“Let´s talk about… (il)liberal democracy”: Workshop in Bratislava with Malwina Talik and Péter Techet

The Konrad Adenauer Foundation in Vienna, together with youth organisations from EPP member parties in Austria, the Czech Republic, Germany, and Slovakia, organised a two-day workshop in Bratislava on “European Sovereignty in a Multipolar World”.

On 31 January 2026, Malwina Talik and Péter Techet led an interactive session on the consequences of illiberalism, both in theory and in practice. They also presented their study—funded by the Felczak Institute—on democratic backsliding and the possibilities of undoing illiberal damage in Poland, Slovakia, and Hungary. (You can read the study here.)

The primary focus of the session, however, was on fostering an interactive discussion of possible forms and practices of illiberal politics. Talik and Techet presented various scenarios for liberal and illiberal democracies, which participants then analysed and discussed in smaller groups. The aim was to help attendees recognise illiberal threats even within liberal politics, as well as the key characteristics of a potential illiberal shift.

Péter Techet für Kurier über die Enteignungen aufgrund der Beneš-Dekrete in der Slowakei

Die österreichische Tageszeitung Kurier widmete den fortdauernden Enteignungen ungarischer Grundstückseigentümer*innen in der Slowakei eine ausführliche Analyse, in der auch Péter Techet zu Wort kommt.

Techet betonte, dass die derzeitige Lage in der Slowakei – also die Anwendung der Beneš-Dekrete sowie das Verbot jeglicher Kritik daran – gegen das Diskriminierungsverbot sowie gegen die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit verstoße und daher auch auf europäischer Ebene rechtliche Reaktionen auslösen sollte.

Der Artikel kann hier gelesen werden.

Podiumsdiskussion an der Universität Wien über die ungarischen Parlamentswahlen mit Péter Techet

Das IDM veranstaltete am 19. Jänner gemeinsam mit der Universität Wien eine Podiumsdiskussion über die kommenden ungarischen Parlamentswahlen. Dorothee Bohle, Krisztina Rozgonyi und Péter Techet beleuchteten die Konsequenzen der illiberalen Demokratie in Ungarn, die seit 2010 besteht und tief in Gesellschaft und Wirtschaft verankert ist. Die Diskussion fand an der Universität Wien statt und wurde von Tobias Spöri moderiert.

Techet: Illiberalismus auf legalistischer Grundlage

Techet sprach über die juristischen Aspekte des Regimes und betonte die legale Grundlage sowie die legalistische Rechtsauffassung des Orbán-Systems. Einerseits sei die liberale Demokratie nach 2010 mit ausschließlich legalen Mitteln abgebaut worden: Die Fidesz-Regierung verfügte über die notwendige Zweidrittelmehrheit im Parlament, mit der sie eine neue Verfassung sowie zentrale Gesetze etwa zur Justiz und zu den Medien verabschieden konnte. Für eine neue Regierung sei es daher äußerst schwierig, diese Entwicklung rückgängig zu machen, da sie entweder selbst eine Zweidrittelmehrheit erringen müsste oder den Abbau des Systems nur mit – aus rein formalistischer Perspektive – illegalen Mitteln erreichen könne.

Andererseits verstehe Fidesz das Recht, so Techet, nicht als Wertesystem zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, sondern als rein technisches Instrument zur Durchsetzung individueller Interessen. Techet bezeichnete diese Denkweise als „legalistischen Autoritarismus“. Die Fidesz sei eine „Partei von Juristen“, welche legale Tricks besonders geschickt einzusetzen wisse. Selbst Korruption sei in Ungarn legalisiert worden, weshalb eine neue Regierung Verantwortliche nur durch rückwirkende Gesetzgebung oder andere politische Mittel zur Rechenschaft ziehen könne.

