Gemeinsame Geschichte? Österreichische und serbische Mythen von 1914 bis 2014

IDM-Projekt, gefördert durch den Zukunftsfonds der Republik Österreich

Projektziel:

Im inzwischen abgeschlossenen IDM-Forschungsprojekt werden all jene handlungsleitenden Mythen erfasst und analysiert, die über hundert Jahre das Verhältnis zwischen Wien und Belgrad bestimmt haben. Einander gegenübergestellt sind hier insbesondere der Habsburgermythos und der Kosovomythos, die beide je nach politischem Interesse instrumentalisiert wurden. Der Untersuchungszeitraum beginnt mit der Ermordung des austrophilen Königs Aleksandar Obrenović 1903, die ein zusehends konfrontatives Verhältnis beider Länder einleitete, und endet mit dem gegenwärtigen EU-Integrationsprozess Serbiens, für den sich Österreich explizit einsetzt. So wechseln sich zwischen 1903 und 2014 die Phasen von Kooperation und Konfrontation gegenseitig ab, was durch die hierfür instrumentalisierten Mythen verstärkt wird.

Das Verhältnis zwischen Österreich und Serbien ist nicht friktionsfrei. Darauf verweisen diverse Diskurse, die anlässlich des möglichen EU-Beitritts Serbiens hierzulande zu vernehmen sind. Viele dieser Diskurse fußen auf unbewiesenen Vorurteilen und Mythen, deren Ursprünge weit in die Vergangenheit zurückreichen. Auch in Serbien kursieren viele historische Mythen über Österreich, die der sozialen Wirklichkeit nicht entsprechen, jedoch gegenwärtige Wahrnehmungen beeinflussen. Im inzwischen abgeschlossenen Projekt geht es um eine aufklärerisch motivierte Aufarbeitung dieser von Propagandamythen verklärten hundert Jahre zwischen 1914 und 2014. Das biperspektivische Forschungsdesign sollte Erkenntnisse liefern, die ein differenziertes Geschichtsbild zu zeichnen erlauben und darüber hinaus auch eine zutiefst bedeutsame Funktion im Hinblick auf die europäische Integration, also auf die Einbindung der Balkanstaaten bzw. des „West-Balkans“ in die Europäische Union in der Zeit nach 2014 erfüllen. Das Projekt soll damit einen grundlegenden Beitrag zum gegenseitigen und ‚nachbarschaftlichen’ Verständnis im gegenwärtigen europäischen Integrationsprozess leisten. Ein differenziertes Geschichtsbild und gegenseitiges Verständnis sind nicht zuletzt im Kontext verstärkter politischer, wirtschaftlicher sowie kultureller Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen EU-Mitgliedsländern und EU-Kandidatenländern wesentlich.

Mit dem Sarajevo-Attentat 1914 und der darauffolgenden Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien entwickeln sich der Habsburgermythos und Kosovomythos zu Hauptideologemen beider Staaten. Der Habsburgermythos soll mitsamt seinen Umdeutungen, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs seine politische Strahlkraft erhalten und im neutralen Österreich nur mehr im Kulturbereich fortwirken. Dagegen soll der mythologisierte gemeinsame Kampf gegen eine feindliche Fremdherrschaft (unausgesprochenes Merkmal des Kosovomythos) die Grundlage von Titos Partisanenbewegung und sozialistischem Jugoslawien bilden.

Angetrieben vom Wunsch nach Prosperität und Wohlstand und im Korsett des Kalten Krieges schwenken das neutrale Österreich und blockfreie Jugoslawien auf den Kurs der freundschaftlichen Nachbarschaft um. Diese Nachbarschaftspolitik, die österreichische Touristen an die jugoslawische Adria und jugoslawische Arbeitsmigranten („Gastarbeiter“) nach Österreich bringt, endet mit dem jugoslawischen Zerfallsprozess. Darin ist auch Österreich mit seiner Favorisierung und darauffolgenden Anerkennung von Slowenien und Kroatien (offiziell gemeinsam mit der EG 1992) verwickelt. Während der Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren zählen Österreich wie der Westen bzw. die so genannte internationale Gemeinschaft zu den erklärten Feinden des serbischen (jugoslawischen) Milošević-Regimes, das sich den Kosovomythos längst zunutze gemacht hat. Umgekehrt schließt sich Österreich in seiner ablehnenden Haltung gegenüber Serbien den tonangebenden internationalen Mächten an.

