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Aus Nachbarn werden Freunde. Jugendkontakte in Mittel- und Osteuropa nach 1989

8142009 jährt sich der Fall des „Eisernen Vorhangs“ zum zwanzigsten Mal – Grund genug, um die Entwicklungen dieser letzten zwanzig Jahre nochmals Revue passieren zu lassen und die (teilweise rasanten) Entwicklungen entsprechend zu würdigen.

Das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMeiA) setzt sich im Rahmen der Initiative „Europa 1989/2009 – Geteilt/Geeint“ gleich in mehreren Projekten mit diesem „Aufbruch in ein neues Europa“ auseinander und versucht dabei Österreichs Rolle im Bezug auf die Nachbarstaaten unter verschiedenen Aspekten zu beleuchten.

Ein ganz wesentlicher Aspekt sind da unter anderem die Jugendkontakte in Mitteleuropa. Gerade hier hat es in den letzten zwanzig Jahren – sei es im schulischen, im außerschulischen oder im universitären Bereich – eine Vielzahl an positiven Entwicklungen in den Beziehungen zwischen Österreich und seinen Nachbarstaaten gegeben. Diese Entwicklungen, die oft noch andauern, sollen nun untersucht und in einer Wanderausstellung dargestellt und gewürdigt werden, um die breite Öffentlichkeit – und hier vor allem die Jugendlichen, vielfach erst nach 1989 Geborenen – in dieser Sache zu sensibilisieren und ein erhöhtes Bewusstsein für die lebendige Wirkung von Geschichte und die Bedeutung von nachbarschaftlicher Zusammenarbeit beim Aufbau eines neuen Europa zu schaffen.

Seit einigen Monaten arbeitet das Interkulturelle Zentrum (IZ) in Kooperation mit dem Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM)nun im Auftrag des BMeiA an diesem Ausstellungsprojekt, das Jugendaustauschinitiativen im schulischen und außerschulischen sowie im universitären Bereich zwischen Österreich und den Ländern der Regionalen Partnerschaft - Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien und Ungarn - zwischen 1989 und 2009 exemplarisch aufzeigen soll. Die Ausstellung richtet sich speziell an junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren und soll durchPersonalisierung der Zeitgeschichte (in ZeitzeugInnengesprächen) den Jugendlichen die Bedeutung dieser nachbarschaftlichen Initiativen deutlich machen, die sich zufolge einer Studie der GfK Austria („Jugend in Europa 08“) kaum mehr persönlich von den Ereignissen des Jahres 1989 betroffen fühlen.

Das IDM widmet sich innerhalb diese Ausstellungsprojektes – und auch im Rahmen einer Studie – dem universitären Bereich und versucht die vielfältigen Initiativen sichtbar und begreifbar zu machen. Nur stichwortartig seien die Aktionen (Österreich-Ungarn, Österreich-Tschechische Republik, Österreich-Slowakei), das CEEPUS Programm, Stipendien-Initiativen, Summer Schools oder ein gemeinsamer Hörsaal Maribor/Graz als weitere Projekte dieser Art erwähnt werden, deren Organisatoren, Mitgestalter und Studierende auch zu Wort kommen sollen.

Die Wanderausstellung soll am 28. April 2009 um 10:30 im Volkskundemuseum eröffnet werden und von dort aus durch die Kulturforen der Nachbarländer, Schulen und Universitäten touren.

Vermittlungsprogramm des Volkskundemuseums für Oberstufenschüler (pdf)

Statements aus dem Universitätsbereich:

Oľga ?ubeníková, heute Geschäftsführerin der Slovak Academic Information Agency (SAIA) erinnert sie sich an die Aufbruchsstimmung und die gute Zusammenarbeit:

„... damals dachten wir, wir könnten in ein paar Tagen alles ändern. [...] Die ersten zwei Jahre, die sind herrlich gewesen - man machte so viele Änderungen und so viele neue Dinge anfangs.“

Dana Pfeiferová, damals Franz-Werfel-Stipendiatin und Leiterin des ersten tschechischen Sommerkollegs:

„Dadurch, dass ich am Stacheldraht aufgewachsen bin, war mir diese Trennung sehr präsent. Der Stacheldraht befand sich 13 Kilometer südlich von meiner Geburtsstadt, wo ich am Gymnasium war und so... […] ... ich habe Deutsch relativ gut gekonnt bereits am Gymnasium und die Motivation war auch groß, weil wir das österreichische Fernsehen verstehen wollten und vor allem die Reportagen von Barbara Coudenhove-Kalergi.- also sie hat besser informiert als z.B. die Stimme Amerikas, weil das war irgendwie objektiver haben wir gefunden... […] Das heißt, das Interesse war natürlich da durch die Lage, in der ich geboren wurde, durch meine Deutschkenntnisse, durch Barbara Coudenhove-Kalergi – und ich habe das nach wie vor verfolgt als Studentin, da ich im Streik-Kommittee war in Budweis – und als 1989 die Grenze gerade kurz offen war, habe ich dann eine Rede in Linz an der Uni gehalten, das war im Audi Max vor hunderten Leuten, die wissen wollten, was in Tschechien los ist.“

Christoph Thanei, heute Korrespondent „Die Presse“, damals Universitätslektor in der Slowakei:

„Mich hat interessiert einfach, was sich in so einem Land abspielt, das gerade noch kommunistisch war und jetzt... Also von der Slowakei hatte ich nicht so eine konkrete Vorstellung – ich hatte eher eine konkrete Vorstellung von Prag, weil ich da vorher schon war und ich hab gewusst, dass die Slowakei anders sein wird – und sie war auch sehr anders – aber wie anders, das konnte ich mir nicht so vorstellen. […] Ich war auch neugierig, wie die Einstellung zum Kommunismus sein wird, aber eher so, dass ich nicht wirklich eine konkrete Vorstellung hatte, wie das wohl sein wird, sondern eher neugierig darauf war […]. Und es war für mich auffallend, dass da doch so eine ziemlich sichtbare Spaltung war – also dass so an der Uni die Studenten und auch die Lehrenden großteils relativ klar antikommunistisch waren und so eine gewisse Euphorie hatten, während so in der breiteren Bevölkerung eher so eine Nostalgie da war, soweit ich die Leute damals verstanden habe – damals konnte ich noch kaum Slowakisch. Und auch an der Universität gab es viele ältere Lehrende, die sehr nostalgisch zurückgeblickt haben. Und da gab es schon sozusagen einen Spalt zwischen diesen zwei Gruppen – an der Universität auch.“

Laufzeit: Oktober 2008 - Mai 2009

Information on the Project in English - Neighbours Becoming Friends (pdf)