Rozgonyi und Bohle: Kontrollierte Medien und Wirtschaft

Krisztina Rozgonyi schilderte die eintönigen Medienverhältnisse in Ungarn: Abgesehen von einigen Printmedien und Online-Zeitungen stehe der gesamte Medienmarkt – öffentlich-rechtlich wie privat – unter der Kontrolle von Fidesz. Rozgonyi, die Ungarn aus politischen Gründen verlassen musste, wies darauf hin, dass Fidesz im Wahlkampf gezielt Desinformation, Fake News sowie KI-generierte Bilder und Tonaufnahmen einsetze. Daher sei kaum feststellbar, auf welcher Informationsgrundlage die Menschen ihre Wahlentscheidung treffen würden.

Dorothee Bohle analysierte die wirtschaftlichen Aspekte des Regimes, insbesondere den durch Korruption geförderten Aufbau einer „nationalen Bourgeoisie“ sowie die Nutzung ausländischer Investitionen – etwa der deutschen Auto- oder der chinesischen Batterieindustrie – im Dienste der politischen Macht. Sie betonte zudem die problematische Rolle der Europäischen Union, insbesondere der Europäischen Volkspartei, die Orbán aus wirtschaftlichen Interessen oder politischem Opportunismus zu lange unterstützt habe.

Was kann man tun?

In der Debatte waren sich alle drei Panelist*innen einig, dass Péter Magyar nach wie vor eine „Black Box“ darstelle. Sein Erfolg garantiere angesichts der tiefen Verankerung der Fidesz-Macht in Institutionen, Wirtschaft und Gesellschaft keineswegs den Abbau des Regimes. Bohle meinte sogar, Magyar könne höchstens eine Veränderung innerhalb des Systems bewirken, nicht jedoch eine Veränderung des Systems selbst – schon allein deshalb, weil er aus diesem System hervorgegangen sei. Techet betonte, dass Magyar nicht wegen seiner Persönlichkeit oder seines bislang weitgehend unbekannten Programms gewählt werde, sondern ausschließlich deshalb, weil er derzeit der Einzige sei, der Orbán ablösen könne. Daher seien selbst liberale oder linke Wähler*innen bereit, für einen konservativen Politiker wie Magyar zu stimmen.

Techet bezeichnete Magyars Strategie als „Anti-System-Populismus gegen ein illiberales System“. Magyar bediene sich populistischer Rhetorik und richte sich gegen „das gesamte System“, einschließlich der „alten Opposition“. In einer illiberalen Demokratie wie Ungarn könne dies jedoch eine positivere Bedeutung haben als in liberalen Demokratien. Magyar mobilisiere Wut – jedoch nicht gegen die liberale Demokratie, wie viele populistische Parteien in Europa, sondern gegen ein bestehendes illiberales System. Ob ein solches System überhaupt noch durch Wahlen abgelöst werden könne, so Techet, sei allerdings fraglich. Zudem betonte Techet, dass eine neue Regierung ohne die zur Verfassungsänderung erforderliche Zweidrittelmehrheit faktisch handlungsunfähig wäre.

Abschließend stellte das Publikum zahlreiche Fragen zur Rolle der Auslandsungarn, zu den Möglichkeiten eines legalen Abbaus des Regimes sowie zu Magyars Plänen hinsichtlich der strafrechtlichen Verfolgung von Korruptionsfällen.

Foto: Malwina Talik

Péter Techet für Die Presse über die Beneš-Dekrete

In der Slowakei wurde die Kritik an den Beneš-Dekreten strafrechtlich verboten. Dabei geht es um jene Dekrete, mit denen Angehörige der deutschen und ungarischen Minderheit nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet wurden. Obwohl sie formal weiterhin gelten, wurde sowohl in Prag als auch in Bratislava beteuert, dass sie nicht mehr angewendet würden. Dennoch werden in der Slowakei Grundstücke von Eigentümern ungarischer Abstammung weiterhin auf Grundlage dieser Dekrete entzogen. Dies wird sowohl von der linksliberalen Partei Progressive Slowakei als auch von der Partei der ungarischen Minderheit kritisiert.

