem gemeinsamen europäischen Klangraum sichtbar zu sein. Während der Wettbewerb in Westeuropa oft als seichte Unterhaltung geschmäht wurde und wird, ist seine Bedeutung östlich der einstigen Systemgrenze kaum zu überschätzen. Hier traf der ESC auf Gesellschaften, deren musikalische Öffentlichkeit lange Zeit staatlich reguliert, ideologisch aufgeladen oder international isoliert war. Der Gang auf die ESC-Bühne markierte daher oft nicht weniger als den symbolischen Eintritt in eine europäische Normalität. 

Zwischen Folklore und Moderne

In vielen Ländern des Balkans wurzelt die populäre Musik tief in regionalen Traditionen. Mehrstimmige Gesänge, asymmetrische Rhythmen und charakteristische Instrumente prägen bis heute das musikalische Selbstbild – von der albanischen Iso-Polyphonie*über die bosnische Sevdalinka* bis zum dissonanten bulgarischen Kehlkopfgesang*. Der Eurovision Song Contest drängte diese Traditionen nie ins Abseits, sondern stellte sie vor dieHerausforderung, kulturelle Eigenheit in ein dreiminütiges, massenmedial taugliches Format zu übersetzen. 

Die Antworten fielen dabei höchst unterschiedlich aus. Allen gemein war, dass die zur Schau gestellten national-kulturellen Besonderheiten mangels Bewusstsein für die kulturgeschichtlichen Zusammenhänge in Osteuropa bei Zuschauer*innen im Westen pauschal als „folkloristisch“ abgetan wurden. So vermochte der kroatische Klapa-Gesang*, der sogar immaterielles Kulturerbe der Menschheit ist, gegenüber dem westlichen Publikum die kulturelle Eigenständigkeit Kroatiens nicht überzeugend zu vermitteln. Deutlich wirkungsvoller erwies sich dagegen die sogenannte „Balkan-Ballade“, die aus der Tradition der bosnischen Sevdalinka schöpft und die gleich mehrere jugoslawische Nachfolgestaaten im Laufe ihrer ESC-Teilnahmegeschichte ins Feld führten. 

Der ESC als postjugoslawischer Resonanzraum 

Nach dem Zerfall Jugoslawiens war der Musikmarkt fragmentiert, die Erinnerung blieb jedoch ein Ort der Gemeinsamkeit. Der Erfolg von Künstler*innen wie Dino Merlin (Bosnien-Herzegowina), Dado Topić (Kroatien) oder Esma Redžepova (Nordmazedonien) reichte weiterhin über die neuen Grenzen hinweg – und der ESC wurde zu einem der wenigen Foren, bei denen die immer noch vorhandene kulturelle Nähe zwischen den ehemaligen Teilrepubliken öffentlich sichtbar blieb. 

Dabei lösten die nationalen ESC-Beiträge nicht selten hitzige Debatten über „kulturelle Zugehörigkeit“ aus. So war die Teilnahme der kroatischen Sängerin Severina am Wettbewerb 2006 in Athen heftig umstritten. Ihr Titel Moja štikla (dt. Mein Stöckelschuh) enthielt nämlich zahlreiche Elemente des als „unkroatisch” empfundenen Turbo-Folk*, dessen Wiege in Serbien und Montenegro zu finden ist. Länder wie Nordmazedonien griffen dagegen bewusst auf musikalische Marker wie den 7/8-Takt zurück und versuchten diese als „typisch mazedonisch“ zu branden. Dies wiederum stieß bei journalistischen Vertreter*innen angrenzender Balkanstaaten wie Griechenland oder auch der Türkei auf heftige Gegenrede. 

Sackgassen und Sonderwege

Welche Sprengkraft die Frage der kulturellen Zugehörigkeit auch über die Grenzen des ehemaligen Jugoslawiens hinaus besitzt, zeigte sich 2013. Nordmazedonien (aufgrund des Namenskonflikts mit Griechenland damals noch „Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien“) zog damals seinen Wettbewerbsbeitrag Imperija von Esma & Lozano zurück, da der vieldeutige Titel drohte, einen diplomatischen Streit mit Griechenland und Bulgarien vom Zaun zu brechen. Rumänien, das 2009 mit dem Titel The Balkan Girls in Moskau an den Start ging, wurde dagegen zum Gespött vieler Pressevertreter*innen aus jugoslawischen Nachfolgestaaten, die dem Land absprachen, über Mädchen vom Balkan singen zu dürfen. 

