Sebastian Schäffer zur WM-Boykott-Debatte in Frankfurter Rundschau und tz München

Im Rahmen der aktuellen Debatte um einen möglichen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat Sebastian Schäffer, Direktor des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM), in der Frankfurter Rundschau und der tzzur politischen Verantwortung des Sports Stellung genommen. Anlass ist ein Vorstoß von Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli und DFB-Vizepräsident, der fordert, einen WM-Boykott zumindest ernsthaft zu diskutieren, wenn sportliche Großereignisse zur Bühne politischer Selbstinszenierung werden. 

Schäffer betont, dass es dabei nicht um moralische Symbolpolitik gehe, sondern um politische Glaubwürdigkeit. Sport sei längst Teil globaler Macht- und Aufmerksamkeitsökonomien und könne nicht losgelöst von politischen Kontexten betrachtet werden. Ein Boykott würde weder politische Akteure verändern noch institutionelle Probleme des Weltfußballs lösen, könne aber sichtbar machen, wo demokratische Gesellschaften Grenzen ziehen. 

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine verweist Schäffer auf europäische Lernerfahrungen im Umgang mit autoritären Akteuren. Die jahrelange Strategie der Anpassung und Einbindung gegenüber Russland habe gezeigt, wie problematisch es sei, klare Haltung zugunsten vermeintlicher Stabilität aufzuschieben. Diese Erfahrung müsse auch in Debatten über Sport, internationale Großereignisse und politische Inszenierung einbezogen werden. 

Kritisch äußert sich Schäffer zudem zum Verhalten der FIFA-Führung, insbesondere zur symbolischen Auszeichnung von Donald Trump durch FIFA-Präsident Gianni Infantino. Solche Gesten stünden exemplarisch für eine Logik gegenseitiger Aufwertung, in der Nähe zu Macht und Aufmerksamkeit wichtiger werde als Fragen von Integrität und Verantwortung. 

Die Debatte um einen möglichen WM-Boykott sei daher kein Randthema, sondern Teil einer größeren Diskussion über politische Haltung jenseits klassischer Außenpolitik – im Sport ebenso wie in Wirtschaft und Kultur. 

👉 Frankfurter Rundschau
https://www.fr.de/sport/fussball/wm-boykott-als-politische-grenzmarkierung-think-tank-direktor-unterstuetzt-goettlich-vorstoss-zr-94142180.html  

👉 tz München
https://www.tz.de/sport/fussball/wm-boykott-als-politische-grenzmarkierung-think-tank-direktor-unterstuetzt-goettlich-vorstoss-zr-94142180.html