Sebastian Schäffer zu AfD-Jugendorganisation: „Frühindikator dafür, wie weit Teile der Partei zu gehen bereit sind“

In einem Interview mit der portugiesischen Wochenzeitung Expresso analysiert Sebastian Schäffer, Direktor des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM), den Skandal um die neu gegründete AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“. Schäffer warnt vor einer radikaleren ideologischen Linie als die Parteiführung zugibt und fordert eine Kombination aus rechtlicher Aufsicht und Präventionsarbeit. 

Die neu gegründete Jugendorganisation der rechtsextremen Alternative für Deutschland (AfD) sorgte bereits wenige Wochen nach ihrer Gründung für einen Skandal. Bei der Gründungskonferenz der „Generation Deutschland“ (GD) Ende November in Gießen hielt der Redner Alexander Eichwald eine Rede, die in Diktion, Gestik und Wortwahl an die Nazi-Zeit erinnerte. Der Vorfall löste landesweit Empörung aus und wirft ein Schlaglicht auf die Radikalisierung der AfD-Jugend. 

Rede mit Hitler-Anleihen schockiert Öffentlichkeit 

Eichwald sprach die Teilnehmer als „geehrte Kameraden“ an, rollte die R’s theatralisch und verwendete eine Rhetorik, die stark an Adolf Hitler und Propagandaminister Joseph Goebbels erinnerte. „Es ist unsere Pflicht, die deutsche Kultur vor fremden Einflüssen zu schützen“, rief er unter anderem ins Mikrophon. Die Rede war für viele Beobachter so eindeutig in ihrer Anlehnung an die NS-Zeit, dass selbst AfD-Co-Chef Tino Chrupalla ankündigte, Eichwald aus der Partei auszuschließen. 

Die Veranstaltung selbst war von massiven Protesten begleitet worden. Tausende Demonstranten blockierten Straßen in und um Gießen, um die Anreise der Teilnehmer zu verzögern. Der Kongress begann mit über zwei Stunden Verspätung. 

Radikalere Linie als die Parteiführung zugibt 

„Die Jugendorganisation der AfD fördert eine radikalere ideologische Linie, als die Parteiführung zugibt“, erklärt Schäffer gegenüber Expresso. „Wenn solche Narrative unverblümt auf der Bühne auftauchen, muss man das als Frühindikator dafür sehen, wie weit bestimmte Teile der Partei zu gehen bereit sind.“ 

Die „Generation Deutschland“ wurde als Nachfolgeorganisation der kürzlich aufgelösten „Jungen Alternative“ gegründet, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft worden war. Die neue Jugendorganisation orientiert sich stark an der Identitären Bewegung und vertritt einen ethnischen Nationalismus, der auf „Remigration“ und einer ausschließenden Definition deutscher Identität basiert. 

Zum Vorsitzenden wurde der 28-jährige Jean-Pascal Hohm gewählt, Landtagsabgeordneter in Brandenburg, der sich offen zur Identitären Bewegung bekannt hat. Er erhielt 633 von 725 Delegiertenstimmen. 

Wachsende Anziehungskraft auf junge Wähler 

Besonders alarmierend ist die zunehmende Beliebtheit der AfD bei jungen Wählern. Bei den Bundestagswahlen 2025 war die Partei besonders erfolgreich bei Erstwählern. „Diese Entwicklung ist besonders besorgniserregend, weil junge Wähler in Deutschland zunehmend von extremistischen Parteien angezogen werden, was eine ernsthafte Herausforderung für die demokratischen und zentristischen Kräfte darstellt“, warnt Schäffer. 

Die AfD nutzt soziale Medien deutlich effektiver als andere deutsche Parteien und könnte bei den anstehenden Landtagswahlen 2026 in ein bis zwei Bundesländern die Regierung führen. 

Zwischen Verfassungsschutz und Präventionsarbeit 

„Die Behörden sollten strenge, rechtlich fundierte Aufsicht mit Präventivmaßnahmen kombinieren“, fordert der IDM-Direktor. „Wo extremistische Tendenzen dokumentiert sind, muss die Überwachung transparent fortgesetzt werden, aber ebenso wichtig sind Deradikalisierungsprogramme und robustere Präventionsarbeit in Schulen und Gemeinden.“ 

Schäffer sieht die Einstufung der Jungen Alternative als Beleg dafür, dass die rechtlichen Instrumente greifen: „Die Einstufung der Jungen Alternative als extremistisch zeigt, dass der Rechtsrahmen funktioniert: Worauf es ankommt, ist die konsequente Anwendung der Gesetze und eine klare öffentliche Kommunikation.“ 

Es wird erwartet, dass auch die „Generation Deutschland“ unter die Beobachtung des Verfassungsschutzes gestellt wird. Allerdings bleibt ein Verbot schwierig, da als Parteijugend besondere verfassungsrechtliche Privilegien gelten und ein Verbot nur durch das Bundesverfassungsgericht erfolgen könnte. 

Der vollständige Artikel ist hier abrufbar: https://expresso.pt/internacional/alemanha/2025-12-16-discurso-a-hitler-abala-nova-juventude-da-extrema-direita-alema-922b94c3