Die Donauflüsterer

Die Donau ist gleichzeitig bedeutender Wirtschafts- und Lebensraum. Doch wie gelingt es, ökonomische und ökologische Interessen entlang des internationalen Flusses zu vereinen? CHRISTOPH CASPAR erklärt in seinem Beitrag, wie viadonau an Konfliktlösungen durch Innovation arbeitet.

Der Text wurde in der Ausgabe 2/2023 von Info Europa veröffentlicht. Die vollständige Ausgabe ist hier zu lesen.

Mal in engen Mäandern, mal in breitem Verlauf durchzieht die Donau Österreich auf einer Strecke von 378km und prägt dabei eine jahrtausendealte Kulturlandschaft. Ihre Anrainer*innen schätzen seit jeher den sanften Fluss und fürchten zugleich seine wilde Seite. Immer schon wollten sie die Donau gezielt nutzen. Das hinterließ Spuren. Doch die Donau blieb etwas Lebendiges mit Eigenarten und Launen, eine Naturgewalt. Sie sicher zu nutzen, verlangt kontinuierliche Kontrolle und Erforschung. Dafür braucht es Erfahrung sowie den Zugang und das Wissen von Expert*innen, die den Flussraum schützen, untersuchen und mit ökologischem Feingefühl gestalten.

Der sprechende Fluss

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an die Donau denken? Ein herrlicher Fluss mit weitläufigen Uferlandschaften, endlose Rad- und Treppelwege, Schutzdämme und vielleicht auch der eine oder andere Donaudampfer? Der österreichische Donauraum ist gut entwickelt, gepflegt und sicher. Doch was – oder besser gefragt – wer steckt dahinter? Die Spezialist*innen von viadonau pflegen 800km Ufer und kümmern sich um die Erhaltung von 500km Treppelwegen und 250km Radwegen. Sie sorgen für die effiziente Gestaltung des Stroms, halten den Wasserstraßenverkehr an neun Donauschleusen im Fluss und regen internationale Entwicklungsprojekte und Kooperationen an. Denn die Donau ist der internationalste Fluss der Welt – kein anderer durchfließt mehr Staaten als die zehn Donauländer. Deswegen pflegt viadonau enge Kontakte zu Wasserstraßenverwaltungen, Entscheidungsträger*innen und Interessensvertretungen in den Donauanrainerstaaten. Bei alldem horchen sie in die Donau hinein. Denn die Donau zu nutzen, heißt sie zu kennen und ihre Botschaften zu verstehen.

Das Expert*innenteam für Hydrologie und Hydrographie weiß: Die Donau kann durchaus gesprächig sein. Trifft man den richtigen Ton, offenbart sie ihre tiefsten Geheimnisse. Mit modernem Echolot tasten die Vermessungsexpert*innen regelmäßig die Flusssohle ab, um festzustellen, wie sich das Flussbett verändert. Denn wie die Dünenlandschaft einer Wüste befindet sich die Oberfläche der Sohle in ständiger Bewegung. Diese Geschiebedynamik kann gefährliche Untiefen und Anlandungen erzeugen, während eines Hochwasserereignisses kann sich dieser Prozess noch verstärken. Deshalb sind aktuelle Daten über den derzeitigen Zustand des Flussbetts essentiell für die Sicherheit der Binnenschifffahrt. Die regelmäßige Überprüfung der Pegelstände, Durchflussmengen und der Oberflächenstruktur des Flussbetts ermöglicht ein präzises Gesamtbild der Donau. Kartographisch aufbereitet fließen die aus den Sohlgrundaufnahmen gewonnenen Daten in die Donau River Information Services (DoRIS) ein, die den Schiffskapitän*innen eine sichere Routenplanung ermöglichen. Darüber hinaus unterstützen die Vermessungsexpert*innen die Spezialist*innen für Hochwasserschutz bei der Identifizierung besonders hochwassergefährdeter Uferregionen und zeigen Schwachstellen im Schutzsystem auf. Somit können Trends im Fließverhalten, aber auch potentielle Extremereignisse entlang des Stroms erfasst werden.