Das konfrontative Verhältnis zwischen dem offiziellen Wien und Belgrad endet schließlich mit dem Sturz des Milošević-Regimes 2000 und der damit verbundenen Absage an den herkömmlichen Kosovomythos auf serbischer Seite. Im Kontext des nach wie vor laufenden EU-Integrationsprozesses Serbiens gestaltet sich dieses bilaterale Verhältnis betont freundschaftlich, verbunden mit wirtschaftlichen Kooperationen. Die geplante Buchpublikation soll anhand dieser Untersuchung zweier gesamtgesellschaftlich zutiefst verwobener Staaten einen Beitrag zum Verständnis europäischer Geschichte und aktueller politischer Prozesse leisten.

Projektpräsentationen:

Präsentiert wurden die Projektergebnisse bei den folgenden Veranstaltungen:

Im Rahmen des 9. Werkstattgesprächs des Zukunftsfonds der Republik Österreich am 15. Oktober 2013 an der Diplomatischen Akademie,

im Zuge des IDM-Lehrer/innen-Fortbildungsseminars zu „100 Jahre Erster Weltkrieg – von der ‚Urkatastrophe’ zum Friedensprojekt Europa“ am 27. Februar 2014 am Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien,

im Rahmen der 11th DRC Summer School zu „1914-2014: 100 Years after the World War I – Chances and Challenges for the Danube Region“ am 10. Juli 2014 an der Universität Novi Sad,

im Zuge der Konferenz zu „Kriegserinnerungen zwischen Vergangenheitsbewältigung und Zukunftsgestaltung“ am 10. September 2014 an der Andrássy Universiät Budapest

und im Rahmen der IDM-Konferenz „Der Große Krieg und seine Mythen im Donauraum von 1914 bis 2014“ am 22. September 2014 im Presseclub Concordia.

Der Konferenzband als Ausgabe der wissenschaftlichen Quartalszeitschrift des IDM befindet sich derzeit in Produktion.

  • ProjektzeitraumSeptember 2012 – August 2014
  • ProjektleitungDr. Erhard Busek
  • Projektkoordination: Mag. Dr. Wolfgang Pensold
  • Projektmitarbeiterinnen: Mag. Dr. Silvia Nadjivan | MMag. Eva Tamara Asboth (ehemals Titz)
  • Projektmonitoring: Prof. Dr. Milan Ristović | Mag. Dr. Irena Ristić

70 Jahre IDM – ein Weg von Südtirol bis Moldau

Projektziel:

Projektziel ist die Erstellung einer möglichst umfassenden Darstellung der Geschichte des IDM. Dabei wird die Metamorphose, die das Institut durchlaufen hat, untersucht. Gegründet wurde es 1953 in Salzburg außerhalb der sowjetischen Besatzungszone, von Persönlichkeiten, deren Bild des europäischen Kontinents aus Zeiten vor und nach dem Ersten Weltkrieg geprägt war. Die Entwicklung des Instituts wird – vor allem – auf der Basis der institutseigenen, mit einer kurzen Unterbrechung, erschienen Zeitschrift untersucht. Schwerpunkte sind das weltgeschichtliche Geschehen vom Kalten Krieg, über die Wende in den ostmitteleuropäischen Staaten 1989 und die EU-Erweiterungen 1995 und 2004, die sich in den Aktivitäten des Instituts widerspiegeln. Diese Untersuchungen werden durch Zeitzeugengesprächen als zweitem wesentlichen Quellenfundus ergänzt. Damit wird insbesondere die Zeit ab 1995, dem Beginn der EU-Mitgliedschaft Österreichs, aber auch des Vorsitzes Erhard Buseks mit seinen weitreichenden Kontakten, umfassend erforscht.

