Fachkräfte von morgen

Derzeit entsteht eine neue österreichische Auslandsschule in Moldau. Praxis- und wirtschaftsnahe Ausbildung soll im Fokus stehen und jungen Menschen den Weg zum europäischen Bildungs- und Arbeitsmarkt öffnen, wie FRIDA SAGMEISTER in ihrem Beitrag berichtet.
Dieser Artikel wurde in Info Europa 2/2025: Zukunftsfit durch Bildung veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.
Etwa 250 Schüler*innen schließen jährlich eine der derzeit sieben Österreichischen Auslandsschulen (ÖAS) ab. Für viele Absolvent*innen ist dies ein Sprungbrett, um anschließend in Österreich zu studieren oder zu arbeiten. So verfolgt ein Geschwisterpaar aus Albanien nach dem Abschluss der HTL Shkodra mit der Spezialisierung Netzwerktechnik inzwischen eine Karriere in Wien. Dort studieren sie an der FH Technikum und arbeiten in der Software-Entwicklung.
Nun wird das Erfolgsmodell um einen Standort erweitert. In der Republik Moldau, EU-Beitrittskandidat seit Juni 2022, entsteht gerade die Österreichische Schule Moldau „Erhard Busek“ (rumänisch Școala Austriacă „Erhard Busek“ din Moldova (SAM)), benannt nach dem ehemaligen österreichischen Vizekanzler und Vorstandsvorsitzenden des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM). Als Höhere Technische Lehranstalt für Elektronik und Technische Informatik in der Hauptstadt Chişinău wird sie die moldauische Bildungslandschaft ergänzen und eine wichtige Brücke zu Österreich und der EU schlagen.
Ausbildung auf Deutsch
Der Schulneubau soll im Sommer 2026 fertig gestellt sein. Bis dahin wird in einem Ausweichquartier in unmittelbarer Nachbarschaft zum zukünftigen Schulgelände unterrichtet. Der Schulbetrieb startet planmäßig ab September 2025. Dann werden auch die Schulleitung sowie sogenannte Subventionslehrpersonen aus Österreich für die Fächer Deutsch, Englisch, Geschichte sowie den fachpraktischen und -theoretischen Unterricht in Hardwareentwicklung und Softwaretechnik vor Ort sein. Über 30 engagierte Schüler*innen bereiten sich schon seit September 2024 in Deutschkursen auf den Besuch der österreichischen Schule und den Unterricht in deutscher Sprache vor. Sie lernen von einem vom Bundesministerium für Bildung (BMB) entsandten österreichischen Deutschlehrer nicht nur Deutsch auf A2-Niveau, sondern auch viel Wissenswertes über Österreich.
Die österreichischen Lehrpersonen vor Ort werden von lokalen Lehrpersonen unterstützt, beispielsweise für den Unterricht in der Landessprache. Die Finanzierung dieser vor Ort rekrutierten Lehrkräfte sowie die Schulerhaltung erfolgt über das eingehobene Schulgeld. Zudem wird auch ein Stipendiensystem aufgebaut, um einer breiteren Bevölkerungsschicht den Schulbesuch zu ermöglichen. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf der Förderung von Mädchen im MINT-Bereich – also in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – liegen.
Die neue Auslandsschule bietet die Möglichkeit, die österreichische Reife- und Diplomprüfung (Europäischer Qualifikationsrahmen (EQR) – Niveau 5) abzulegen. Damit erhalten Absolvent*innen Zugang zum Hochschul- und Arbeitsmarkt in Österreich, der EU sowie in der Republik Moldau. Der Schultyp wird wirtschaftsnah geführt, die technischen Unterrichtsfächer haben einen hohen Praxisbezug und die vorgeschriebenen Ferialpraktika werden in enger Kooperation mit Wirtschaftsbetrieben in Moldau und Österreich durchgeführt. Darüber hinaus ist der Abschluss mit einer Berufs- und Gewerbeberechtigung in Österreich verbunden. Nach dreijähriger facheinschlägiger Berufspraxis ist der Erwerb des Ingenieurtitels möglich (EQR Niveau 6). Die Absolvent*innen können ingenieursmäßige Tätigkeiten auf dem Gebiet der Hardwaretechnik, Mess- und Regelungstechnik, Kommunikationssysteme und -netze, Computersysteme und Softwaretechnik ausführen. Damit haben sie exzellente Berufsaussichten, insbesondere angesichts des hohen Fachkräftebedarfs in diesem Bereich.