In seinem Gastbeitrag für Die Presse schilderte Péter Techet die aktuellen Debatten über die Dekrete sowie mögliche Gründe dafür, warum Viktor Orbán die slowakische Regierung dennoch nicht kritisiert.

Der Artikel kann hier gelesen werden.

Péter Techet für NZZ über Österreichs Rolle in der Außenpolitik 

Ausgehend von der Identitätskrise, die in Österreich nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie entstand, beschreibt Techet in seinem Essay für die Neue Zürcher Zeitung, wie sich Österreich nach 1918 verleugnen und nach 1945 neu erfinden wollte.  

Auch wenn der Republikanismus längst zum Grundkonsens geworden ist, strebte Österreich besonders nach seinem EU-Beitritt danach, die „habsburgische“ Tradition weiterzuführen: Europas Integration nach Osten und Südosten voranzutreiben. In den letzten Jahren jedoch hat sich die österreichische Außenpolitik auf eine „kleinstaatliche“ Rolle zurückgezogen. Techet schlägt daher vor, Robert Musils Idee vom „Weltösterreich“ wieder aufzugreifen. Dafür braucht es keinen neuen Kaiser, sondern eine mutige und aktive Außenpolitik. 

Der Artikel kann hier gelesen werden: https://www.nzz.ch/meinung/der-welt-abhandengekommen-oesterreich-igelt-sich-politisch-in-seiner-kleinstaatlichkeit-ein-ld.1913247  

Péter Techet im Gespräch in Wien mit Orbán-Biograph Stefano Bottoni 

Fotos: Péter Techet

Der italo-ungarische Historiker Stefano Bottoni veröffentlichte 2019 eine Biografie über den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Das italienischsprachige Buch wurde später auch ins Ungarische und Rumänische übersetzt – und heuer erschien zudem eine deutsche Übersetzung. 

Die ungarische Wochenzeitung Magyar Hang organisierte ein Gespräch in Wien zwischen Bottoni und Péter Techet über das Buch, aber auch über die Chancen und Möglichkeiten, Orbán bei den kommenden Wahlen im April 2026 abzulösen. Das Gespräch fand am 14. November 2025 im Café Wilheim in Wien auf Ungarisch statt.  

Interview mit Péter Techet an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften über Illiberalismus

Péter Techet gab der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ein Interview, in dem er darüber sprach, was der Illiberalismus an sich – und im Besonderen in Ungarn – bedeutet, warum es kein einheitliches, homogenes Volk gibt – und daher auch keine echte Volkssouveränität –, sowie darüber, warum die Rechtswissenschaft die Politik und das Recht nur beschreiben, aber nicht kontrollieren darf. 

Das Interview kann hier gelesen werden: https://www.oeaw.ac.at/news/ungarns-illiberale-demokratie-wenn-die-verfassung-zum-machtinstrument-wird  

Péter Techets Aufsatz über die österreichische Verfassungsgerichtsbarkeit aus historischer Perspektive

Im italienischen Sammelband La giustizia costituzionale in Europa. Da Kelsen ai giorni nostri (Turin, Verlag Giappichelli) erschien ein Aufsatz von Péter Techet über die habsburgischen Wurzeln der österreichischen Verfassungsgerichtsbarkeit vor und nach 1918 mit Blick auch auf die Entstehung des tschechoslowakischen Verfassungsgerichtes nach dem Ersten Weltkrieg. 

Fachkräfte von morgen

Derzeit entsteht eine neue österreichische Auslandsschule in Moldau. Praxis- und wirtschaftsnahe Ausbildung soll im Fokus stehen und jungen Menschen den Weg zum europäischen Bildungs- und Arbeitsmarkt öffnen, wie FRIDA SAGMEISTER in ihrem Beitrag berichtet.

