Der Ostflügel des europäischen Hauses – das IDM und die Diplomatische Akademie Wien gedenken Erhard Buseks 85. Geburtstag

Am Vorabend seines 85. Geburtstags gedachten das Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) und die Diplomatische Akademie Wien (DA) gemeinsam Erhard Busek, dem ehemaligen Vizekanzler und langjährigen IDM-Vorstandsvorsitzenden, der sich stets unermüdlich für den mitteleuropäischen Gedanken eingesetzt hat. Unter dem Titel „Der Ostflügel des europäischen Hauses – die Donau als tragender Pfeiler der Zukunft“ leitete Botschafter Martin Eichtinger, Direktor der DA, das Gespräch mit Wegbegleiter*innen, Vorstandsmitgliedern sowie Vertreter*innen aus Diplomatie und Politik. Ziel war es, Buseks Lebenswerk zu würdigen und seine Ideen in die Gegenwart zu übertragen.  

Prägender Gestalter des IDM über mehr als 25 Jahre. 1995 übernahm Erhard Busek den Vorsitz eines damals vor großen Herausforderungen stehenden Instituts und entwickelte es zu einem renommierten Zentrum für Donauraum- und Mitteleuropaforschung. Mag. Friedrich Faulhammer, Rektor em. der Universität für Weiterbildung Krems und Vorsitzender des IDM-Vorstands, würdigte Buseks außergewöhnliche Energie und institutionelle Gestaltungskraft: Er habe den Blick des Instituts konsequent nach Osten geöffnet, den Fokus auf Südosteuropa und die Schwarzmeerregion erweitert und tragfähige Partnerschaften mit Politik und Wirtschaft aufgebaut. Mit Buseks Tod im März 2022 wurde vielen bewusst, wie eng die Entwicklung des IDM mit seinem Namen verbunden ist. Das Institut versteht dies als Auftrag, seine Arbeit in diesem Sinne fortzuführen – insbesondere mit Blick auf die EU-Integration des Westbalkans, der Ukraine und der Republik Moldau. 

Ein politischer Frühlingswind
. Die Journalistin und Autorin Dr. Hanna Molden, Witwe des Verlegers Fritz Molden und langjährige Weggefährtin Buseks im Europäischen Forum Alpbach, erinnerte in persönlichen Worten an ihre Begegnungen mit ihm. Den Wahlabend des 8. Oktober 1978 habe sie in ihr Tagebuch eingetragen: als jenes Ereignis, in dem Busek „wie ein Frühlingswind“ in ihr politisches Bewusstsein getreten sei. Sie verwies auf sein Buch Wien – ein bürgerliches Credo als präzises Porträt der Stadt und schilderte eine prägende Szene aus seiner Jugend beim Europäischen Forum Alpbach. Als Präsident des Forums ab 2000 trug Busek auch hier maßgeblich zur Öffnung nach Osten bei und band neue Generationen aus Mittel- und Osteuropa ein. 

Europäische Integration: Klare Perspektive und Reformbedarf. Botschafter Martin Eichtinger betonte in der Diskussion die anhaltende strategische Bedeutung des Donauraums für die europäische Integration und griff damit einen zentralen Gedanken Buseks auf. Dr. Johannes Hahn, ehemaliger EU-Kommissar für Regionalpolitik, Erweiterung und Nachbarschaftspolitik sowie für Haushalt und Verwaltung und seit Jänner 2026 Präsident des Generalrats der Oesterreichischen Nationalbank, unterstrich, dass die Länder des Westbalkans, die Ukraine und die Republik Moldau ihren Platz in der Europäischen Union haben. Gleichzeitig verwies er auf bestehende Hindernisse: eine zu geringe Präsenz europäischer Akteure in der Region, wirtschaftliche Disparitäten sowie Defizite im Bereich der Rechtsstaatlichkeit – sowohl in Kandidatenländern als auch innerhalb der EU. Zugleich brachte Hahn einen konkreten Reformvorschlag ein: Bei signifikanten Verstößen gegen rechtsstaatliche Prinzipien sollte die Europäische Kommission die Möglichkeit erhalten, beim Europäischen Gerichtshof einen temporären und partiellen Entzug von Stimmrechten zu beantragen. Bestehende Instrumente wie Artikel 7 greifen zu kurz, da sie stark vom politischen Willen der Mitgliedstaaten abhängen. Eine solche Reform könnte im Zuge zukünftiger Erweiterungsschritte verankert werden. 

Hybride Bedrohungen: Busek als früher Warner
. Botschafter Ferdinand Trauttmansdorff hob hervor, dass Busek bereits in den frühen 2010er Jahren die Gefahren hybrider Kriegsführung und strategischer Desinformation erkannt habe. Er habe früh auf die Risiken für demokratische Strukturen im Donauraum hingewiesen und damit Themen adressiert, die heute im Zentrum sicherheitspolitischer Debatten stehen. 

Österreich als Brückenbauer. In der Diskussion wurde zudem betont, dass Österreich aufgrund seiner historischen Verbindungen, seiner wirtschaftlichen Präsenz und seines politischen Know-hows eine besondere Rolle in der europäischen Erweiterungspolitik zukommt. Ziel müsse es sein, die Lücke zwischen Vorbeitrittsphase und Vollmitgliedschaft durch graduelle Integration möglichst gering zu halten. Österreich habe hier nicht nur eine Chance, sondern auch eine klare Verantwortung. 

Ein Vermächtnis mit Zukunft. Erhard Buseks Wirken prägt das IDM bis heute. Mit Formaten wie den Erhard Busek Ambassador Talks führt das Institut seinen Ansatz weiter und bringt Stimmen aus der Region aktiv in die europäische Debatte ein. Das IDM dankt der Diplomatischen Akademie Wien für die gemeinsame Ausrichtung sowie den rund 85 Gästen für das Interesse an diesem würdevollen Abend.