Sophia Beiter at the Conference „Shaping Europe‘s future“ in Passau

From 26 to 28 November, IDM Research Associate Sophia Beiter attended the conference „Shaping Europe‘s future“ in Passau. The event was jointly organised by the Charlemagne Prize Foundation, the Mediengruppe Bayern and the University of Passau. The programme included interactive workshops on the future potential of Europe from the perspectives of education, digital activism and European values. Sophia Beiter presented some of the research results of the project „How to achieve a citizen-based and reformed EU enlargement strategy?“ during a poster session at the University of Passau. The programme also featured a discussion with Yulia Navalnaya and Sviatlana Tsikhanouskaya, who received the Menschen in Europa-Award.

Gastkommentar in Die Presse: „Europas größte Errungenschaft in Gefahr“

In ihrem aktuellen Gastkommentar in der österreichischen Tageszeitung Die Presse warnen IDM-Direktor Sebastian Schäffer und Sophia Beiter eindringlich vor den langfristigen Folgen der erneut verlängerten Grenzkontrollen Deutschlands. Der Beitrag trägt den Titel „Europas größte Errungenschaft in Gefahr“ und rückt das Schengen-Abkommen als zentrales Symbol europäischer Integration ins Zentrum.

Anhand historischer Rückblicke – so etwa auf Stefan Zweigs beschriebene Grenzenlosigkeit von Salzburg nach Triest – machen die beiden klar, was auf dem Spiel steht: Ein Europa ohne Schlagbäume, wie es generationsübergreifend erkämpft wurde, droht durch die aktuelle Politik langsam zu zerbröckeln.

Ökonomisch wie gesellschaftlich ist der Preis für diese Grenzkontrollen hoch: Studien (u. a. von Prognos AG) gehen von bis zu 235 Milliarden Euro Kosten aus, sollte Schengen langfristig faktisch ausgesetzt werden. Gleichzeitig schätzt Allianz Trade die jährlichen wirtschaftlichen Belastungen allein durch temporäre Kontrollen auf 11,5 Milliarden Euro. Den Autor*innen zufolge stehen diesen realen Kosten vor allem symbolische „Sicherheitsgewinne“ gegenüber – ein Missverhältnis, das nicht ignoriert werden darf.

Politisch kritisieren Schäffer und Beiter, dass die Kontrollen vor allem als populistisches Signal nach innen dienen: Regierungen suggerieren Handlungsfähigkeit, während sie zugleich die Grundidee eines offenen Europas untergraben. Jede Verlängerung der Ausnahme bedrohe das Vertrauen, die Mobilität und die Solidarität zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Das IDM appelliert klar: Deutschland müsse seine europäische Verantwortung wahrnehmen und ein verbindliches Bekenntnis zu offenen Grenzen abgeben – statt den Ausnahmezustand sukzessive zu normalisieren. Denn: Schengen ist mehr als ein Abkommen – es ist eine zentrale Säule gemeinsamen europäischen Zusammenhalts.

Der vollständige Text kann hier abgerufen werden: Europas größte Errungenschaft in Gefahr – DiePresse.com

Ein früherer Artikel von Sebastian Schäffer und Sophia Beiter über das österreichische Veto zum Schengen-Beitritt von Bulgarien und Rumänien aus dem Jahr 2023 kann hier abgerufen werden: Eines der drängendsten Themen unserer Zeit – DiePresse.com

Péter Techet for Klubrádió about the AfD’s pro-Russia stance

On the Hungarian broadcaster Klubrádió, Péter Techet spoke about possible reasons for the AfD’s pro-Russian line and about the fact that this stance is even criticized within the party. He said that the AfD had not yet decided between Trump and Putin; however, the party is, according to Techet, clearly anti-European and therefore essentially also anti-German. 

The interview can be heard here. 

Chancenungleichheit im Schatten der Geschichte

Anhaltende Diskriminierung, überdurchschnittlich viele Schulabbrüche und unterdurchschnittliche Einkommen – Rom*nja und Sinti*zze sind im Bildungsbereich weiterhin stark benachteiligt. ALBERT SCHERR analysiert das Zusammenspiel ausgrenzender Faktoren einer der größten Minderheiten Deutschlands.

Dieser Artikel wurde in Info Europa 2/2025: Zukunftsfit durch Bildung veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe ist hier abrufbar.

“Du willst es schaffen. Nicht nur für dich, auch für deine Familie und für das Rom*nja-Sein. Du willst es schaffen, und dann sagen, ich habe etwas erreicht. Ich habe das Abitur geschafft, was für uns etwas ganz besonderes ist“, erklärte David, ein von uns befragter Sinto über seine Ziele. Durch biographische Interviews mit bildungserfolgreichen Rom*nja und Sinti*zze sowie über die Auswertung einer quantitativen Befragung versuchten wir zu verstehen, was die Ursachen der weiterhin hoch problematischen sozialen Lage und Bildungssituation dieser Minderheit in Deutschland sind.