Mag. Paul Mychalewicz
(unter Mitarbeit von Mag. Niklas Perzi)

70 Jahre IDM – ein Weg von Südtirol bis Moldau

Das heutige Institut für den Donauraum und Mitteleuropa wurde am 5. Dezember 1953 in Salzburg gegründet. Ins Leben gerufen wurde das Institut von drei Persönlichkeiten: Theodor (von) Hornbostel, Carl (von) Karwinsky, ehemaliger Staatssekretär für das Sicherheitswesen, sowie Dr. Rudolf Lodgman von Auen, als Repräsentant der Sudetendeutschen in der Bundesrepublik Deutschland, zuvor Mitglied des österreichischen Reichsrats, 1918/19 Landeshauptmann von „Deutschböhmen“, danach als deutschnationaler Politiker in der Tschechoslowakei tätig. In diesem Zusammenhang erscheinen zwei Umstände bemerkenswert: Einerseits der Gründungsort, andererseits die Mitwirkung eines Vertreters der (vertriebenen) Sudentendeutschen. Der Gründungsort Salzburg erklärt sich aus der Tatsache, dass 1953 Österreich noch vierfach besetzt war und man bewusst einen Ort in der sowjetischen Besatzungszone vermeiden wollte. Salzburg, in der amerikanischen Zone gelegen, erschien dagegen sicher. Die Teilnahme eines Vertreters der Sudetendeutschen weist auf einen wesentlichen Tätigkeitsbereich des Instituts hin, nämlich die „deutschen Sprachinseln auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs“. Allerdings hielt der Vorstand des Instituts bereits im März 1955, also noch vor dem Staatsvertrag, fest, „dass die Versöhnung der Nationalitäten eine der Hauptaufgaben des Instituts sein solle“. 1957, somit nach dem Ende der Besatzungszeit, übersiedelte das Institut nach Wien. Geleitet wurde die Organisation von 1953 bis 1971 von Theodor Hornbostel (1889 bis 1973), wobei Peter Berger als Generalsekretär die laufenden Geschäfte führte.6 Hornbostel war in der Zwischenkriegszeit als Diplomat tätig. Dabei waren der Donauraum, Mitteleuropa sowie darüber hinaus Europa seine besonderen Interessensgebiete. Von Anfang an unterstützte er die Paneuropa-Union Richard Coudenhove-Kalergis und wurde auch Vorstandsmitglied dieser 1922/23 in Wien gegründeten Organisation.

 

 

  • ProjektzeitraumMai 2021 – Oktober 2022
  • ProjektleitungMag. Paul Mychalewicz

 

Botschaftervortrag: „Zwischen Frieden und Krieg“ Rumänien und Österreich um 1900

 

Zwischen Frieden und Krieg”. Rumänien und Österreich um 1900.Szenen einer wohlwollenden Gleichgültigkeit.

Vortrag des Botschafters von Rumänien S.E. Botschafter Emil Hurezeanu am 13.01.2022

In Kooperation mit der Diplomatischen Akademie und der Botschaft Rumäniens in Wien.

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Begrüßung

Gesandte Dr. Susanne KEPPLER-SCHLESINGER Stellvertretende Direktorin der Diplomatischen Akademie Wien

Vizekanzler a.D. Dr. Erhard BUSEK Vorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa

Mihai Răzvan UNGUREANU Ehemaliger Ministerpräsident von Rumänien Projektmitarbeiter am Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM)

 

Moderation

Erhard BUSEK Vorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa

Studie 1/2007 – Balkankompetenz in Österreich – Aktivitäten österreichischer Institutionen in Südosteuropa