Beitrag zur EU-Integration Moldaus
Moldau ist ein Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA). Gemäß der OEZA-Strategie 2021-2027 für die Länder der Östlichen Partnerschaft liegt der Fokus der Bildungskooperation im Bereich der technischen Berufsausbildung. Jugendlichen und Erwachsenen (einschließlich benachteiligter Gruppen) soll ein besserer Zugang zu arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen ermöglicht und damit ihre Beschäftigungsfähigkeit erhöht werden. Während es im Bereich Informatik und Informationstechnologie in der Republik Moldau zahlreiche öffentliche und private Schulen und Exzellenzzentren mit qualitativ hochwertiger Ausbildung gibt, ist der Bereich Elektronik und Hardwareentwicklung aktuell wenig ausgebaut. Die neue österreichische Auslandsschule möchte diese Lücke füllen und so das moldauische Bildungssystem ergänzen. Durch gezieltes Capacity Building soll das Land auch auf die zukünftige Teilnahme am europäischen Bildungs- und Wirtschaftsraum vorbereitet und nachhaltige Entwicklung gefördert werden. Damit wird aktiv die EU-Beitrittsperspektive Moldaus unterstützt.
Die Österreichische Schule Moldau „Erhard Busek“ reiht sich in das derzeitige Netzwerk von sieben weiteren österreichischen Auslandsschulen ein: je eine in Albanien, der Tschechischen Republik, der Türkei, Guatemala und Mexiko sowie zwei in Ungarn. Österreich hat damit ein vergleichsweise kleines Auslandsschulwesen, aber mit langer Tradition: Die älteste Auslandsschule – das St. Georgs Kolleg in Istanbul – wurde bereits 1882 gegründet. Die Österreichischen Auslandsschulen gelten als Leuchtturmprojekte an den jeweiligen Standorten in Europa sowie Lateinamerika. Sie haben den Status einer Privatschule. Als Schulträger fungieren Stiftungen oder Vereine mit BMB-Vertretung nach dem jeweiligen Recht der Partnerländer – im Falle Moldaus die Österreichische Schulstiftung in der Republik Moldau unter Vorsitz von Friedrich Faulhammer, Rektor der Universität für Weiterbildung Krems und Vorsitzender des IDM. Das ganze Spektrum der österreichischen Schulformen wird abgedeckt – von der Volksschule über die Mittelschule bis zur allgemeinbildenden höheren Schule (AHS) und berufsbildenden höheren Schule (BHS) mit Reife- bzw. Reifediplomprüfung. Unterrichtet wird immer nach einem adaptierten österreichischen Lehrplan, der auch den nationalen Anforderungen vor Ort entspricht. Derzeit lernen rund 3.500 Schüler*innen an österreichischen Auslandsschulen, die meisten davon sind Kinder und Jugendliche aus dem Gastland selbst.
Internationalisierung der Schulnetzwerke
Die Absolvent*innen stellen eine wichtige Brücke zwischen Österreich und den Partnerländern dar. Seit dem Schuljahr 2023/24 wird auch ein Alumni-Netzwerk aufgebaut. Gleichzeitig bieten die Auslandsschulen auch einen großen Mehrwert für die österreichischen Lehrkräfte. Dienstrechtlich bleiben sie im österreichischen System verankert und können nach Beendigung des Auslandseinsatzes wieder in ihrer Region – oft auch an ihrer Stammschule – arbeiten. Durch das Unterrichten in einem interkulturellen Umfeld im Ausland erweitern Lehrpersonen ihre interkulturellen Kompetenzen und sammeln Erfahrungen im sprachsensiblen Fachunterricht. Die im Ausland erworbenen Kompetenzen stellen nach der Rückkehr damit auch eine Bereicherung für das österreichische Bildungssystem dar.
Frida Sagmeister ist im Bundesministerium für Bildung (Abteilung III/8 – Bilaterale internationale Angelegenheiten Bildung; Weltweit Unterrichten; Holocaust-Education) unter anderem für das Projekt Österreichische Auslandsschule Moldau zuständig.