Dieser Artikel wurde in Info Europa 2/2025: Zukunftsfit durch Bildung veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

Etwa 250 Schüler*innen schließen jährlich eine der derzeit sieben Österreichischen Auslandsschulen (ÖAS) ab. Für viele Absolvent*innen ist dies ein Sprungbrett, um anschließend in Österreich zu studieren oder zu arbeiten. So verfolgt ein Geschwisterpaar aus Albanien nach dem Abschluss der HTL Shkodra mit der Spezialisierung Netzwerktechnik inzwischen eine Karriere in Wien. Dort studieren sie an der FH Technikum und arbeiten in der Software-Entwicklung.  

Nun wird das Erfolgsmodell um einen Standort erweitert. In der Republik Moldau, EU-Beitrittskandidat seit Juni 2022, entsteht gerade die Österreichische Schule Moldau „Erhard Busek“ (rumänisch Școala Austriacă „Erhard Busek“ din Moldova (SAM)), benannt nach dem ehemaligen österreichischen Vizekanzler und Vorstandsvorsitzenden des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM). Als Höhere Technische Lehranstalt für Elektronik und Technische Informatik in der Hauptstadt Chişinău wird sie die moldauische Bildungslandschaft ergänzen und eine wichtige Brücke zu Österreich und der EU schlagen.  

Ausbildung auf Deutsch 

Der Schulneubau soll im Sommer 2026 fertig gestellt sein. Bis dahin wird in einem Ausweichquartier in unmittelbarer Nachbarschaft zum zukünftigen Schulgelände unterrichtet. Der Schulbetrieb startet planmäßig ab September 2025. Dann werden auch die Schulleitung sowie sogenannte Subventionslehrpersonen aus Österreich für die Fächer Deutsch, Englisch, Geschichte sowie den fachpraktischen und -theoretischen Unterricht in Hardwareentwicklung und Softwaretechnik vor Ort sein. Über 30 engagierte Schüler*innen bereiten sich schon seit September 2024 in Deutschkursen auf den Besuch der österreichischen Schule und den Unterricht in deutscher Sprache vor. Sie lernen von einem vom Bundesministerium für Bildung (BMB) entsandten österreichischen Deutschlehrer nicht nur Deutsch auf A2-Niveau, sondern auch viel Wissenswertes über Österreich.   

Die österreichischen Lehrpersonen vor Ort werden von lokalen Lehrpersonen unterstützt, beispielsweise für den Unterricht in der Landessprache. Die Finanzierung dieser vor Ort rekrutierten Lehrkräfte sowie die Schulerhaltung erfolgt über das eingehobene Schulgeld. Zudem wird auch ein Stipendiensystem aufgebaut, um einer breiteren Bevölkerungsschicht den Schulbesuch zu ermöglichen. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf der Förderung von Mädchen im MINT-Bereich – also in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – liegen.  

Die neue Auslandsschule bietet die Möglichkeit, die österreichische Reife- und Diplomprüfung (Europäischer Qualifikationsrahmen (EQR) – Niveau 5) abzulegen. Damit erhalten Absolvent*innen Zugang zum Hochschul- und Arbeitsmarkt in Österreich, der EU sowie in der Republik Moldau. Der Schultyp wird wirtschaftsnah geführt, die technischen Unterrichtsfächer haben einen hohen Praxisbezug und die vorgeschriebenen Ferialpraktika werden in enger Kooperation mit Wirtschaftsbetrieben in Moldau und Österreich durchgeführt. Darüber hinaus ist der Abschluss mit einer Berufs- und Gewerbeberechtigung in Österreich verbunden. Nach dreijähriger facheinschlägiger Berufspraxis ist der Erwerb des Ingenieurtitels möglich (EQR Niveau 6). Die Absolvent*innen können ingenieursmäßige Tätigkeiten auf dem Gebiet der Hardwaretechnik, Mess- und Regelungstechnik, Kommunikationssysteme und -netze, Computersysteme und Softwaretechnik ausführen. Damit haben sie exzellente Berufsaussichten, insbesondere angesichts des hohen Fachkräftebedarfs in diesem Bereich. 