Denn die Romnokher-Studie, eine in Selbstorganisation der Sinti*zze und Rom*nja durchgeführte Untersuchung, kommt zu besorgniserregenden Befunden. Das Haushaltsnettoeinkommen von befragten Rom*nja und Sinti*zze ist immer noch deutlich geringer als das der Gesamtbevölkerung, über 70 % der Haushalte verfügen über weniger als 3000 € pro Monat. Der Anteil der Befragten, die keinen Schulabschluss erwerben konnten, ist mit ca. 30 % im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (ca. 4 %) ebenfalls überdurchschnittlich hoch. Nur knapp 14 % erlangten laut Studie einen Abschluss, der zum Studium berechtigt (Gesamtbevölkerung ca. 35 %).

Vorurteile als Barriere

Aussichtsreiche Strategien zur Verbesserung dieser Situation benötigen ein fundiertes Verständnis der Strukturen und Praktiken, die Bildung ermöglichen bzw. erschweren. Dabei muss beachtet werden, dass Sinti*izze und Rom*nja keine in sich homogene Minderheit darstellen. Sie setzen sich aus Gruppierungen mit unterschiedlichen historischen Erfahrungen und kulturellen Traditionen sowie unterschiedlicher Traditionsverbundenheit zusammen.

Das gängige Vorurteil, dass die Ursachen von Bildungsbenachteiligung in der Minderheit selbst zu suchen sind – etwa in ihrer Kultur und ihrem fehlenden Interesse an formaler Bildung – ist nicht nur falsch, sondern selbst auch Teil des Problems. Denn aus der Bildungsforschung wissen wir, dass es negative Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit von Schüler*innen hat, wenn sie von Lehrer*innen oder anderen Bezugspersonen als Angehörige einer Gruppe betrachtet werden, der wenig zuzutrauen ist und deren schlechtes Abschneiden deshalb als erwartbar gilt. Diese Vorurteile können im Sinne eines Teufelskreises dann zu Folgen führen, welche das Vorurteil zu bestätigen scheinen.

Ausgrenzung wirkt nach

Dementsprechend wurde und wird in der Forschung sowie von Selbstorganisationen der Minderheit immer wieder ein konsequentes politisches und pädagogisches Vorgehen gegen Diskriminierung eingefordert. So notwendig dies auch ist, es reicht allein nicht aus. Denn insbesondere für Deutschland gilt – und das ist ein zentrales Ergebnis meiner Forschung – dass das Ausmaß der gegenwärtigen Diskriminierung in Schulen nur zu einem geringen Teil erklären kann, warum Rom*nja und Sinti*zze dort oft weniger erfolgreich sind als ihre Mitschüler*innen. Ausschlaggebender sind vielmehr die Auswirkungen der sozialen Lage, die ihrerseits aus Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung in der Vergangenheit resultieren.

Dies bedeutet zunächst, dass für Rom*nja und Sinti*zze vor allem die Zusammenhänge von sozialer Herkunft und Bildungschancen relevant sind, die auch Kinder und Jugendliche betreffen, die keiner ethnischen Minderheit angehören. Konkret zählen dazu Faktoren wie Arbeitslosigkeit bzw. belastende Arbeitsbedingungen, geringes Einkommen, beengte Wohnverhältnisse, geringe oder fehlende schulische Bildung von Eltern und Verwandten oder auch ein unsicherer Aufenthaltsstatus. Davon sind Rom*nja und Sinti*zze deswegen jedoch relativ häufiger betroffen als die Gesamtbevölkerung, weil sie in der Vergangenheit systematisch und umfassend durch staatliche Politik diskriminiert und dadurch in eine Position gesellschaftlicher Randständigkeit gezwungen wurden. Für Deutschland ist festzustellen, dass sich dies auch nach dem Ende der Verfolgung und Ermordung durch das Nazi-Regime fortsetzte. Das zeigt sich unter anderem darin, dass erst Anfang der 1990er Jahre ihre Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus erfolgte.

Mehr als Antidiskriminierung

Um die heutige Bildungsbenachteiligung besser zu verstehen, müssen also die Folgen der historischen Diskriminierung für die aktuelle soziale Lage sowie der Einfluss dieser sozialen Lage auf die Bildungschancen berücksichtigt werden. Und es gilt, daraus die politische Konsequenz zu ziehen, dass Bildungsbenachteiligung nicht allein durch Maßnahmen gegen Diskriminierung überwunden werden kann – obwohl diese zweifellos unverzichtbar sind. Erforderlich ist darüber hinaus eine Gesellschaftspolitik, die insgesamt auf einen Abbau sozialer Ungleichheiten ausgerichtet ist, einschließlich einer Bildungspolitik, die auf mehr Chancengerechtigkeit in der schulischen, beruflichen und universitären Bildung zielt. Von einer solchen Politik würden nicht nur, aber auch  Rom*nja und Sinti*zze profitieren.