Slowenien nimmt unter den jugoslawischen Nachfolgestaaten eine Sonderstellung ein. Historisch, sprachlich und kulturell stärker nach Mitteleuropa orientiert, verstand sich das Land früh als Brücke zwischen Ost und West. Seine ESC-Beiträge spiegeln diese Lage wider und bewegen sich zwischen Schlagertradition, Pop-Avantgarde und ironischer Brechung nationaler Symbole (wie im Fall des Beitrags Narodnozabavni rock (dt. Volksmusik-Rock) aus dem Jahr 2010, der slowenische Rockmusik mit Oberkrainer-Ästhetik verband). Doch auch hier wird der Wettbewerb genutzt, um Deutungsangebote zu machen, wie das Land im übrigen Europa gesehen werden möchte. 

Mehr als ein Wettbewerb

Dass Musik Identität nicht nur abbildet, sondern aktiv verhandelt, gehört zu den zentralen Lektionen, die der ESC (nicht nur) in dieser Region vermittelt. Das erleben wir auch beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien: So erzählt der kroatische Beitrag Andromeda davon, wie sich katholische Frauen im osmanischen Bosnien durch das Tätowieren von Gesicht und Händen mit Kreuzsymbolen (Sicanje) davor schützten, von muslimischen Männern verschleppt zu werden. Unter Bezugnahme auf die kroatische Erinnerungskultur erlaubt der Titel Lesarten von weiblichem Empowerment bis hin zu nationalistischer Abgrenzung, die gleichberechtigt nebeneinander Bestand haben. 

Der Eurovision Song Contest ist in Mittel- und (Süd-)Osteuropa kein bloßes Fernsehformat. Er ist Erinnerungsraum, Schaufenster und Experimentierfeld für eigene Identitäten. Dabei erlaubt er es kleinen Ländern, im großen Weltgeschehen oft vernachlässigte Geschichten zu erzählen, und zwingt im Gegenzug große Nationen zur Verdichtung ihrer kulturellen Narrative. Gerade deshalb ist die Rückkehr des ESC nach Österreich mit seiner Vielvölker-Vergangenheit nicht einfach ein banaler Medienzirkus, sondern eine Einladung, den Wettbewerb wieder als das zu begreifen, was er immer war – ein europäisches Kulturbarometer. 

*Info-Box: 

  • Iso-Polyphonie: Traditionelle mehrstimmige Gesangsform aus Albanien, bei der eine durchgehende Bordunstimme die melodischen Stimmen begleitet. Teil des immateriellen UNESCO-Kulturerbes. 
  • Sevdalinka: Urbanes Liedgenre aus Bosnien und Herzegowina, das sich durch melancholische Melodien und poetische Texte über Liebe, Sehnsucht und Verlust auszeichnet. 
  • Kehlkopfgesang: Gesangstechnik, bei der die Sänger*innen gleichzeitig mehrere Töne erzeugen, indem sie Obertöne im Kehlkopf und Mundraum modulieren. 
  • Klapa-Gesang: Traditioneller a-cappella-Gesang aus Dalmatien, der meist von Männergruppen in enger Mehrstimmigkeit vorgetragen wird und Themen wie Liebe, Heimat und Meer behandelt. 
  • Turbo-Folk: Populäres Musikgenre aus Südosteuropa, das traditionelle Volksmusik mit modernen Pop-, Dance- und elektronischen Elementen kombiniert. 

Irving Wolther beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit dem Eurovision Song Contest und gehört international zu den führenden Forschenden zu diesem Thema. Er ist Mitgründer und Inhaber des _phonos-Journalistenbüros in Hannover und arbeitet als Journalist unter anderem für die offizielle deutsche ESC-Website.

Weiterführende Literatur: Die ganze Welt des Song Contests, Irving Wolther, Journalistenbüro _phonos, 2016.

 

Sebastian Schäffer on Qnews: Dialogue, deterrence and Russia’s war against Ukraine

IDM Director Sebastian Schäffer returned to Qnews’ Think Tank to discuss Russia’s war against Ukraine, NATO, European security and how Moscow may interpret recent statements from Washington.

The discussion addressed the role of deterrence, the importance of sustained support for Ukraine and the wider consequences of the war for European security. It also highlighted the challenge of engaging in dialogue when familiar Kremlin narratives continue to blur responsibility for the war, question Ukraine’s agency and create false equivalence.

Schäffer underlined that dialogue remains necessary. However, a meaningful conversation about peace has to begin with the facts: Russia started the war against Ukraine, Ukraine has the right to defend itself, and Ukrainians have the right to decide their own future.