Beitrag zur EU-Integration Moldaus 

Moldau ist ein Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA). Gemäß der OEZA-Strategie 2021-2027 für die Länder der Östlichen Partnerschaft liegt der Fokus der Bildungskooperation im Bereich der technischen Berufsausbildung. Jugendlichen und Erwachsenen (einschließlich benachteiligter Gruppen) soll ein besserer Zugang zu arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen ermöglicht und damit ihre Beschäftigungsfähigkeit erhöht werden. Während es im Bereich Informatik und Informationstechnologie in der Republik Moldau zahlreiche öffentliche und private Schulen und Exzellenzzentren mit qualitativ hochwertiger Ausbildung gibt, ist der Bereich Elektronik und Hardwareentwicklung aktuell wenig ausgebaut. Die neue österreichische Auslandsschule möchte diese Lücke füllen und so das moldauische Bildungssystem ergänzen.  Durch gezieltes Capacity Building soll das Land auch auf die zukünftige Teilnahme am europäischen Bildungs- und Wirtschaftsraum vorbereitet und nachhaltige Entwicklung gefördert werden. Damit wird aktiv die EU-Beitrittsperspektive Moldaus unterstützt.   

Die Österreichische Schule Moldau „Erhard Busek“ reiht sich in das derzeitige Netzwerk von sieben weiteren österreichischen Auslandsschulen ein: je eine in Albanien, der Tschechischen Republik, der Türkei, Guatemala und Mexiko sowie zwei in Ungarn. Österreich hat damit ein vergleichsweise kleines Auslandsschulwesen, aber mit langer Tradition: Die älteste Auslandsschule – das St. Georgs Kolleg in Istanbul – wurde bereits 1882 gegründet. Die Österreichischen Auslandsschulen gelten als Leuchtturmprojekte an den jeweiligen Standorten in Europa sowie Lateinamerika. Sie haben den Status einer Privatschule. Als Schulträger fungieren Stiftungen oder Vereine mit BMB-Vertretung nach dem jeweiligen Recht der Partnerländer – im Falle Moldaus die Österreichische Schulstiftung in der Republik Moldau unter Vorsitz von Friedrich Faulhammer, Rektor der Universität für Weiterbildung Krems und Vorsitzender des IDM. Das ganze Spektrum der österreichischen Schulformen wird abgedeckt – von der Volksschule über die Mittelschule bis zur allgemeinbildenden höheren Schule (AHS) und berufsbildenden höheren Schule (BHS) mit Reife- bzw. Reifediplomprüfung. Unterrichtet wird immer nach einem adaptierten österreichischen Lehrplan, der auch den nationalen Anforderungen vor Ort entspricht. Derzeit lernen rund 3.500 Schüler*innen an österreichischen Auslandsschulen, die meisten davon sind Kinder und Jugendliche aus dem Gastland selbst.  

Internationalisierung der Schulnetzwerke 

Die Absolvent*innen stellen eine wichtige Brücke zwischen Österreich und den Partnerländern dar. Seit dem Schuljahr 2023/24 wird auch ein Alumni-Netzwerk aufgebaut. Gleichzeitig bieten die Auslandsschulen auch einen großen Mehrwert für die österreichischen Lehrkräfte. Dienstrechtlich bleiben sie im österreichischen System verankert und können nach Beendigung des Auslandseinsatzes wieder in ihrer Region – oft auch an ihrer Stammschule – arbeiten. Durch das Unterrichten in einem interkulturellen Umfeld im Ausland erweitern Lehrpersonen ihre interkulturellen Kompetenzen und sammeln Erfahrungen im sprachsensiblen Fachunterricht. Die im Ausland erworbenen Kompetenzen stellen nach der Rückkehr damit auch eine Bereicherung für das österreichische Bildungssystem dar.  

 

Frida Sagmeister ist im Bundesministerium für Bildung (Abteilung III/8 – Bilaterale internationale Angelegenheiten Bildung; Weltweit Unterrichten; Holocaust-Education) unter anderem für das Projekt Österreichische Auslandsschule Moldau zuständig.  