Renaturierung, die allen etwas bringt

Flusslandschaften sind empfindliche Lebensräume. Sie sind nie nur das fließende Wasser allein, sondern stets auch das komplexe Ökosystem, das sie umgibt. Wie aber Schifffahrtsinteressen, Hochwasser- und Umweltschutz praktisch und auf Dauer verknüpfen? An vielen Stellen hat der Einfluss des Menschen durch dichte Verbauung und Begradigung die natürliche Entfaltung der Uferräume verhindert. viadonau arbeitet daher an der Renaturierung der Ufer, was sowohl der Binnenschifffahrt als auch dem Hochwasserverhalten der Donau zugutekommt. Durch Uferrückbauprojekte, wie in Bad Deutsch-Altenburg, geben die viadonau-Expert*innen der Donau ein Stück ihrer Wildnis und zugleich wichtige Kompensationsräume für ausufernde Wassermassen zurück. Die Maßnahmen beinhalten den Wiederanschluss von Nebenarmen, die Wiederbelebung ufernaher Feuchtgebiete und die Verbesserung der Flusssohle.

Denn Natur ist Leben und lockt es an. Die Erhaltung und Wiederherstellung ufernaher Naturräume an der Donau sorgt für die Rückkehr lang entschwundener Tierarten. Nach zwei Jahrhunderten zieht seit wenigen Jahren erstmals der Östliche Kaiseradler wieder seine Kreise über den österreichisch-slowakischen Donau-Auen. Was dem edlen Tier gefällt, weiß auch der Mensch zu schätzen. Hunderttausende suchen jährlich Erholung in den weitläufigen Naturgebieten.

Gestaltenwandler Donau

Für die vielfältigen Nutzungsanreize sorgt die Donau ganz von selbst. Die Qualitäten des Stroms bilden das Zentrum kreativer und innovativer Entwicklungsansätze bei viadonau. Es gilt Interessen zu verknüpfen und Potentiale gemeinsam auszuschöpfen. Was schafft die Donau? Und was wäre noch möglich? Die Spezialist*innen für Verkehrsund Transportmanagement ergründen kontinuierlich neue Möglichkeiten, die Bedingungen für wassergestützten Transport weiter zu verbessern, bringen Wirtschaft und internationale Interessengruppen zusammen und koordinieren gemeinsame Förderungs- und Entwicklungsprogramme. Mit bedarfsorientierten Schwerpunktinitiativen wird die Donau als leistungsstarke und manchmal einzige Lösung für komplexe Transportaufgaben herausgestellt. Ob nun groß, schwer oder viel. Transporteur*innen entdecken immer häufiger die Vorteile der Binnenschifffahrt. Permanente Weiterentwicklung der Gewässerinformationssyteme, innovative internationale Projektarbeit und kontinuierliche Erforschung ermöglichen Hafenbetreibern, Schiffskapitän*innen und Flottenbetreibern eine Wasserstraße von hoher Nutzungsqualität und Sicherheit. Das erfordert täglich aufs Neue Leidenschaft, Engagement und Neugier. Denn wenn die Profis von viadonau am nächsten Morgen wieder ans Werk gehen, dann mit der Gewissheit, dass die Donau sich verändert hat und auch am Tag darauf wieder eine Andere sein wird. Panta rhei sagt der Philosoph. Alles fließt, bewegt und wandelt sich zu immer Neuem. So auch die Donau, der Mensch und die Natur.

 

 

Christoph Caspar leitet die Öffentlichkeitsarbeit sowie das Wissens- und Organisationsmanagement bei viadonau. Er selbst beschreibt sich als leidenschaftlichen »Nutzer« des Lebensraums Wasser und FreizeitKapitän für seinen zweijährigen Sohn.