The discussion also touched on cognitive resilience. Repeated disinformation and manipulative narratives can become more plausible through repetition alone. Recognising these patterns, checking claims and maintaining a shared understanding of reality are therefore essential for democratic societies.

Watch the full discussion on YouTube:

Gesichter des Krieges

Am 29. August wird in der Ukraine der Gedenktag für die Verteidiger*innen des Landes begangen. Dieser Tag erinnert auch an den 29. August 2014, an dem sich die Tragödie von Ilovaisk abspielte. Hunderte ukrainische Soldat*innen wurden in einem der humanitären Korridore von russischen Truppen angegriffen und getötet.  

Was bedeutet es wirklich, die eigene Heimat zu verteidigen? Welche inneren Prozesse führen zu der Entscheidung, alles zu riskieren, bis hin zum eigenen Leben, um die Familie und die eigenen demokratischen Werte zu schützen? Diesen und vielen weiteren Fragen sind wir gemeinsam mit Serhiy Volosovets und Mykola Hradnov nachgegangen. Die beiden Ukrainer kannten sich bereits aus ihrer gemeinsamen Zeit an der Schauspielschule Kerpenko-Karyi in Kyjiw. Unabhängig voneinander entschieden sie sich, als Soldaten für ihr Land einzustehen und trafen sich Jahre später als Veteranen wieder, in ihrer gemeinsamen Arbeit füreinander und andere Betroffene. 

Der Ausbruch des Krieges 

In unserem Interview erzählen Mykola und Serhiy, wie sich der Ausbruch des Krieges für sie angefühlt hatwie abrupt sie aus ihrem gewohnten Alltag gerissen wurden, welche Erfahrungen sie auf dem Schlachtfeld prägten, und wie ihr Leben als Veteranen heute aussieht, geprägt von körperlichen wie seelischen Verletzungen. Wie kann eine Gesellschaft verwundete Soldaten auffangen? Was kann man tun, wenn man nicht mehr kämpfen kann, aber dennoch sein Land unterstützen möchte? Und welche Verantwortung bringt die Arbeit als Veteran mit sich? Es sind vielschichtige Facetten, die das neue Leben von Mykola und Serhiy prägen. 

Vom Schauspieler zum Soldaten 

Serhiy war vor dem Krieg Schauspieler. Für ein Theaterstück über Militärangehörige hatte er die Aufgabe, ehemalige ATO-Kämpfer zu interviewen, um die Rolle eines Soldaten möglichst überzeugend zu verkörpern. Doch noch während der Vorbereitungsarbeiten für dieses Stück brach der Krieg mit Russland ausund aus der Bühnenrolle wurde bittere Realität: Serhiy wurde selbst zum Soldaten. 

Kriegsverletzungen: Körperliche und seelische Narben  

Mykola wurde als Drohnenführer ausgebildet und beschreibt, wie diese Waffen im Verlauf des Krieges eine immer größere Rolle einnahmen. Anders als man annehmen könnte, steuert man als Drohnenführer den Flugkörper nicht aus sicherer, entfernter Distanzauch hier erlebt man gefährliche Kampfsituationen hautnah. Eindrücklich sprach Mykola im Gespräch über den Zusammenhalt zwischen den Soldaten, über den Verlust von Kameraden und den eigenen Beinen, über die traurigen Schicksale, die sich ereigneten, und die Spuren, die all das hinterlässt.  

Die Verantwortung als Veteran 

Mykola wurde als Drohnenführer ausgebildet und beschreibt, wie diese Waffen im Verlauf des Krieges eine immer größere Rolle einnahmen. Anders als man annehmen könnte, steuert man als Drohnenführer den Flugkörper nicht aus sicherer, entfernter Distanz, auch hier erlebt man gefährliche Kampfsituationen hautnah. Eindrücklich sprach Mykola im Gespräch über den Zusammenhalt zwischen den Soldaten, über den Verlust von Kameraden und den eigenen Beinen, über die traurigen Schicksale, die sich ereigneten, und die Spuren, die all das hinterlässt.

Auch Serhiy hat Krieg und die Angst um seine Heimat erlebt. Als Veteran spricht er dennoch nicht über Vergeltung, sondern über Verantwortung: Wer das Leben liebt, nimmt es keinem anderen. Wer Demokratie und Freiheit liebt, greift nicht in die Freiheit anderer ein. Seine Botschaft: Wir müssen Verantwortung dafür übernehmen, Liebe, Menschlichkeit und Respekt zu vermitteln — und sie auch selbst zu leben.