Forschungsexzellenz mit Schieflage?

Der Europäische Forschungsrat (ECR) verteilt Förderungen an Europas klügste Köpfe – doch nicht überall kommen die Mittel an. Vor allem Mittel- und Osteuropa bleiben bei den prestigeträchtigen ERC-Grants immer noch häufig außen vor. JOANNA BŁOGOWSKA berichtet von einem Ungleichgewicht mit Folgen.  

Dieser Artikel wurde in Info Europa 2/2025: Zukunftsfit durch Bildung veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

Eines der renommiertesten Förderprogramme Europas feiert 2025 sein 18-jähriges Bestehen: 2007 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen, unterstützen die vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) vergebenen Förderungen wissenschaftliche Exzellenz: Herausragende Forschende mit brillanten Ideen und Projekten, die zu bahnbrechenden Ergebnissen und Entdeckungen führen sollen. Die Förderungen stehen allen Fachrichtungen sowie Forschenden aller Nationalitäten und Karrierestufen offen. Sie stärken die wissenschaftliche Laufbahn von Preisträger*innen, kommen europäischen Forschungscommunitys zugute und erhöhen Europas Wettbewerbsfähigkeit. 

Die Verteilung der ERC-Förderungen verläuft jedoch geographisch ungleichmäßig – viele europäische Länder sind unter den Förderempfänger*innen kaum vertreten. Seit Einführung des Programms hinken die mittel- und osteuropäischen Länder, die der EU nach 2004 beigetreten sind, ihren westlichen Partnern deutlich hinterher. So hat etwa die gesamte Visegrád-Gruppe (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) bislang insgesamt 262 ERC-Grants erhalten. Zum Vergleich: Allein Deutschland verzeichnet 2.884 geförderte Projekte und Frankreich 1.997 – rund zehnmal so viele. Auch im Rahmen des ERC Starting Grant Calls 2022, der sich an vielversprechende Forschende am Beginn ihrer wissenschaftlichen Laufbahn richtet, wird dieses Muster deutlich. Sechs Förderungen gingen an Polen, zwei an Tschechien und 95 an Deutschland. 

Förderlücke zwischen Ost und West 

Diese Diskrepanz gefährdet das ausgewogene wissenschaftliche Wachstum, das durch die Förderung ursprünglich beabsichtigt war. Einerseits spiegeln die Ungleichheiten bestehende Unterschiede in der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit wider. Andererseits verschärfen sie gerade diese Unterschiede und erschweren es den Ländern Mittel- und Osteuropas aufzuholen. Denn die geringe Anzahl an strategisch wichtigen ERC-Projekten entfaltet in diesen Ländern kaum Wirkung und trägt nicht signifikant zur Weiterentwicklung bei. 

Die Auswirkungen sind gravierend. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, wird sie zu einer Verstärkung des Braindrain führen. Vielversprechende Forschende aus Mittel- und Osteuropa können ihre Anträge auch bei erfolgreicheren westlichen Institutionen einreichen oder ihre Karriere außerhalb Europas fortsetzen – in der Hoffnung auf bessere Entwicklungsperspektiven. Die bestehenden Unterschiede könnten auch das Vertrauen in die Region als verlässlichen wissenschaftlichen Partner gefährden. 

Allerdings zeigen sich erste positive Entwicklungen. Im Rahmenprogramm Horizon Europe (Förderperiode: 2021-2027), erhielt Polen bislang (bis einschließlich 2024) bereits acht ERC Advanced Grants, die an führende, international anerkannte Forschende gehen. In den früheren Rahmenprogrammen FP7 und H2020 (2007–2020) wurden insgesamt nur fünf Advanced Grants an polnische Institutionen vergeben. Das deutet auf einen Generationswechsel hin: Die erfahrene Forschendengeneration in Polen wird erfolgreicher bei ERC-Anträgen – ein bedeutender Fortschritt, da diese Gruppe nicht nur wissenschaftlich führt, sondern auch nachkommende Generationen als Mentor*innen prägt. Gleichzeitig bleiben die Unterschiede zu anderen Ländern in Europa erheblich: Von 2021 bis 2024 wurden in die Niederlande 78 ERC Advanced Grants vergeben, nach Spanien 55. 