Unsere Studie zeigte auch, dass sich viele der Minderheit angehörende Eltern bessere Bildungschancen für ihre Kinder wünschen. Gerade Mütter, die in ihrer Kindheit und Jugend selbst kaum Zugang zu Bildung hatten, möchten dies häufig ihren Töchter ermöglichen. Doch über Generationen anhaltende Diskriminierung hat auch oft negative Auswirkungen auf das Selbstverständnis der Betroffenen. Wenn sich Distanz und Misstrauen gegenüber den Institutionen der Mehrheitsgesellschaft mit dem Gefühl verbinden, ohnehin unerwünscht zu sein und keine realen Chancen auf gesellschaftliche Anerkennung zu haben, braucht es mehr als nur bessere Rahmenbedingungen – es braucht auch eine glaubwürdige Ermutigung, die deutlich macht: Die Zeiten, in denen Diskriminierung von Rom*nja und Sint*izze stillschweigend hingenommen wurde, sind wirklich vorbei.

Weiterführende Literatur

Strauß, D. (Hrsg.) (2023): Romnokher-Studie 2021. Ungleiche Teilhabe. Zur Lage der Sinti und Roma in Deutschland. Wiesbaden: Springer.

Albert Scherr ist Soziologe und Seniorprofessor an der Pädagogischen Hochschule Freiburg sowie Research Fellow an der University of the Free State in Südafrika. Er hat zahlreiche Studien zu Diskriminierungs- und Bildungsforschung durchgeführt und unter anderem ein umfangreiches “Handbuch Diskriminierung” veröffentlicht.

Péter Techet for Klubrádió about German migration debates 

After Friedrich Merz’s criticism of the appearance of many German cities, the Hungarian Klubrádió conducted an interview with Péter Techet about the reasons for (and whether) Merz wants to adopt AfD themes. 

The interview can be listened to here. 

Péter Techet’s foreword to Joschka Fischer’s book in Hungarian

The most recent book by former German Foreign Minister Joschka Fischer (Die Kriege der Gegenwart und der Beginn einer neuen Weltordnung) was published in March 2025. The publisher of the Hungarian weekly magazine HVG had the book translated into Hungarian (A jelen háborúi. Egy új világrend születése), which was released in October 2025. Péter Techet wrote the foreword to the Hungarian edition. 

Péter Techet for ARD Tagesschau on the demonstrations in Budapest

On October 23, two demonstrations took place in Budapest: both the governing party and the largest opposition party called their supporters to the streets. The news portal of ARD Tagesschau interviewed Péter Techet about the significance of these two demonstrations.

The article can be read here: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ungarn-proteste-132.html

Péter Techet for STVR Pátria Rádió about Friedrich Merz’s criticism of migration

On the occasion of the critical remarks made by the German Chancellor, Friedrich Merz, claiming that the appearance of German cities had changed, Péter Techet analyzed the right-wing shift in the rhetoric of the CDU/CSU on the Hungarian-language program of Slovak Radio. 

The interview can be listened to here: https://patria24.stvr.sk/2025/10/23/a-nemet-kancellar-szerint-a-migracio-megvaltoztatta-a-nemet-varoskepet-es-a-nok-nem-erzik-magukat-biztonsagban/ 

How can the Weimar Triangle support Ukraine? M.Talik in Genshagen 

Copyright: Rene Arnold

Stiftung Genshagen, together with ÖFZ/CFA and Ukrainian Prism, organized the Weimar Plus Roundtable, “Ukraine and the EU – Getting Ready for Accession” in the Genshagen Castle (Germany) on 16.-17. October.  Malwina Talik was among the speakers in the session on the potential of Weimar Triangle (Germany, France, and Poland) in support of Ukraine. She particularly emphasized the need for institutionalizing the format and providing structured support for civil society in Ukraine, for example, through funds similar to the Visegrad Fund, and outlined the steps necessary for the Weimar Triangle to play a meaningful role in this context. In her talk, she also shared key insights from the IDM Policy Paper, “The Weimar Triangle: Driver of Ukraine’s EU Integration & Security?”, which she co-authored with Sebastian Schäffer, Romain Le Quiniou, and Nadija Afanasieva. 

More information: https://www.stiftung-genshagen.de/veranstaltungen/veranstaltungen-2025/ed/ukraine-and-the-eu-getting-ready-for-accession/  

Péter Techet for STVR Pátria Rádió on Merkel’s Refugee Policy

In the Hungarian-language program of Slovak Radio STVR, Péter Techet spoke about the reasons for and the consequences of the refugee policy that Angela Merkel implemented 10 years ago – also in contrast to the policy of Viktor Orbán. 

The interview can be listened to here: https://patria24.stvr.sk/2025/09/30/naiv-volt-e-merkel-tizeves-a-menekultvalsag/