Neue Impulse  

Das Problem wird sowohl vom ERC selbst als auch von wissenschaftlichen Einrichtungen und politischen Entscheidungsträger*innen in Mittel- und Osteuropa zunehmend erkannt. So bieten das Visiting Fellowships Programm oder die ERC Mentoring Initiative ERC-Bewerber*innen die Möglichkeit, sich mit ERC-Preisträger*innen und deren Teams auszutauschen, um ihre Antragskompetenzen zu stärken. Beide Initiativen werden vom ERC in Kooperation mit nationalen Förderagenturen durchgeführt.  

Darüber hinaus ergreifen die mittel- und osteuropäischen Länder eigene Maßnahmen, um die Erfolgsquote bei ERC-Anträgen zu steigern. In Polen etwa gründete die Polnische Akademie der Wissenschaften (PAN) 2016 eine eigene Abteilung zur Unterstützung von ERC-Vorhaben. Die Abteilung für Exzellenz in der Wissenschaft bietet umfassende Hilfe für Forschende, die sich mit einer polnischen Institution bewerben. Dazu gehören Workshops, individuelle Beratung und Unterstützung bei der Vorbereitung auf die zweite Evaluierungsstufe inklusive Probeinterviews. Das Team besteht aus ERC-Expert*innen, darunter auch promovierten Wissenschaftler*innen. Mehr als die Hälfte (57 %) der ERC-Preisträger*innen in Polen nahm bereits mindestens eines dieser Unterstützungsangebote in Anspruch. 

Seit 2016 wird auf Vorschlag der polnischen Botschaft und des damaligen Botschafters Artur Lorkowski im Rahmen der Zusammenarbeit der PAN mit dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) regelmäßig eine ERC Mentoring Initiative in Wien organisiert. Sie richtet sich an ERC-Bewerber*innen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa, die dort individuelle Beratung zu ihren Projektideen erhalten. Die Mentor*innen sind ehemalige Panelmitglieder oder selbst ERC-Preisträger*innen. Die Initiative soll zu einer offenen wissenschaftlichen Dialogkultur beitragen und die Internationalisierung von Forschenden aus der Region fördern. Die Abteilung Exzellenz in der Wissenschaft ist für die Auswahl der polnischen Teilnehmenden zuständig, die finanzielle Unterstützung erfolgt durch das polnische Wissenschaftsministerium. Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie erfolgreich Kooperationen zwischen westlichen Institutionen und Forschenden aus Mittel- und Osteuropa sein können. Langfristig können diese dazu beitragen, eine ausgewogenere europäische Forschungslandschaft zu schaffen. 

Europäische Exzellenz für alle 

In seinen 18 Bestehensjahren hat der ERC viel erreicht: 16.000 unterstützte Projekte, 200.000 veröffentlichte wissenschaftliche Artikel, 2.200 beantragte Patente, 400 gegründete Start-ups und 14 Nobelpreisträger*innen unter den ERC-Preisträger*innen. Der Mehrwert dieser Förderungen für die europäische Forschung steht außer Frage. Jetzt geht es darum, sicherzustellen, dass dieser Mehrwert künftig gleichmäßiger über Europa verteilt wird. Ein ausgewogeneres wissenschaftliches Wachstum kommt allen europäischen Partnern zugute – es fördert Wissens- und Technologietransfer, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit, unterstützt die europäische Integration und trägt dazu bei, Vertrauen in Europa als starken und gleichwertigen Wissenschaftsstandort zu schaffen. 

Dr. Joanna Błogowska arbeitet als ERC-Förderberaterin in der Abteilung Exzellenz in der Wissenschaft an der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Sie promovierte in Sozialpsychologie an der Université Catholique de Louvain (UCL) in Belgien.